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Promotion

Unsere Promovierenden

In der Reihe »ProMonate« stellt sich jeden Monat ein/e Promotionsstipendiat*in vor und erzählt über das eigene Promotionsthema, die Herausforderungen und Sternstunden der Promotionszeit und davon, was ihn oder sie mit dem Evangelischen Studienwerk verbindet.

Ein lächelnder Mann mit dichtem, graumeliertem Haar und leichter Bartstoppel in einem hellgrauen T‑Shirt steht auf einer Wiese vor einem Holzzaun und Bäumen unter leicht bewölktem Himmel.

Hassan

Hassan promoviert im Fach Philosophie an der Universität Heidelberg. In seiner Promotion entfaltet er eine theoretisch-philosophische Auseinandersetzung, in der Hegels ökonomische Analyse durch den historisch-materialistischen Zugang von Marx und Lukács neu gedacht wird.

»Mithilfe Georg Lukács‘ setze ich mich insbesondere mit Hegels ökonomischen Schriften auseinander, um zu verstehen, inwiefern Hegel in der Tradition der Vormärz- und vormarxistischen Philosophie verortet werden kann und welche Vorstellung Hegel von einer emanzipierten Gesellschaft hat.«
Den roten Faden der Arbeit bildet die Analyse zentraler Kategorien der politischen Ökonomie – darunter Arbeit, Wert, Geld, Ware, Recht, Freiheit, Entäußerung, Eigentum, Werkzeug, Sprache sowie (Selbst-)Bewusstsein. Hegels und Marx’ Überlegungen werden anhand dieser Begriffe mit Lukács’ Ausführungen diskutiert und in Beziehung gesetzt.
»Im Zentrum steht die These, dass die verbreitete Trennung zwischen jungem und spätem Hegel in ökonomischer Hinsicht nicht haltbar ist. Vielmehr bilden seine frühen und späten Arbeiten eine Einheit, wodurch Hegel als Vordenker von Marx und Engels erscheint – nicht als reaktionärer preußischer Philosoph.«
Für Hassan sind bürokratische Vorgänge und strukturelle Bildungsungerechtigkeit die größten Hürden während der Promotionsphase.
»Als Kind einer armen Arbeiterfamilie aus dem Iran musste ich gegen viele Widerstände angehen, um es bis zur Promotion zu schaffen. Diese Hürden sind nicht hinfällig mit dem Erreichen dieser Phase. Besonders die vielen bürokratischen Anforderungen stellen Menschen vor große Herausforderungen, die nicht in diesem Ordnungssystem aufgewachsen sind. Ich bin davon überzeugt, dass der wichtigste Grund für eine Promotion die Leidenschaft für die Forschung sein muss. Mit einem klaren Ziel vor Augen lassen sich diese Hürden überwinden. Wichtig sind dabei auch unterstützende Institutionen und Menschen im sozialen Umfeld.«
Mit dem Ev. Studienwerk verbindet Hassan vor allem Offenheit, Unterstützung und die Identifikation mit den Werten des Studienwerks.
»Entgegen meiner anfänglichen Vorbehalte habe ich Villigst als offen für kritische und historisch-materialistische Arbeiten erlebt.« Trotz negativer Erfahrungen mit Religion in Kindheit und Jugend fand Hassan im Studienwerk Unterstützung – sowohl im Bewerbungsprozess als auch während der Förderung.
Auch die Geschichte des Studienwerks ist für Hassan wichtig. Als politisch aktiver Mensch musste er 2007 sein Studium unterbrechen und aus dem Iran fliehen.

Eine lächelnde Frau mit kinnlangem braunem Haar, Ohrhänger und bunt gemustertem, ärmellosem Oberteil vor einer Glasbrüstung, grünem Hang, blauem Bergsee und schroffen Bergen unter klarem Himmel.

Katharina

Katharina promoviert im Fach Evangelische Theologie an der Universität Zürich. In ihrer Promotion geht es um die Frage, wie sich der Pfarrberuf verändert in einer seit der Corona-Pandemie verstärkt digital kommunizierenden Kirche.

