Villigster Symposium: Was stiftet Gemeinschaft(en)? Gesellschaftlicher Zusammenhalt im Spannungsfeld von Individualismus und kollektivem Zwang
Liberale, pluralistische Demokratien stehen naturgemäß in einem Spannungsfeld: Einerseits leben sie von der Ermöglichung individueller Freiheiten und Individualisierung in menschheitsgeschichtlich einzigartigem Ausmaß. Gleichzeitig sind das Freiheitsversprechen und das individuelle »Streben nach Glück« geeignet, das Gemeinschaftliche zu erodieren. Zudem befördert das demokratische Prinzip der Mehrheitsherrschaft Tendenzen, die der individuellen Entfaltung subjektiv und objektiv Grenzen setzen.
Vor diesem Hintergrund rückt die grundlegende Frage neu in den Mittelpunkt, was Gemeinschaft stiften und gesellschaftlichen Zusammenhalt tragen kann – gerade angesichts wachsender sozialer Ungleichheit, fortschreitender Pluralisierung, politischer Polarisierung, einer den Individualismus stärkenden Rechtsentwicklung, der Erosion traditioneller Massenorganisationen wie Kirchen und Gewerkschaften sowie der zunehmenden Verlagerung sozialer Interaktion in den digitalen Raum.
Die Teilnehmenden dieser interdisziplinären Tagung sind dazu eingeladen, sich dieser Frage aus soziologischer, politikwissenschaftlicher, theologischer, juristischer und philosophischer Perspektive zu nähern. Auch technologische Visionen zur Vergemeinschaftung durch Technik sollen untersucht werden. Vorträge, Podiumsdiskussionen und praxisorientierte Workshops eröffnen einen Raum für interdisziplinären Austausch und gemeinsames Nachdenken.