Jana John

Promotionsprojekt
Dialektik des Alter(n)s. »Doing Age« im Altenheim

Das Forschungsprojekt »Dialektik des Alter(n)s. ›Doing Age‹ im Altenheim« ist eine praxistheoretisch fundierte und ethnografisch angelegte Untersuchung dialektisch verstandener Identitätskonstruktionen in der letzten Lebensphase. Ausgangspunkt des Forschungsprojekts ist die Beobachtung von vielfach negativen Attribuierungen rund um ein umfassendes körperliches und soziales Alter(n), was vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung hin zu einer alternden Gesellschaft und kontrastiert an einer nahezu allgegenwärtigen Orientierung an Jugendlichkeit besonders deutlich wird: Alter(n) wird zur gesellschaftlichen und individuellen Sorgekategorie – etwas, dem es so lange wie möglich (aktiv) entgegenzuwirken gilt. Welche Wege alternde Menschen auch immer finden, sich selbst in ihren Praktiken im Sinne eines »Doing Age« hervorzubringen, am Ende verweist dieses Handeln auf die Sorge um ein »umfassendes alt sein« in der letzten Lebensphase (1. These). Hochaltrigkeit wird, ist die Sorge um diese Lebensphase erstmal Teil der eigenen Atmosphäre und Wirklichkeit geworden und dem Menschen sprichwörtlich ‚auf den Leib‘ gerückt, zu einem, wenn nicht sogar dem Sorgepunkt des Selbst (2. These). 

Aus diesen Kernannahmen ergeben sich die leitenden Forschungsfragen, (a) was dieses – immer auch soziokulturell bedingte und erzeugte – »umfassende alt Sein« in der Gegenwartsgesellschaft bedeutet: (b) Wie sich Menschen am Lebensende in einem dialektischen Wechselspiel konstituieren und wie sie konstituiert werden. Das führt zu grundsätzlichen Überlegungen zum (c) gesellschaftlichen Verhältnis zu Hochaltrigkeit und dem Verhältnis zwischen Versorgung und Selbst-Sorge sowie deren (Gelingens-)Bedingungen. 

Das Altenheim wird, grundsätzlichen Überlegungen der Identitäts- und Handlungstheorie insbes. Erving Goffmans folgend, zu einer Bühne, an dem exemplarisch nachvollzogen werden kann, wie sich der Mensch am Lebensende dialektisch mit den ihn bedingenden und durch ihn bedingten soziokulturellen Kontext hervorbringt. Aus diesen Vorannahmen ergeben sich ein ethnografisches Forschungsdesign und das Altenheim als Forschungsfeld. Das ethnografische Datenmaterial wird mit Hilfe eines Grounded-Theory-Verfahrens sowie unter Zuhilfenahme der Rahmen-Analyse von Erving Goffman theoriebildend verdichtet. 

Die Arbeit verbindet handlungs- und identitäts- und versorgungstheoretische Überlegungen und schafft eine theoretische Neuperspektivierung auf die Konstruktion von Hochaltrigkeit im Altenheim.

Kurzvita

portrait gianna behrend

Jana John studierte seit 2012 Lehramt an der Universität Passau, woran ein erziehungswissenschaftliches Masterstudium mit Schwerpunktsetzung auf politischer Bildung anschloss. Nach Abschluss des Zweiten Staatsexamens im September 2019 begann Sie Ihre Promotion im Fach Soziologie an der Universität Passau, wo Sie seither u. A. im DFG-Projekt »Soziologie der Nachhaltigkeit« und als Lehrbeauftragte im Bereich der Soziologie der Bildung und Erziehung tätig war.