»Das Thema ist spannend, weil es in der Rückschau nicht nur eine Form der Aufarbeitung dessen beinhaltet, was während und durch die Corona-Pandemie auf evangelischer landeskirchlicher Ebene an digitalen Aktivitäten losgetreten wurde, sondern diese immer mit dem Blick nach vorne verbindet, in Richtung möglicher Zukünfte von Kirche und damit stets auch mit der Frage, was Kirche eigentlich sein kann und will.«
Die größte Herausforderung in ihrer Promotion ist für Katharina, den roten Faden im Auge zu behalten und zeitgleich offen für unerwartete Entdeckungen zu sein.
»Ich meine das ganz konkret, zum Beispiel in der Bibliothek: Die spannendsten ›Plot-Twists‹ in meiner Forschung hatte ich bisher, weil ich auf ein Buch gestoßen bin, nach dem ich gar nicht gesucht hatte – und das mir dann völlig neue Ideen oder Perspektiven eröffnet hat. Genau das ist es auch, was mir hilft, am Ball zu bleiben: Je tiefer ich in meine Forschung eintauche, desto mehr Ideen entstehen – und desto mehr Freude macht es mir, mich mit anderen Forschenden auszutauschen, gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen und Synergien zu entwickeln. Diese Dynamik und die Möglichkeit, neue Perspektiven zu erschließen, machen die Promotionszeit trotz aller Herausforderungen lohnenswert.«
Katharina, was verbindest Du mit dem Evangelischen Studienwerk? »Villigst ist ein Ort, an dem das Out-of-the-Box-Denken Programm ist, an dem Menschen aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen aufeinandertreffen, die verbunden sind durch einen Geist und die eine unterstützende Gemeinschaft bilden, welche neben der finanziellen Förderung durch die Promotionsphase geradezu hindurchträgt.«

Porträt eines jungen Mannes mit dichtem, lockigem dunklem Haar und leichtem Bartschatten, der einen schwarzen Pullover und Rucksackträger trägt, vor einer hellen, leicht strukturierten Wand.

Antonius

Antonius promoviert an der University of Oxford im Fach Atomic and Laser Physics. Seine Forschung liegt an der Schnittstelle zwischen theoretischer Atomphysik, computergestützter Quantenmechanik und Maschinellem Lernen (ML), was sie für Antonius besonders spannend macht.

»Ich forsche an sogenannten Exchange-Correlation Functionals im Rahmen der Dichtefunktionaltheorie (DFT). Das machen wir mit einer Art des Machine Learning (ML), die wir ›implicit/Kohn-Sham regularization‹ nennen. Im Grunde verwenden wir ML, um die Interaktion zwischen Elektronen in Molekülen zu modellieren. Denn wenn man weiß, was die Elektronen machen, weiß man eigentlich alles über das Molekül, was man allgemein so wissen möchte.«
»Was meine Forschung außerdem so interessant macht, ist, dass DFT in anderen Forschungsfeldern wie der Chemie, Materialwissenschaften oder Festkörperphysik extrem viel verwendet wird. Somit können schon kleine Verbesserungen in diesem Bereich große Auswirkungen auf andere Felder haben.«
Antonius’ größte Herausforderung in der Promotion ist, das Ziel trotz Höhen und Tiefen nicht aus den Augen zu verlieren. Er rät, regelmäßig Abstand zu nehmen:
»Ich neige oft dazu, mich an Kleinigkeiten abzuarbeiten und irgendwann nicht mehr zu wissen, was ich eigentlich mache und wozu. Da hilft es, einen Schritt zurückzugehen und den größeren Kontext der eigenen Forschung zu betrachten.«
Wichtig ist ihm auch die Balance: Forschung ja – aber nicht auf Kosten von Gesundheit und Freundschaften.
Neben der finanziellen Unterstützung, die ihm die Promotion überhaupt ermöglicht, schätzt Antonius vor allem den offenen Geist des Evangelischen Studienwerks.
»Auch als Nicht-Gläubiger wurde ich hier ehrlicherweise zu meiner Überraschung an- und sehr herzlich aufgenommen. Ich denke, das ist nicht so selbstverständlich, wie man es sich wünschen würde und auch dafür bin ich außerordentlich dankbar. Dazu gibt es immer wieder coole Veranstaltungen wie z. B. die Promovierendentreffen und die Online-Talks zu gesellschaftspolitischen Themen.«

