Klimakrise und gesellschaftliche Transformation: Interdisziplinäre Perspektiven auf eine globale Herausforderung
Der globale Klimawandel und seine Folgen für Staaten und Gesellschaften werden unterschiedlich interpretiert, wahrgenommen und verhandelt. Zwar wird die Tatsache, dass die Klimakrise ›menschengemacht‹ ist, grundsätzlich und global geteilt, ist jedoch weiterhin Gegenstand zahlreicher Konflikte. Einerseits erreichen Formen der fundamentalen Leugnung des Klimawandels neue Dimensionen. Andererseits werden unterschiedliche Strategien, in denen Klimarisiken verharmlost werden, auch in Europa präsenter. Um Fragen der Verantwortung, Ursachen und Konsequenzen entstehender Klimarisiken bestehen grundlegende Konflikte, resultierend aus unterschiedlichen Interessen und Verständnissen darüber, was ›Klimawandel‹ für Gesellschaften bedeutet. Zentrale Fragen der sozialwissenschaftlichen Klimaforschung sind daher: Welches Verhältnis besteht zwischen Klimawandel, Risiken und gesellschaftlichen Dynamiken, Ungleichheiten und Konflikten? Wie wird das Problem ›Klimawandel‹ aktuell international verhandelt, geregelt und ›gesteuert‹? Was sind plausible Zukunftsszenarien im Hinblick auf das Pariser Klimaabkommen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel? Das Seminar möchte sich diesen Fragen auf unterschiedliche Weise nähern, um insbesondere die verschiedenen Konfliktdimensionen im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu verstehen.
Erst wird es um die Analyse gesellschaftlicher Treiber für eine tiefgreifende Dekarbonisierung gehen, um die globalen Rahmenbedingungen des Klimawandels besser zu verstehen. Dann widmet sich der Kurs der Frage von Verantwortung, unterschiedlicher Dimensionen von Ungleichheiten sowie der Rolle verschiedener Akteur*innenund Arenen der internationalen Klimapolitik, wie den jährlich stattfindenden Klimakonferenzen (COP), dem Weltklimarat (IPCC) und dem UN-Klimaabkommen (UNFCCC). Dabei werden auch Forschungsansätze zu den sozialen und politischen Konflikten im Zusammenhang mit dem Klimawandel beleuchtet,wie aktuelle Transformationstheorien, Ansätze zum Klima-Konflikt-Migrations-Nexus und dem Zusammenhang von Wissensproduktion und Klimapolitik. Schließlich werden im dritten Schritt die Beziehungen zwischen Konflikt, Klimaschutz und Krisenmanagement diskutiert. Das Seminar wird aktuelle Konflikte analysieren und kritisch reflektieren, etwa aus der Perspektive von Konflikt- und Gewaltforschung, Politischer Ökologie sowie sozialkonstruktivistischen und postkolonialen Zugängen.
Außerdem wird erörtert, was ›Krisenprävention‹ im Kontext der zunehmenden Klimakrise bedeuten kann. Dabei kommen innovative Ansätze und Theorien aus den genannten Forschungsdisziplinen zum Einsatz. Das Seminar lebt vor allem von interaktiven Elementen, die die aktive Partizipation der Teilnehmenden durch Gruppenarbeiten, Diskussionen und Kurzpräsentationen fördern. Die einzelnen Abschnitte werden durch Impulsvorträge des Kursleiters eingeleitet, um eine tiefgehende Auseinandersetzung mit aktuellen wissenschaftlichen Debatten zu gewährleisten.
Seminarleitung: Dr. Jan Wilkens
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.