Sommeruniversität 2016 – Jahresthema »aufbrechen«

Bei der Sommeruniversität beschäftigen sich mehr als 20 interdisziplinäre Seminare mit Aspekten des Jahres­themas »aufbrechen«. Die Sommeruniversität findet vom 15. August bis zum 2. September 2016 in Haus Villigst und vom 19. bis zum 23. September 2016 in der Evangelischen Akademie Meißen statt. Da die Sommeruniversität von einem breit gefächerten Austausch lebt, freuen wir uns über die Teilnahme von Villigsterinnen aller Fach­richtungen und aller Semester – ­aktuell Studierende, Promovierende und Ehemalige – ­sowie besonders auch über Gäste und Nicht-Villigsterinnen, die Lust haben, ein ­Thema neu kennen zu lernen. ­Aufgrund der begrenzten Teilnahmezahl wird eine schnelle Anmeldung empfohlen; sie ist im Intranet ab dem 12. Januar 2016 möglich.

 

Übersicht der Seminare 2016 nach Rubriken

 

Zum Jahresthema »aufbrechen«

16.000 Kraniche wagen jedes Jahr den Aufbruch nach Deutschland.

758 Škodas wurden 2013 in Deutschland gewaltsam aufgebrochen.

1.124 Menschen brachen 2012 deutschlandweit mit gewandeltem Geschlecht in ein neues Leben auf.

Aufbrechen ist Veränderung. Veränderung durch losgehen, durch trennen, durch befreien. Ob in Natur und Technik, Gesellschaft und Kultur oder das Individuum betreffend; Veränderungen durch Aufbrechen sind all­gegenwärtig.

Aufbrechen, das heißt zuerst einmal losgehen, sich in Bewegung setzen und sich auf den Weg machen. Ob ein Ziel angestrebt wird, oder es nur um das Unterwegssein geht, lässt das Wort aufbrechen offen. Es fokussiert den Moment, in dem etwas in Gang kommt.

Junge Menschen erleben ihr Erwachsen­werden als Aufbruch: Sie verlassen die Schule, ziehen von zu Hause aus, wechseln den Wohnort und knüpfen neue Beziehungen. Abenteuer erweitern Horizonte, mit jeder neuen Erfahrung hoffen wir, uns selbst näher zu kommen. Glaubt man diesem Versprechen, folgen Aufbrüche ein Leben lang.

Mit Pioniergeist und Forschungsdrang brechen Menschen zu den entlegensten Orten wie dem Weltraum oder der Tiefsee auf. Dabei erhoffen sie sich bahnbrechende Erkenntnisse oder einen ökonomischen Nutzen des gewonnenen Wissens. Ebenso lebt das Wirtschaftssystem vom Aufbruch zu neuen Märkten und dem Streben nach Innovation und Fortschritt.

Aufbrechen bedeutet auch trennen, denn bricht etwas auf, ist es nicht mehr in seiner ursprünglichen Gestalt, Formation oder Funktion vorhanden. Die Möglichkeiten seiner Betrachtung verändern sich. Forscherinnen trennen DNA-Stränge und andere chemische Bindungen auf. Atomkerne werden gespalten, sowohl in der Grundlagenforschung als auch zur Energiegewinnung. Die Erdkruste bricht in verschiedenen Zonen dieses Planeten auf und tektonische Platten verschieben sich
zueinander. Gleichzeitig generiert dieser Aufbruch neue Kontinente und Lebensräume. Doch auch das Schelfeis, eine Wolkendecke oder eine Knospe brechen auf.

Der Aufbruch zu neuem Leben ist ein zentrales Element vieler Religionen. Auferstehung, Leben nach dem Tod oder die Wiedergeburt thematisieren einen neuen Anfang nach einem Ende. Abschied von Altem und Zerstörtem kann Hoffnung auf Heilung bedeuten.

Aufbrüche aus gewohnten Umgebungen und vertrauten Strukturen können Befreiung bedeuten. Ob Reformation, Studentenbewegung oder die friedliche Revolution von 1989: Teile unserer Vergangenheit lassen sich als Geschichte befreiender Aufbrüche erzählen. Damit Neues überhaupt gedacht werden kann, ist es notwendig, sich von alten Denkmustern zu befreien. Das radikale Aufbrechen von Traditionen und Konventionen erklärten Avantgardistinnen in Kunst und Literatur zur Bedingung für die Entwicklung neuer Formen und ästhetischer Konzepte. Visionen vom Aufbruch aus Abhängigkeiten treiben soziale Bewegungen unserer Gegenwart an. Die Träume reichen von der klassenlosen Gesellschaft bis hin zum Aufbrechen starrer Identitätskonzepte.

Nach einem Aufbruch ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Auswirkungen eines Aufbruchs sind ungewiss, und es bleibt die Frage: Wer leidet, wer profitiert von kollektiven und individuellen Aufbrüchen? Das Scheitern zeitgenössischer Reform- und Befreiungsbewegungen, die Wirkmächtigkeit (post-)kolonialer Ausbeutungssysteme und das Ende vieler Aufbrüche an den Grenzen Europas verdeut­lichen dies.

Das Jahresthema nimmt unterschiedliche Dimensionen des Begriffs aufbrechen in den Blick: Aufbrechen kann individuell oder kollektiv sein, zerstörerisch oder schöpferisch, ­gefühlt oder real, bewusst oder unbewusst, räumlich oder ideell. Die Gründe für Aufbrüche sind vielseitig. Aufbrüchen steht der Mensch nicht neutral gegenüber. Wer aufbricht, ist nicht nur körperlich, sondern auch gefühlsmäßig bewegt. Aufbrüche können freiwillig sein oder erzwungen werden. Sie können ­außerdem ihre Momenthaftigkeit verlieren und sich in einen Dauerzustand verwandeln. Aufbrechen kann zu den Konstanten menschlicher Existenz gezählt werden.

Kommt zur Sommeruni 2016!

Wir freuen uns auf eine disskussionsreiche, spannende und inspirierende Zeit mit Euch.

 

Wie kann man sich für ein Seminar anmelden?

Die Anmeldungen zum Seminarprogramm erfolgen ausschließlich schriftlich, für Stipendiatinnen des Evangelischen Studienwerks über das Intranet. Telefonische Reservierungen sind möglich, bleiben aber nur für zwei Wochen bestehen.

Nach dem 30. April wird eine Anmeldebestätigung verschickt. Gibt es für ein Seminar mehr Interessentinnen als freie Plätze, wird eine Warteliste erstellt. In diesem Fall erhalten Sie eine Nachricht, ob Sie auf der Warteliste ­stehen. Kann eine Anmeldung nicht mehr ­angenommen werden, wird eine schriftliche Absage erteilt. Anmeldungen sind ab dem 12. Januar 2016 möglich. Seminare, die bis zum ­30. April nicht mehr als sechs Anmel­dungen haben, werden vom Ressort Ideelle Förderung / Bildungsprogramm abgesagt. ­Seminare, die sechs Wochen vor Seminar­beginn weniger als sieben Anmeldungen aufweisen, werden ebenfalls abgesagt.

Hier können Sie sich anmelden:

Doris Mikus
per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
Telefon: 02304. 755 210

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