Eine junge Frau steht lächelnd vor einem großen Fenster mit Blick auf eine Stadtskyline und Baukräne; sie trägt einen grob gestrickten Cardigan, Halsketten und hält ein kleines Notizbuch.

Hannah Leoni

Hannah Leoni promoviert im Fach Rechtswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. In ihrer Promotion befasst sie sich mit der Rolle von Verwaltungsgerichten im Klimaschutz vor dem Hintergrund der Gewaltenteilung im Rechtsvergleich.

»Ich untersuche verwaltungsgerichtliche Klimaklagen in Deutschland und Australien mit Schwerpunkt auf australische Verfahren. Ziel ist es, die gerichtliche Handhabung von Klimaschutzfragen, die Weiterentwicklung des Klimaschutzrechts und die Rolle der Gerichte im Kontext der Gewaltenteilung zu untersuchen. Ich finde das Thema deshalb spannend, weil es einen Einblick in eine neue Rechtsordnung ermöglicht, in der verwaltungsgerichtliche Klimaklagen schon seit 30 Jahren eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Rechts spielen.
Zum Vergleich: Die erste deutsche verwaltungsgerichtliche Klimaklage war 2019 und insbesondere seit dem Grundsatzbeschluss des BVerfG zum Klimaschutz 2021 nehmen verwaltungsgerichtliche Klimaklagen in Deutschland zu. Der Rechtsvergleich kann Hinweise darauf geben, wie sich unsere Rechtsprechung zum Klimaschutz entwickeln könnte, wo Potenziale und wo Grenzen liegen und wie das mit dem verfassungsrechtlichen Auftrag der Gerichte aus dem Grundsatz der Gewaltenteilung zusammenpasst.«
Die größte Herausforderung in ihrer Promotionsphase ist für Hannah Leoni das eigenständige Schreiben einer Monografie ohne Einbindung in ein größeres Forschungsprojekt. »Ein enger Austausch mit anderen Forschenden wäre hilfreich, ist aber in den deutschen Rechtswissenschaften unüblich. Dennoch lohnt sich die Promotion: Mein Thema fasziniert mich, ich vertiefe mein Wissen über Umweltrecht und Klimaschutz und der Rechtsvergleich eröffnet neue methodische Perspektiven. Besonders bereichernd war mein Forschungsaufenthalt an der University of Melbourne, der mir durch die Villigster Auslandsförderung ermöglicht wurde. Dort habe ich eine unglaubliche Unterstützung für mein Projekt erfahren. Dafür bin ich unendlich dankbar.«

Schwarzweiß-Porträt eines Mannes mit Schnurrbart und zerzaustem Haar in offener Hemdkragen, vor einem mit Büchern gefüllten Regal sitzend.

Sebastian

Sebastian promoviert an der Universität Göttingen im Fach Anthropologie mit einem rechtsanthropologischen Schwerpunkt. In seiner Promotion beschäftigt sich Sebastian mit der Situation Asylsuchender in der EU und wie diese in Zeiten des Rechtsrucks um ihre Rechte kämpfen und mit staatlichen Rechtsverletzungen konfrontiert sind.

