Teufelszeug. Theologische Zugänge zum Geheimnis des Bösen
Aus dem Repertoire der Nebendarsteller des Glaubens ist der Teufel wohl die bekannteste Figur. Gerne wird sie zur Diffamierung böser Feinde herangezogen. Dass der Westen der Satan sei, war für die Anschläge auf die Twin Towers in New York 2001 anscheinend Rechtfertigung genug – ein Fluch, den die Bush-Administration mit dem nicht minder diabolischen Schlachtruf von der »axisofevil« konterte. Andererseits fürchten nicht nur Gläubige, dass der »Leibhaftige« ihnen zu nahetreten, nicht nur Böses wollen, sondern wirklich antun könnte. Entsprechend publikumswirksam greifen Literatur und Kino den Teufel auf. Dass christliche Theolog*innen ihn immer wieder zur Knallcharge erklären, ändert weder etwas an der Attraktivität seiner Rolle noch an ihrer ideologischen Schlagkraft.
Die Faszination des ›Bösen in Person‹ speist sich aus der existenziellen Funktion, welche die Teufelsfratzen übernehmen: In ihnen erschrickt der Mensch über das Böse, das er selbst tut. Unter der diabolischen Maske können Menschen das Böse bannen, verlachen, aber eben auch beschwören. Dass der Teufel diese strategische Machtposition besetzt, dass seine Figuren überall, wo sie zu Wort kommen oder ins Bild gesetzt werden, unmenschliche, deshalb aber keineswegs nichtmenschliche Gewalt freisetzen, gibt zu denken.
In unserer Seminarwoche wollen wir diesen realen Machtwirkungen des Teufels nachspüren: Biblische Erzählungen werden uns helfen, die Genealogie seiner bösartigen Körper zu verstehen, zum Beispiel wie aus dem Satan der Teufel wird und was diese Tradition von anderen Bewältigungsstrategien des Bösen wie der Theodizee unterscheidet. Mit Texten aus Theologie- und Dogmengeschichte wollen wir die prekäre Tatsache bearbeiten, dass uns Religionen mit der Wirklichkeit des Bösen in Kontakt bringen, weshalb sie selber böse werden können und wie sich dieser ambivalente Zug in Lehre, Liturgie und Spiritualität der Kirche oder in den obsessiven Formen von Besessenheit und Dämonenglauben äußert. Zeitgenössische mediale Vermittlungen der Teufelsthematik werden uns Formate aus Film, TV und Internet vorstellen, damit wir vor diesem Hintergrund die Möglichkeiten und Gefahren der Bezugnahmen auf den Teufel, die religiöse wie profane Kontexte auch in der Gegenwart vielfältig herstellen, diskutieren können.
Die Arbeitsweise der Seminarwoche basiert auf Text- und Filmlektüren, ihrer Erschließung durch Analyseaufgaben sowie dem Austausch in Gruppen- und Plenarsitzungen. Die Erkundungen der Studierenden begleitet die Seminarleitung mit Inputs und thesenartigen Statements. Der Fokus soll auf dem gemeinsamen Gespräch über die bedrängenden Probleme liegen, welche die teuflischen Masken des Bösen je neu aufwerfen. Unser Seminar lädt Hörer*innen aller Fakultäten ein und setzt keine theologischen Fachkenntnisse voraus.
Seminarleitung: Prof. Dr. Jürgen Bründl, Simon Steinberger
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.