Sommeruniversität 2022 – F KUNSTWELTEN UND ÄSTHETISCHE ERFAHRUNG

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Seminare

Es werden die folgenden Seminare angeboten:

F1 / Who lives, who dies, who tells your story? Questions of Power in Hamilton – an American Musical

Based on historian Ron Chernow’s biography and adapted for Broadway by Lin-Manuel Miranda in 2015, Hamilton – An American Musical tells the life story of founding father Alexander Hamilton, from his difficult childhood in the Caribbean, to his rise to power as George Washington’s aide, his role in establishing America’s political system and its institutions, and finishing with his untimely death at the hands of his political rival Aaron Burr in a duel in 1804.

As this short summary of the plot already shows, power is a major theme in the musical and drives many of the character arcs. While the musical tells the overarching story of the American colonies’ struggle for independence, it also traces the characters’ individual quests for power, loss of power, or (perceived) powerlessness. It thereby addresses larger questions of political and social power, of who should hold it and how, and of how power can be gained and lost.

On the one hand, Hamilton thus tells a very familiar story about familiar people or rather well-known and powerful white men such as Hamilton himself, George Washington, or Thomas Jefferson. On the other hand, however, the musical subverts tropes and standards of traditional narratives of the American Revolution and the genre of Broadway musicals. It does so by only casting people of color as the protagonists, using rap and R & B as two of the main genres, and by including the lives of women, immigrants, and people of color in its (re-)telling of the American Revolution. As a consequence, questions of power are also discussed on a meta-level, as the musical demonstrates the power and impact of musical genres and lyrics, the power of story-telling and of representation.

We will start off the week by familiarizing ourselves with the historical background, that is the people and events that are represented in Hamilton. We will, of course, also watch the filmed version of the original stage production. Using analytical tools from Cultural and Literary Studies, we will then analyze and discuss the different aspects of power dealt with in the musical, i.e. the power of music, the power of storytelling and narratives, and the power of representation (of people of color, women, etc.).

Please note: Since the primary and secondary sources are English, we will try to use English as our first language in the seminar. However, do not hesitate to register because of the ­language: there will always be a chance to use German if you have to or want to do so.

Leitung: Dr. Svenja Hohenstein, Dr. Katharina Thalmann
Veranstaltungsort: Klosterhof St. Afra Meißen

Zeitraum: 19. September bis 23. September 2022
Dauer: 5 Tage

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F2 / Die Macht und Ohnmacht der Musik – Einsichten in ein paradoxes Kulturgut

Die einen wollen ohne Musik nicht leben, den anderen sind Klänge und Geräusche jenseits der Sprache herzlich egal. Den einen erscheint Musik wirkmächtig und von unbändiger ­Energie, den anderen bleibt unverständlich, wie man schönen oder weniger schönen Klängen so viel Bedeutung andichten kann. Was sagt nun die Forschung zu solchen Widersprüchen? Wie mächtig ist Musik wirklich? Geht mit Musik sprichwörtlich alles ­besser? Wie und warum können wir von musikalischen Aktivitäten wie Musikhören, Chorsingen oder Tanzen im Alltag profitieren? Inwiefern kann Musik Kinder in ihrer Entwicklung und im Lernen unterstützen, auch und gerade dann, wenn ein Instrument ein Teil dieses Lernens ist? Inwieweit kann Musik aber auch schaden, wenn wir sie mit zu hohen Schalldruckpegeln versehen oder mit Botschaften gegen menschliche Grundwerte vermengen?

Medien scheuen sich nicht, eher zu polarisieren als gründlich zu informieren. In diesem Seminar begeben wir uns auf eine Reise auf das Gebiet der musikpsychologischen Forschung. Dieses Gebiet ist traditionell geprägt von geistes-, sozial- und naturwissenschaftlichen Zugriffen und entsprechend heterogenen Fragestellungen. Wir werden uns diesen im ­Rahmen von Seminar- und Gruppenarbeitsphasen mit Fokus auf sozialwissenschaftliche Methoden und Arbeitsweisen annähern. Geplant ist zudem eine Exkursion zum Musiklabor der Universität Osnabrück, an der sich eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Oehler mit virtuellen akustischen 3-D-Anwendungen sowie KI-Anwendungen zur Klassifikation von symphonischer Musik des 19. Jahrhunderts befasst.