»Ich untersuche, wie Geflüchtete gerichtlich und vor allem auch außergerichtlich gegen diese Rechtsverletzungen vorgehen – und was diese Kämpfe mit dem Status quo der Rechtsstaatlichkeit in der EU zu tun haben. Spoiler: Werden die Grund- und Menschenrechte gewisser Personengruppen systematisch missachtet, dann ist das eine Gefahr für den Rechtsstaat als Ganzes. Die Kämpfe von Asylsuchenden verhandeln deshalb auch unsere Demokratie.«
Am Ball zu bleiben – trotz aller Hürden – ist für Sebastian die größte Herausforderung. »Ich fand beispielsweise die Zeit, bevor ich das Stipendium hatte, sehr fordernd, da nicht klar war, ob ich mein Projekt realisieren können würde. Außerdem ist Promovieren oft sehr einsam und es ist nicht leicht, sich alleine über Jahre hinweg zu motivieren, zu disziplinieren und zu strukturieren.«
Mit dem Evangelischen Studienwerk verbindet Sebastian vor allem eine Gemeinschaft, in der er besonders unterstützt wird. »In Villigst fühle ich mich wohl – in einer Gemeinschaft, die weit über Wissenschaft hinausreicht und mir auch nach der Promotion erhalten bleiben wird.«

Porträt einer lächelnden Person mit runder Brille und aufgezogener Kapuze, die bei Sonnenschein ein Auge zusammenkneift; winterliche Straße mit Schnee, geparkten Autos und Gebäuden im Hintergrund, im Ohr ein kabelloser Ohrhörer und der Schatten des Handys fällt auf den Reißverschluss.

Marie

Marie promoviert im Fach Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. In ihrer Promotion erforscht sie Mail Art (Briefkunst) in der DDR und in den 1970er und 1980er Jahren.

»Diese Kunst wurde in Europa, Amerika und Teilen Asiens per Post verschickt. Spannend daran ist, dass die Beteiligten dieses internationalen Netzwerks sich oft politisch engagierten.«Für Marie bestand die größte Herausforderung zunächst darin zu lernen, an sich selbst zu glauben und davon überzeugt zu sein, dass sie es schaffen kann, ihre Promotion erfolgreich zu meistern.
»Jetzt zeigt sich, dass mich die wissenschaftliche Arbeit ausfüllt und ich ein Talent dafür habe. Es macht mir großen Spaß, meine Forschungsergebnisse mit anderen zu teilen.«
Marie schätzt vor allem die Unabhängigkeit und Freiheit, die ihr das Studienwerk für ihre Promotion bietet. »Mit dem Studienwerk eng verbunden bin ich durch derzeitige und ehemalige Stipendiat*innen, mit denen ich mich oft austausche.«

Ein lächelnder Mann mit Brille und Bart vor einem grauen Hintergrund.

Marco

Marco promoviert im Fach Praktische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In seiner Promotion untersucht er wie sich Schöpfungspredigten in aktuellen YouTube-Videos von evangelischen Gottesdiensten auf den gesellschaftlichen Klimadiskurs beziehen lassen und welchen Beitrag sie dazu leisten.

»Das Spannende daran ist, wie sich große existenzielle Themen und ihre konkrete, verkörperte und verortete Bearbeitung ineinander verschränken und aufeinander einwirken.«
Die größten Herausforderungen in der Promotionsphase sind für Marco die Einsamkeit und das Gefühl der Irrelevanz.
»Es lohnt sich trotzdem, denn es ist die Chance, einen eigenen ausgefeilten Zugang zu einem Thema zu entwickeln und diesen ins Gespräch zu bringen.«
Mit dem Evangelischen Studienwerk Villigst verbindet Marco vor allem einen wohlwollenden Umgang miteinander und das Interesse aneinander.

Susanne

Susanne promoviert im Fach Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. In ihrer Promotion untersucht sie die Musik des zeitgenössischen englischen Komponisten Thomas Adès.

