Nachruf Micha Brumlik
Das Evangelische Studienwerk trauert um seinen ehemaligen Vertrauensdozenten, den Publizisten und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, der am 10. November im Alter von 78 Jahren verstorben ist.
1947 im schweizerischen Davos geboren, kam Brumlik 1953 mit seinen Eltern nach Frankfurt am Main. Dort besuchte er die Schule und studierte in den 1970er Jahren Pädagogik, Philosophie und Soziologie. 1977 promovierte er in Philosophie. Von 1981 bis 2000 war er Professor für Erziehungswissenschaft in Heidelberg und anschließend bis 2013 Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Als Direktor leitete er von 2000 bis 2005 das Fritz Bauer Institut – eine Forschungs- und Bildungseinrichtung zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Seit 2013 war er Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg. Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2016 die Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und 2025 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn als »einen der führenden Köpfe im christlich-jüdischen Dialog«.
Mit dem Evangelischen Studienwerk war Micha Brumlik durch seine langjährige Tätigkeit als Vertrauensdozent verbunden, zuletzt von 2003 bis 2013 in Frankfurt. Darüber hinaus bereicherte er das Villigster Bildungsangebot durch Seminare zum Thema Israel und brachte wichtige Impulse in den interreligiösen Diskurs ein.
Werkspfarrer Markus Hentschel erinnert sich in besonderer Weise an die Zusammenarbeit:
»Als frisch gewählter Konventssprecher war es eine meiner ersten Aufgaben, einen neuen Vertrauensdozenten für Heidelberg zu gewinnen. Dem Hinweis einiger Stipendiat*innen auf Micha Brumlik ging ich nach und machte einen Termin mit ihm. Nach einem längeren, diskussionsintensiven Gespräch erklärte sich Micha Brumlik bereit, Vertrauensdozent zu werden – allerdings mit dem Hinweis, ich möge klären, ob die Leitung des Studienwerks das zulasse, denn er sei bekanntermaßen Jude. Es ging. Mindestens einmal pro Semester ermöglichte seine Anwesenheit bei den Konventstreffen produktive, oft kontroverse Gespräche. Daran hatte er erkennbar Freude. Ich vermisse seinen unverkennbaren Sound.«
Micha Brumlik wird dem Evangelischen Studienwerk als kluger Denker, engagierter Vermittler und inspirierender Gesprächspartner in lebendiger und dankbarer Erinnerung bleiben.