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Aktuelles

Ausschreibungen & Vergabeverfahren

Hier finden Sie eine Übersicht über unsere aktuellen Vergabeverfahren und öffentlichen Ausschreibungen.

»Die Villigster Gemeinschaft und das Netzwerk aus Vertrauensdozierenden und Altvilligster*innen geben mir immer wieder Mut: Es gibt auf allen Ebenen Menschen, die Wissenschaft auf eine Weise leben, die zeigt, dass es sich lohnt, der Freude am Fach immer weiter nachzugehen.«

Ausschreibung zur Durchführung einer interdisziplinären wissenschaftlichen Studie »Macht und Organisationsstrukturen im Evangelischen Studienwerk – historische und gegenwartsbezogene Perspektiven«

geplante Laufzeit: 24 Monate

Das Evangelische Studienwerk ist die zentrale Förderinstitution für begabte Studierende, Promovierende und Auszubildende im Bereich evangelischer Bildungsarbeit. Es gehört zu den dreizehn vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Begabtenförderungswerken in Deutschland. Derzeit fördert das Evangelische Studienwerk rund 1.500 Studierende, 250 Promovierende und 60 Auszubildende. Seit der Gründung 1948 wurden rund 10.000 Menschen durch ein Stipendium gefördert. Wie jede Bildungsinstitution ist auch das Studienwerk von Machtverhältnissen durchzogen – institutionell, pädagogisch, spirituell und sozial. Ziel der geplanten Studie ist eine interdisziplinäre Analyse des Umgangs mit Macht- und Organisationsstrukturen im Evangelischen Studienwerk. In der Studie sollen unter anderem die institutionellen Strukturen unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklungen untersucht werden. Dabei ist eine sorgfältige historische Kontextualisierung von zentraler Bedeutung. Hieraus ergibt sich ein Untersuchungszeitraum von 1948 bis in die Gegenwart. In diesem Rahmen sollen Aspekte von Abhängigkeit, Autorität und möglichen Formen des Machtmissbrauchs – einschließlich sexualisierter Gewalt im institutionellen Kontext – erforscht werden. Des Weiteren sollen wissenschaftlich fundierte Schlussfolgerungen für die künftige Organisations- und Förderpraxis gezogen werden.

Forschungsleitende Fragestellungen:

  • Welche historischen, theologischen und pädagogischen Entwicklungen haben institutionelle Machtverhältnisse geprägt?
  • Wie wurden und werden Macht, Autorität und Verantwortung im Evangelischen Studienwerk konzeptualisiert und praktiziert?
  • Welche Strukturen und institutionellen Rahmenbedingungen begünstigen oder verhindern heute Machtmissbrauch, einschließlich sexualisierter Grenzverletzungen, im Evangelischen Studienwerk?
  • Welche Bedeutung haben Geschlecht, soziale Herkunft, religiöse Prägung und Diversität für Macht- und Beteiligungsprozesse im Studienwerk?
  • Wie gestalten sich Prozesse der Aufarbeitung, Prävention und institutionellen Selbstreflexion im Evangelischen Studienwerk?

Die Studie soll interdisziplinär und multiperspektivisch konzipiert sein.

Im Fokus der Analyse sollen stehen:

  • Historische Analyse: Archiv- und Quellenarbeit, Rekonstruktion institutioneller Entscheidungs- und Leitungsprozesse.
  • Sozialwissenschaftliche Forschung: Durchführung von qualitativen Fallstudien zu Wahrnehmungen und Erfahrungen von Macht und Mitbestimmung, welche durch Interviews und/oder Befragungen ergänzt werden können.
  • Pädagogische Perspektiven: Reflexion von Bildungsverständnissen, Autoritätskonzepten und der pädagogischen Verantwortung im Werk.
  • Theologische und ethische Analyse: Untersuchung des protestantischen Macht- und Verantwortungsverständnisses sowie institutioneller Ethik.
  • Integration wissenschaftlicher und praxisorientierter Expertise zur Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird das Evangelische Studienwerk dem Forschungsteam uneingeschränkten Zugang zu archivierten Förderunterlagen, Personalakten und sonstigem Archivmaterial ermöglichen. Es wird Ansprechpersonen benennen, welche der Forschungsgruppe den Zugang zu ehemaligen und aktuellen Geförderten und Mitarbeitenden eröffnen (z. B. für Befragungen, Interviews). Diese werden auf Anfrage dabei unterstützen Einblicke in gegenwärtige institutionelle Strukturen und Abläufe zu erhalten.

Zudem ist vorgesehen, einen wissenschaftlichen Beirat zur Begleitung der Studie zu bilden, dessen Zusammensetzung und Arbeitsweise nach Zuschlagserteilung für das Projekt in Zusammenarbeit zwischen dem Evangelischen Studienwerk und dem Forschungsteam vereinbart wird.

Bewerbung und Auswahlverfahren:
Zur Bewerbung eingeladen sind Forschende und Forschungsteams an Universitäten, Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Forschungskonsortien aus den genannten und verwandten Disziplinen. Das Verfahren erfolgt im Sinne einer Verhandlungsvergabe mit Teilnahmewettbewerb (§12 i.V.m. §8 Abs. 4 UVgO) zweistufig:

Im ersten Schritt ist bis zum 30.11.2026* eine Projektskizze (max. 10 Seiten) einzureichen, die unter anderem die Zusammensetzung des geplanten Forschungsteams, das geplante Forschungsdesign und die Auswahl der Erhebungsinstrumente umfasst. Ferner soll die Skizze einen groben Kostenplan und einen detaillierten Zeitplan enthalten. Jede Projektskizze muss zudem ein Ethik- und Schutzkonzept sowie ein Konzept zum Datenschutz enthalten. Zur Wahrung der wissenschaftlichen Integrität müssen jegliche Verbindungen zum Evangelischen Studienwerk offengelegt werden, die einen Einfluss auf die Forschungsergebnisse haben könnten.