»Ich mag das Thema sehr, weil es Aspekte der Neuen Musik mit musikhistorischen Konzepten verbindet. Also Code knacken plus historische Satztechniken –best of both worlds.«
Die größte Herausforderung ist für Susanne, sich während der Promotionsphase trotz gelegentlich vorkommenden unproduktiven Tagen Zeit zu nehmen, um einen Tag Pause zu machen.
»Ich glaube, dass die Erledigung von Arbeiten, die nicht an einem externen Arbeitsplatz und im Rahmen festgesetzter Termine erfolgt und die Tatsache, dass es an diesen immer etwas zu arbeiten gibt, typische Fallstricke von Promotionsprojekten darstellen.«
Eine Promotion lohnt sich dennoch sehr aus Susannes Sicht:
»Es macht riesigen Spaß, sich in ein Thema, das einen interessiert, zu vertiefen und die eigene Arbeit regelmäßig in Ausschnitten im Kolloquium zu präsentieren. Außerdem ist Schreiben eine tolle Tätigkeit, wenn man versucht, bestimmte Themen besser zu verstehen. Man ist gezwungen, Erkenntnisse zu strukturieren und in Worte zu fassen.«
Mit Villigst verbindet Susanne vor allem seit dem Promovierendentreffen die Menschen und das Miteinander. Davor bestand diese Verbindung eher durch die Werte des Evangelischen Studienwerks.
»Interdisziplinäre Denkimpulse finde ich inspirierend und sehr bereichernd. Sie erweitern sowohl den eigenen Horizont, können aber auch die Kenntnisse im Rahmen des eigenen Spezialgebietes durch frische Perspektiven vertiefen und facettenreicher werden lassen. Daneben hat mir aber auch die soziale, humanistische und umweltpolitische Ausrichtung von Villigst von Anfang an zugesagt.«

Porträt einer lächelnden Frau mit blonden Haaren und grauem Pullover vor einem dunklen Hintergrund.

Thordis

Thordis promoviert an der Universität Bayreuth im Fach Zeitgeschichte. Sie untersucht in ihrer Forschung die Arbeitsmigration aus Griechenland in die Bundesrepublik in den 1960er und 1970er Jahren.

»Konkret schaue ich mir an, mit welchen Themen sich speziell die ›Gastarbeiterinnen‹ beschäftigten und welche politischen Forderungen sie auf welche Weise in die bundesdeutsche Demokratie hineintrugen. Das Thema ist spannend, weil es die Periode der 'Gastarbeit' mehr aus Sicht der Betroffenen beleuchtet und gängige Narrative zur Arbeitsmigration empirisch hinterfragt.«
Für Thordis sind der recht einsame Arbeitsalltag sowie Verunsicherungen von außen manchmal besonders herausfordernd.
»Dennoch gehe ich jeden Tag mit einem Lächeln ins Archiv oder an den Schreibtisch, weil die Dissertation mir ermöglicht, Unbekanntes zu erforschen und neues Wissen zu generieren!«
Mit dem Evangelischen Studienwerk verbindet Thordis vor allem die Offenheit für Neues.
»Villigst bedeutet für mich Lust zu haben, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sich dabei trotzdem nicht selbst zu verlieren.«

Porträt eines Mannes mit dunklem Haar und formeller Kleidung in einer schmalen, von Graffiti bedeckten Gasse.

Florian

Florian promoviert an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg im Fach Deutsch. Er entwickelt in seiner Promotion ein besonderes Leseförderkonzept.

Anlass für die Entwicklung des Konzepts waren unter anderem die deutschen PISA-Ergebnisse, die eine kontinuierlich steigende Anzahl besonders leistungsschwacher Schüler*innen im Bereich Lesen nachwiesen.
»Der Einsatz von Rap-Musik im Deutschunterricht soll dabei helfen, die Lesekompetenz und Lesemotivation sowie das Leseselbstkonzept der Schüler*innen zu verbessern. Zu erforschen, wie der Deutschunterricht der Zukunft sich an die Bedürfnisse unserer sich verändernden Gesellschaft anpassen kann, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen, begeistert mich.«
Für Florian stellt die umfangreiche Datenerhebung in der Schulpraxis die größte Herausforderung seiner Promotionsstudie dar.
Anders als die Forschung im Labor, beinhaltet diese eine große Anzahl unberechenbarer Variablen, die oft im Vorfeld nicht absehbar sind und auf die flexibel eingegangen werden muss.«
Das Evangelische Studienwerk zeichnet sich für Florian vor allem durch einen wachen Geist und eine Offenheit gegenüber der Welt aus.
»Diese Haltung macht die Veranstaltungen in Haus Villigst zu besonderen Erlebnissen, bei denen ein Austausch mit interessanten und engagierten Menschen vielfältiger Fachdisziplinen stattfindet. Es ist Mal für Mal schön, neue Impulse aus Schwerte mit nach Heidelberg nehmen zu können.«

Ein Mann mit braunem Haar und Bart steht vor einer Steinmauer, trägt eine schwarze Jacke, ein weinrotes Hemd und einen Schal.

