Sommeruniversität 2017 - Jahresthema »Strom«

Bei der Sommeruniversität beschäftigen sich mehr als 20 interdisziplinäre Seminare mit Aspekten des Jahresthemas »Strom«. Die Sommeruniversität findet vom 21. August bis zum 1. September 2017 in Haus Villigst und vom 18. bis zum 22. September 2017 in der Evangelischen Akademie Meißen statt.

Da die Sommeruniversität von einem breit gefächerten Austausch lebt, freuen wir uns über die Teilnahme von Villigsterinnen aller Fachrichtungen und aller Semester – aktuell Studierende, Promovierende und Ehemalige – sowie besonders auch über Gäste und Nicht-Villigsterinnen, die Lust haben, ein Thema neu kennen zu lernen.

Aufgrund der begrenzten Teilnahmezahl wird eine schnelle Anmeldung empfohlen; sie ist im Intranet ab dem 14. Januar 2017 möglich.

 

Zum Jahresthema »Strom«

Menschen siedeln sich gern an Strömen an. Nicht nur die mesopotamischen Kulturen ließen sich an Euphrat und Tigris nieder, sondern auch Haus Villigst wurde bewusst in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ruhr gebaut. Ströme werden gestaut, um ihre Kraft zu nutzen. Die Kraft des elektrischen Stromes weist ambivalente Folgen für das Leben auf: Während in einem Fall mittels Defibrillatoren Leben gerettet werden, kann das Erleiden eines Stromschlags tödlich sein. Auf die nahe bei Sizilien gelegene Insel Stromboli ergießt bis heute regelmäßig ein Vulkan seine Lavaströme. Der nährstoffreiche Boden der getrockneten Lava ermöglicht neues Leben.

Die Geschichte des Stroms beginnt bei der Entdeckung der Elektrizität durch Thales von Milet. Spätestens seit der Industriellen Revolution durchdringt Strom alle Gesellschaftsbereiche. Strom brachte künstliches Licht, Technik, Innovation – von der Nähmaschine zum elektrischen Stuhl.

Elektrischer Strom ist für uns zum Alltag geworden, er verändert Kommunikation, Arbeit und Rollenteilung. Zugleich herrschen gesellschaftliche und politische Debatten über die Zukunft der Stromproduktion. Gibt es „guten“ grünen Strom? Sogenannte erneuerbare Energien versprechen Unabhängigkeit von den endlichen Ressourcen der Erde und ihrer Monopolisierung. Kann dieses Versprechen eingelöst werden und wer zahlt den Preis dafür? Der Golfstrom bringt uns Wärme, unser Stromverbrauch dagegen globale Erwärmung. In deren Folge versiegen Ströme und sauberes Trinkwasser wird zum Luxusgut.

Livestreams revolutionieren unsere Medienrezeption. Der Strom der Daten im Internet wird stets erfasst. Die Neurowissenschaften messen Hirnströme. Finanzströme werden in Sekundenschnelle zwischen Erdteilen bewegt. Fließende Ströme ohne Widerstand sind in der Physik ein noch nicht vollständig verstandenes Phänomen. In der inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit fließen wissenschaftliche Strömungen zusammen.

Zugleich wechseln sich Strömungen ab in Geschichte, Mode und Politik. Von Sturm und Drang zur neuen Sachlichkeit, von den Rubensfrauen zu Twiggy, von den Duftströmen der Parfümindustrie zur Abgaspolitik, von der Monarchie zur Demokratie zeigen sich Gesellschaft und Politik wandel- und veränderbar. Zu Tausenden strömten sie '89 nach Berlin und auf die Mauer. Heute stehen „Flüchtlingsströme“ im Zentrum politischer Debatten.

Wenn wir in einer Tätigkeit ganz aufgehen, befinden wir uns im Flow. Oft genug aber stehen wir im Alltag unter Strom, müssen funktionieren, nehmen die strombetriebenen Arbeitsmittel mit nach Hause. Burnout droht. Gegen den Strom zu schwimmen und sich gegen den Mainstream zu stellen erfordert Kraft und Mut.

Zahllose Musikschaffende verwenden elektronische Instrumente und Klangquellen. Strombetriebene Lichtquellen, Mikrofone und Verstärker finden immer häufiger Verwendung in der bildenden Kunst, Performance und Theater. Der literarische Stream of Consciousness lässt den Leser eintauchen in die Gedankenwelt der Protagonisten.

Das Ausfließen von schöpferischer Energie, Segen und Geist ist eine grundlegende Metapher biblischer Texte, ebenso aber auch zerstörende Ströme von Feuer und Wasser in den apokalyptischen Schriften. Im Exodus zieht ein Menschenstrom los durch den Strom, der die Verfolgenden aufhält. „By the rivers of babylon“: Metapher der Befreiung, gesungen von den Versklavten am Mississippi. Der Strom als Ortsangabe und als Metapher für Leben. Gene, Elternhaus, Bildung - inwieweit bestimmt die Quelle, wo es hingeht? Dann die Kursbestimmung. Wohin soll er führen, der Strom des Lebens?

Die Zahl der einzelnen Schicksale und Handlungen ist oft zu überwältigend, als dass Menschen sie noch in ihrer Einzigartigkeit erfassen können. Wie im fließenden Wasser kein einzelnes Molekül verfolgt, so wird kein einzelner Geldschein, kein einzelnes Datenpaket, kein Individuum einzeln beobachtet, wenn man von

Strömen spricht. Volkswirte, Internetmagnaten und Politiker betrachten ein heterogenes Ganzes, charakterisieren Ströme, ohne ihre Partikel zu kennen. Werden sie so deren Komplexität gerecht? Welche Zusammenhänge bestehen in allgemeinen Systemen zwischen dem Verhalten einzelner Akteure und der Gesamtheit? Wie erfolgreich können Mikro- und Makroperspektive in verschiedenen Wissenschaften versöhnt werden?

Sommeruni 2017 – komm doch auch!

Wir freuen uns auf eine diskussionsreiche, spannende und inspirierende Zeit.

 

Wie kann man sich für ein Seminar anmelden?

Die Anmeldungen zum Seminarprogramm erfolgen ausschließlich schriftlich, für Stipendiatinnen des Evangelischen Studienwerks über das Intranet. Telefonische Reservierungen sind möglich, bleiben aber nur für zwei Wochen bestehen.

Im Nach dem 30. April 2017 wird eine Anmeldebestätigung verschickt. Gibt es für ein Seminar mehr Interessentinnen als freie Plätze, wird eine Warteliste erstellt. In diesem Fall erhalten Sie eine Nachricht, ob Sie auf der Warteliste ­stehen. Kann eine Anmeldung nicht mehr ­angenommen werden, wird eine schriftliche Absage erteilt. Anmeldungen sind ab 14. Januar 2017 möglich. Seminare, die bis 30. April nicht 2017 mehr als sechs Anmel­dungen haben, werden vom Ressort Ideelle Förderung / Bildungsprogramm abgesagt. ­Seminare, die sechs Wochen vor Seminar­beginn weniger als sieben Anmeldungen aufweisen, werden ebenfalls abgesagt.

Hier können Sie sich ab 14. Januar 2017 anmelden:

Doris Mikus
per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
Telefon: 02304. 755 210

 

Rückblick: Sommeruniversität 2016 – Jahresthema »aufbrechen«

Übersicht der Seminare 2016 nach Rubriken

 

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