Die Unterlagen werden durch die Auswahlkommission auf Basis der unten aufgeführten Kriterien geprüft. Auf dieser Grundlage wird eine Vorauswahl getroffen.

Im zweiten Schritt werden mindestens drei und maximal sechs Forschungsteams zu einer persönlichen Präsentation eingeladen, in der sie ihre Forschungsskizze vorstellen und durch die Auswahlkommission zu allen Aspekten befragt werden können. Im Anschluss an die Präsentation erhalten die Forschungsteams die Möglichkeit, ihre Projektskizze zu überarbeiten und ein verbindliches Angebot einzureichen. Vor der Bezuschlagung können weitere Verhandlungen über den Preis und den Inhalt des Angebots stattfinden.

Abschließend erfolgt basierend auf dem wirtschaftlichsten Angebot der Zuschlag an ein oder mehrere Forschungsteams. Das wirtschaftlichste Angebot ergibt sich zu 80% aus dem wissenschaftlichen Gesamtkonzept des Projektvorhabens und zu 20% aus den veranschlagten Kosten, basierend auf dem Angebot.

Die wissenschaftliche Begutachtung der eingereichten Projektskizzen und der Präsentation erfolgt dabei nach den folgenden Kriterien:

  • wissenschaftliche Qualifikation des Projektteams
  • wissenschaftliche Qualität der Projektskizze
  • Darlegung der methodischen Zugänge und das geplante Forschungsdesign
  • Realisierbarkeit des Projektes (Zeit- und Arbeitsplan)
  • Thematische Erfahrungen und Einbettung in ein wissenschaftliches Umfeld
  • umfassende Berücksichtigung und Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen
  • Ethik- und Schutzkonzept, inklusive eines Datenschutzkonzepts

Zeitlicher Rahmen:

  • Frist zur Einreichung der geforderten Unterlagen: 30.11.2026*
  • Rückmeldung und Einladung zu einem persönlichen Gespräch: Mitte Januar 2027
  • Zuschlagserteilung durch das Evangelische Studienwerk: voraussichtlich im Februar 2027, anschließend Abschluss eines Werkvertrages
  • Beginn der Studie ab März/April 2027

Bitte reichen Sie die vollständigen Unterlagen an folgende E-Mail-Adresse: vergabe-studie@evstudienwerk.de ein.

Für Fragen steht Ihnen Frau Dr. Svenja Hohenstein zur Verfügung:
Evangelisches Studienwerk e.V.
Iserlohner Straße 25 58239 Schwerte
Tel.: 02304.755 220
E-Mail: s.hohenstein@evstudienwerk.de

Vorbehalt

Das Evangelische Studienwerk behält sich vor, das Vergabeverfahren zu beenden, anzupassen und das Verfahren basierend auf weiteren und neuen Erkenntnissen weiterzuentwickeln. Änderungen werden rechtzeitig bekanntgeben und im Sinne der geltenden Vorschriften umgesetzt.

 

Häufig gestellte Fragen zur Ausschreibung

Für die Arbeit des Evangelischen Studienwerks sind klare Verantwortlichkeiten, transparente Strukturen und ein achtsamer Umgang miteinander grundlegend. Erfahrungen aus Kirche, Bildung und Zivilgesellschaft zeigen jedoch, dass Machtungleichgewichte und intransparente Strukturen Grenzüberschreitungen aller Art begünstigen können, beispielsweise etwa verbale, psychische, spirituelle oder auch sexualisierte Grenzverletzungen.

Vor diesem Hintergrund möchte das Evangelische Studienwerk seine Macht- und Organisationsstrukturen historisch und in der Gegenwart selbstkritisch in den Blick nehmen. Die Studie soll helfen zu erkennen, wo Strukturen Schutz ermöglichen, Beteiligung stärken und Fehlverhalten begrenzen – und wo Risiken, blinde Flecken oder Veränderungsbedarf bestehen.

Im Zentrum stehen die Entwicklung und Ausprägung von Macht- und Organisationsstrukturen im Evangelischen Studienwerk seit seiner Gründung. Untersucht werden soll, wie Entscheidungswege, Verantwortlichkeiten, Leitungs- und Beteiligungsstrukturen gestaltet sind und waren – und in welcher Weise diese Strukturen Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und andere Formen unangemessenen Verhaltens ermöglicht, begünstigt oder verhindert haben.

Die Studie wird von einem externen, unabhängigen Forschungsteam durchgeführt. Die Unabhängigkeit wird u. a. dadurch gesichert, dass

  • die Forschenden nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Evangelischen Studienwerk stehen,
  • das Forschungsteam nach fachlichen Kriterien ausgewählt wird,
  • Zugang zu relevanten Unterlagen und Informationen gewährt wird.

An der Auswahl wirkt ein Gremium mit, das nicht ausschließlich aus Vertreter*innen des Evangelischen Studienwerks besteht.

Rückfragen zur Ausschreibung und zur geplanten Studie können an folgende Adresse gerichtet werden: s.hohenstein@evstudienwerk.de

Hinweise zu unabhängigen Beratungsangeboten für Personen, die von Grenzüberschreitungen betroffen sind, werden im Schutzkonzept, das auf der Website des Evangelischen Studienwerks hier einsehbar ist, zur Verfügung gestellt.