Marvin

Marvin promoviert im Fachbereich Philosophie an der Universität Würzburg und untersucht anhand zweier Philosoph*innen des 20. Jahrhunderts, ob und wie gewaltloser Widerstand in Räumen umfassender Gewalt möglich ist und welche ethischen und politischen Implikationen daraus gezogen werden können.

»Das Thema ist spannend, weil erstens meine Bezugsautor*innen, Simone Weil und Emmanuel Levinas, so reichhaltige wie herausfordernde Denkansätze entwickelt haben, und weil es mich zweitens mit aktuellen Fragekomplexen konfrontiert, etwa zum zivilen Ungehorsam, zur Legitimität von Gegenwalt sowie zur Gewaltfreiheit in Protestbewegungen«, sagt Marvin.
Während der Promotion kann er sich über einen längeren Zeitraum ganz intensiv und aus verschiedenen Perspektiven mit einem Thema auseinandersetzen, das ihm wichtig ist und zu dem er gerne etwas sagen möchte. Außerdem bekommt er die Gelegenheit, sich in Vorträgen und in ersten Veröffentlichungen auszuprobieren. »Insgesamt gibt es für mich nichts besseres, als mich Vollzeit mit Philosophie in all ihren Facetten zu befassen - und die Promotion macht mir genau das möglich.«
Mit dem Leitbild des Ev. Studienwerks kann sich Marvin sehr identifizieren. »Und die so konstruktive und solidarische Atmosphäre, die man hier jederzeit spürt, hat es mir in meinem ersten Jahr bei Villigst sehr leicht gemacht, mich als Teil der Gemeinschaft zu erleben. Darüber hinaus bin ich einfach wahnsinnig dankbar für die finanzielle und ideelle Unterstützung und die tollen Angebote, die es mir nochmal mehr ermöglichen, mich gut auf meine Promotion zu konzentrieren und in den Austausch mit anderen Promovierenden zu kommen.«

Carolin

Carolin promoviert an der Universität Bonn im Fachbereich Agrarwissenschaften. In ihrer Promotion sucht sie nach Genen, die für die Anpassung gewisser Pflanzenarten an extreme Wachstumsbedingungen, wie zum Beispiel Trockenheit, wichtig sind.

»Mir gefällt besonders, dass die Arbeit abwechslungsreich ist. Mit bioinformatischen Methoden analysiere ich DNA-Sequenzen und experimentelle Datensätze am Computer, mache aber auch kleine Versuche mit echten Pflanzen.«
Herausfordernd findet Carolin, dass es in ihrer Promotion immer wieder Rückschritte gibt und Ergebnisse anders sind als erwartet.
»Die Freude an der eigentlichen Arbeit und die Spannung, die die Forschung nun einmal mit sich bringt, machen die Promotion dennoch für mich zu einer lohnenswerten Phase.«
Mit dem Evangelischen Studienwerk verbindet Carolin die vielen Möglichkeiten, sich sowohl vor Ort, als auch online mit Menschen anderer Fachrichtungen auszutauschen.
»So komme ich ab und zu aus meiner fachlichen Blase heraus und habe mit Freude festgestellt, dass es viele weitere Promotionsstipendiat*innen gibt, die auch Kinder haben.«

Ein Mann in einem weißen Kittel steht vor einem medizinischen Gerät, lächelt und blickt in die Kamera.

Thomas

Thomas promoviert im Bereich Medizinische Physik an der Technischen Hochschule Mittelhessen und untersucht Detektoren zur Messung von Dosisverteilungen in der Brachytherapie.

