Interdisziplinäre Ringvorlesung „Psyche“ im SoSe 21

Liebe Interessierte,

wir laden Sie und Euch alle herzlich zur interdisziplinären Ringvorlesung „Psyche“ im Sommersemester 2021 ein, die von Stipendiat*innen des Evangelischen Studienwerks Villigst in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Plurale Psychologie e.V. organisiert wird!

Hier kann der Flyer heruntergeladen werden.

Was ist die Psyche? Wo ist sie? Ist sie überhaupt? Wie erkenne ich sie? Kann heute noch von der Unsterblichkeit der Seele gesprochen werden? Wie gehen Menschen damit um, wenn die Psyche zu sich selbst spricht und dabei als externe (un)kontrollierbare Stimme(n) wahrgenommen wird? Wo verlaufen die Grenzen zwischen einer „gesunden“ und einer „leidenden“ Psyche, welche Möglichkeiten lassen sich heute zur Reduktion von Seelenleiden finden? Welche historischen und interkulturellen Vorstellungen gibt es von den Konzepten „Körper“ und „Seele“? Aus welchen Perspektiven betrachten die Neurowissenschaften und die Theologie dieses Themengebiet?

Diese interdisziplinäre Ringvorlesung beschäftigt sich mit der Beleuchtung der „Psyche“ aus zahlreichen praktischen und theoretischen Blickwinkeln.

Coronabedingt findet die Vortragsreihe freitags von 18:00 bis 20:00 (c.t.) Uhr über Cisco WebEx unter folgendem Link statt:

https://evstudienwerk.webex.com/meet/konferenz7

 

Die Vorlesungsreihe startet am Freitag, am 4. Juni mit einem Vortrag von Andreas Jung, Genesungsbegleiter und Vorsitzender von EX-IN Hessen:

Der Faden der Ariadne - Wie schwere psychische Krisen bewältigt werden können

Der Vortrag wird den Versuch unternehmen die Abkehr von der Universalität des mittelalterlichen Kosmos mit dem eigenen durch Erkrankung und Schizophreniediagnose beschädigten Leben in Verbindung zu bringen. Dabei wird die Verletzlichkeit zum Maßstab für ein therapeutisches Eingreifen, dass Menschen befähigt eigene Wege zu gehen. Bildung kann eine wichtige Voraussetzung für ein tragen und gehalten werden in der Krise sein. Es wird in diesem Zusammenhang auf die Problematik von Stigmatisierung und Beschämung der Krankheit, aber auch von menschlichem Ungenügen, in modernen Gesellschaften eingegangen. Der Rückgriff auf den Gedanken der europäischen Bildung wie sie der Marburger Romanist und Exilant Erich Auerbach entwickelt hat, wird für den von psychischer Erkrankung schwer Betroffenen zur Ressource für die eigene Genesung und zu einer neuen Erfahrung.

 

11. Juni 2021: Elis Eichener, Ruhr-Universität Bochum, Praktische Theologie:
Die Krux mit dem Seelenbegriff. Praktisch-theologische Erwägungen zur Seele
Wird im wissenschaftlichen Kontext nach der Seele gefragt, so scheint klar zu sein, dass sie in
den meisten Wissenschaften kein Thema mehr darstellt. Am ehesten noch wird die
Beschäftigung mit der Seele der Theologie zugeschrieben. Doch auch die Theologie steht dem
Seelenbegriff seit langer Zeit skeptisch gegenüber und bevorzugt bis in die Gegenwart hinein
Alternativkonzepte. Zugleich zeigt sich in den letzten Jahren ein neues Interesse an der Seele.
Das liegt insbesondere daran, dass viele Christ*innen immer noch an die Seele glauben. Schon
allein aufgrund dieser Beobachtung sollte die Kritik am Seelenbegriff selbst kritisch reflektiert
und neue theoretische Überlegungen zur Seele unternommen werden. Der Vortrag bietet einen
Einblick in diesen Fachdiskurs und stellt einen Weg vor, wieder theologisch fundiert von der
Seele zu sprechen. Der Seelenbegriff mag als Krux empfunden werden, er sollte dennoch Thema
theologischen Denkens bleiben.

 

18. Juni 2021: Prof. Dr. Sabine Föllinger, Philipps-Universität Marburg, Klassische Philologie:
Vorstellungen von ‚Körper‘ und ‚Seele‘ in der griechischen Antike
Die für uns selbstverständliche Unterscheidung von Körper (soma) und Seele (psyche) geht auf
Vorstellungen, die in der griechischen Antike begründet wurden, zurück. Das Wort psyche
begegnet zum ersten Mal in Homers Epen (um 700 v. Chr.) und hat dort unterschiedliche
Bedeutungen. Vom 5. Jh. v. Chr. bis in die Spätantike entwickelte sich dann ein lebhafter
Diskurs von Philosophen und Medizinern: Kann man überhaupt zwischen ‚Körper‘ und ‚Seele‘
unterscheiden? Ist die Seele immateriell oder materiell? Überdauert die Seele den Tod? Soll man
eher die Seele oder den Körper therapieren? Während die Hippokratiker (5./4. Jh. v. Chr.) kaum
zwischen körperlichen und psychischen Prozessen unterschieden, vertrat Platon (4. Jh. v. Chr.)
dezidiert eine Trennung von Körper und immaterieller Seele. Für Aristoteles (4. Jh. v. Chr.) war
die psyche ein Lebensprinzip, über das Pflanzen, Tiere und Menschen – auf unterschiedliche
Weise – verfügen. Der Arzt Galen (2. Jh. n. Chr.) wiederum vertrat die Abhängigkeit des
psychischen Zustands vom Körper. Diesen verschiedenen Positionen und ihrer Bedeutung für die
Geschichte des ‚Seelen‘-Begriffs wird der Vortrag nachgehen.

 

25. Juni 2021: Prof. Dr. Dominik Endres, Philipps-Universität Marburg, Theoretische
Neurowissenschaften:
Psychologie im Zeitalter von KI und VR
Infos folgen

 

9. Juli 2021: Prof. Dr. Barbara Schellhammer, Hochschule für Philosophie München,
Intercultural Social Transformation:
Ahcâhk (Cree) – Die Essenz alles Lebendigen. Versuch zur ‚Psyche‘ in der Tradition
kanadischer Ureinwohner
Der Vortrag stellt das vorläufige Ergebnis der Spurensuche nach Vorstellungen der „Psyche“ in
verschiedenen Traditionen kanadischer Ureinwohner dar. Dabei wird deutlich, dass First Nations
und Inuit damit weniger das verbinden, was wir in der psychologischen Forschung unter
„Psyche“ verstehen, sondern vielmehr die spirituelle Essenz des Menschen. Dabei sind die vier
Seinsweisen der menschlichen Existenz, das Mentale, das Spirituelle, das Emotionale und das
Körperliche zutiefst miteinander verflochten. Zudem bedeutet die spirituelle Dimension des
Menschen, dass wir untrennbar mit unserer natürlichen und sozialen Umwelt leben und Teil
eines Lebenszyklus sind, der es unmöglich macht, die „Psyche“ nur individualistisch zu
verstehen.

Wir freuen uns auf Ihr und Euer zahlreiches Erscheinen!



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