Kriege und Krisen in der medialen Berichterstattung
Krisen, Kriege, Konflikte und Katastrophen – die vier großen ›K‹ prägen die mediale Öffentlichkeit. Die Berichterstattung darüber – von der Themenauswahl über die Recherche bis hin zur Kommentierung – beschäftigt Mediennutzer*innen und Journalist*innen gleichermaßen. Dabei sind Krisen und Konflikte in den vergangenen Jahren näher an die Menschen in Deutschland herangerückt, nicht nur geografisch, auch medial – etwa durch die Corona-Pandemie, den russischen Überfall auf die Ukraine, den Terrorangriff der Hamas auf Israel, der den Gaza-Krieg mit all seinen Folgen ausgelöst hat, oder die autokratischen Entscheidungen des US-Präsidenten Donald Trump.
Viele Menschen erfahren schon morgens im Bett beim Scrollen durch den Newsfeed von den neuesten Entwicklungen. Dabei rücken etwa die Hungerkrise und der Bürgerkrieg im Sudan oder die Millionen, die aus Venezuela flüchten, bei vielen aus dem Blickfeld – sie sind vermeintliche Nebensachen. Wie entscheidet sich also, worüber, wann und wie oft berichtet wird?
Zu den publizistischen Grundprinzipien gehören Wahrhaftigkeit, Sorgfalt und Persönlichkeitsschutz. Oft stellt sich die Frage, woher Journalist*innen unabhängige Informationen beziehen. Können sie frei vor Ort recherchieren, gehen sie ›embedded‹, also unter militärischer Aufsicht, in ein Krisengebiet oder sind sie auf Informationen von Konfliktparteien angewiesen? Dabei geraten Journalist*innen oft selbst in den Mittelpunkt der Kritik, ihre Praktiken und die Ethik des Journalismus stehen auf dem Prüfstand: Was ist ›guter‹ Journalismus, was ›schlechter‹? Was sind Fakten, was Propaganda? Welche Informationen oder Bilder dürfen gezeigt werden – insbesondere, wenn es um die Würde der Betroffenen geht?
In unserem Seminar möchten wir klären, unter welchen Bedingungen Journalist*innen über Kriege und Krisen berichten – in den Redaktionen in Deutschland und auch vor Ort im Krisengebiet. Dazu sind in dem fünftägigen Seminar ein Gespräch etwa mit dem Leiter des Kiewer ARD-Studios Vassili Golod und eine Exkursion in den Newsroom einer Nachrichtenredaktion (WDR oder Deutschlandfunk) geplant.
Zuvor möchten wir uns in einem theoretischen Teil mit Fragen der Medientheorie und Medienethik sowie Grundlagen des deutschen Mediensystems beschäftigen. Wir nehmen uns Bertolt Brechts Kritik am Massenmedium Radio vor oder Texte des Medienphilosophen Byung-Chul Han. Am zweiten Seminartag werfen wir einen Blick auf die Seite der Mediennutzer*innen und darauf, wie diese journalistische Inhalte konsumieren. Im letzten Drittel des Seminars sollen sich die Teilnehmenden auch selbst ausprobieren und in einer Übung mit Workshop-Charakter eine eigene Recherche durchführen, um die Grundsätze journalistischer Arbeit tiefer zu verstehen.
Seminarleitung: Dirk Asendorpf, Co-Leitung: Franziska Hein
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.