In diesem Spezialgebiet der Strahlentherapie werden Krankheiten mithilfe ionisierender Strahlung behandelt. Die Brachytherapie ist gekennzeichnet durch steile Dosisgradienten, so dass ein Zielvolumen unter besonderer Schonung des umliegenden gesunden Gewebes behandelt werden kann.
»Ein steiler Dosisgradient stellt messtechnisch eine große Herausforderung dar. Der Beitrag meiner Arbeit besteht darin, die Auswirkung des steilen Dosisgradienten auf die Detektion theoretisch zu modellieren und daraus eine möglichst präzise Messvorschrift zu entwickeln«, so Thomas.
Die Promotion stellt für Thomas bisher das mit Abstand längste zusammenhängende Forschungsprojekt dar. Insofern ist es wichtig für ihn, auch während langwieriger und manchmal monotoner Schreib- und Korrekturarbeiten (beispielsweise vor Abgaben von notwendigen Publikationen bei einer kumulativen Dissertation) seine persönlichen Erfolgserlebnisse zu finden.
»Während der Promotion durfte ich bereits viele Kontakte mit Menschen knüpfen, die mehr Erfahrung und Expertise als ich haben. Der Austausch mit ihnen hilft mir sowohl auf der Arbeitsebene als auch im persönlichen Wachsen – begeisternd!«
Villigst eröffnet Thomas die Möglichkeit, »mich in einer Gemeinschaft mit inspirierenden Menschen in vielfältiger Weise einzubringen und das eigene Promotionsprojekt als Vater zweier Kleinkinder erfolgreich durchzuführen.
Auch die programmatische Arbeit, wie etwa die kritische Stellungnahme zur AfD-nahen Stiftung DES, hat mich darin bestärkt, ein Teil von Villigst zu werden.«

Porträt einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren, die vor einer orangefarbenen Treppe sitzt.

Henriette

Henriette promoviert im Bereich Soziologie an der Universität Augsburg. In ihrer Promotion erforscht sie die Spuren deutsch-tansanischer Kolonialgeschichte in Tansania und welche Rolle sie im gegenwärtigen Tourismus spielen.

»Das Thema ist spannend, weil sowohl (Post-)Kolonialismus als auch Tourismus zwei aktuell stark debattierte und vielschichtige Gegenstände sind, und auch, weil Tansania, ehemals ›Deutsch-Ostafrika‹, anders als Namibia, ehemals ›Deutsch-Südwestafrika‹, öffentlich und in der Forschung weniger wahrgenommen wird«, so Henriette.
Herausfordernd findet Henriette das Privileg der Freiheit und Flexibilität und den Drang, viele interessante Aspekte des Promotionsthemas zu berücksichtigen. Es gibt keine festgelegten Bürozeiten und der Zeithorizont dieses Großprojekts ist lang.
Dennoch lohnt sich das Promovieren für Henriette: »Ich habe die Zeit und die Muse, mich mit einem relevanten Thema ohne Deadline-Druck und Noten-Performance-Stress zu beschäftigen, ich kann Netzwerken und mich mit anderen austauschen und ich kann schließlich mit meinen Forschungen einen Mehrwert für den gesellschaftspolitischen Diskurs bieten.«
Über das Promovieren mit Kind sagt sie: »Es ist eine Herausforderung zwischen Konzentration und KiTa, Denken und Duplo, Schreibtisch und Spielplatz. Gleichzeitig unterstützen Villigst, das Stipendium und mein Doktorvater mich und die Promotion sehr und geben mir den nötigen Rückhalt.«
Mit dem evangelischen Studienwerk Villigst verbindet Henriette »die Grundhaltung ›Evangelisch sein heißt politisch sein!‹ Es lohnt sich für Gerechtigkeit einzutreten, sich zu engagieren, zu streiten, Privilegien zu hinterfragen, Macht zu kritisieren. Und dies mit Rückenwind der heiligen Geistkraft.«