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Gunter Kreutz
Veranstaltungsort: online

Zeitraum: 14. März bis 18. März 2022
Dauer: 5 Tage

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F3 / Mensch, macht doch was für Klimaschutz! Formen und Potenziale von Klimafolgenkunst und künstlerischem Aktivismus

Das Zeitfenster zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels wird immer kleiner (IPCC-Bericht 2021). Seitdem Klimaaktivist*innen das Thema auf die tagespolitische Bühne gebracht haben, reagieren in den letzten Jahren vermehrt große Kunst- und Kulturinstitutionen auf diese Dringlichkeit: Klimawerkstätten werden eingerichtet, Stückentwicklungen in Auftrag gegeben und Kooperationen mit Wissenschaftler*innen initiiert.

Doch bereits seit den 1970er-Jahren gibt es überall auf der Welt neuartige und unruhige Verbindungen von Künstler*innen, Akti­vist*innen und Wissenschaftler*innen (vgl. Donna Haraway: Unruhig bleiben – Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän, 2018), die sich lokal verortet und / oder global vernetzt mit den Ursachen und Auswirkungen von ­Klimaveränderungen auseinandersetzen.

Im Seminar verschaffen wir uns einen Überblick über verschiedene künstlerische Ausdrucks­formen von Klimafolgenkunst und untersuchen die politischen und sozialen Potenziale von künstlerischem Aktivismus. Welche Geschichten über den Klimawandel werden von wem in welchem Kontext erzählt? Welche Perspektiven finden Gehör, Reichweite oder Publikum? Welche Strategien erdenken sich künstlerisch Forschende und politisch Aktive in fruchtbarem Austausch?

Das Seminar gliedert sich wie folgt:
1) Erzählungen und Formen
2) »Artivism« (Kunst & Aktivismus)
3) kreativ werden

Im dritten Teil widmen wir uns den eigenen Rollen im skizzierten Feld. Wie können wir künstlerisch-kreativ auf unmittelbare Klima­folgen reagieren? Welche Möglichkeiten des zivilgesellschaftlichen Engagements können wir neu erfinden oder verändern?

Um den interdisziplinären Ansatz in der Gestaltung des Seminars umzusetzen, sind Gastimpulse geplant. Neben kritischer Selbstreflexion sind weitere Hauptanliegen, die intersektionalen Dimensionen des Themas miteinzubeziehen sowie Theorie und Praxis methodisch miteinander zu verschränken.

Leitung: Antonia Tretter
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 15. August bis 19. August 2022
Dauer: 5 Tage

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F4 / Macht Kunst untertan?

Vor Kurzem ging die Meldung durch Presse und Social Media, die Universität Oxford werfe Beethoven und Mozart aus dem Lehrplan, weil sie Komplizen des Kolonialismus und der weißen Vorherrschaft seien. Auch wenn Oxford umgehend dementierte – europäische Kunst wird heute oft mit weißen Machteliten in Verbindung gebracht. »Kulturelle Aneignung« wird angeprangert als  Missbrauch der Kultur der Unterdrückten. Aber sind solche Kategorien von Macht überhaupt anwendbar auf Kunst?

Vor 50 Jahren war die Verbindung von Kunst und Macht Teil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Bücher beschäftigten sich mit der »Inszenierung der Macht« und dem Missbrauch, den Hitler und Stalin mit der Kunst betrieben hatten. Künstler*innen hatten auch früher schon nach der Nähe der Macht gesucht, weil sie bezahlt werden wollten – hat diese Nähe ihre Kunst korrumpiert? Troubadoure sangen das Lob ihrer angebeteten Fürstin – waren sie Schoßhündchen der Macht? Im Mittelalter hatten Maler und Bildhauer gar keine andere Wahl, als für Kirche und Fürsten zu arbeiten; hat sie das daran gehindert, nach individuellem Ausdruck zu suchen? In der demokratischen Gesellschaft darf heute jeder alles, solange er einen Markt dafür findet. Ist die Kunst dadurch demokratisch geworden?

All diese wichtigen Fragen lassen sich nur diskutieren, wenn man klärt, was »Macht« ist und was »Kunst«. Mit Definitionen ist es da nicht getan. Man muss es verstehen und das geht nur in der Untersuchung im Detail, in welchem nach Aby Warburg der liebe Gott wohnt. Wir wollen das in diesem Seminar an verschiedenen Epochen und an verschiedenen Kunstgattungen durchspielen. Da sie nun ­einmal die hier entstandene Kultur ist, werden wir das an Beispielen der europäischen Kunst erarbeiten. Wenn jemand ein gutes Beispiel von außereuropäischen Kulturen einbringt, ist das willkommen. Wir wollen nicht Fronten oder Verteidigungslinien aufbauen, sondern das Menschliche in aller Kunst finden und als Mittel des Widerstandes gegen Mächte aller Art verstehen.

Leitung: Bernd Feuchtner
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 1. August bis 6. August 2022
Dauer: 6 Tage

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