Systemik und Systemtheorie in der Beratung – wenn die Nebensache zur Hauptsache wird
Was als ›Nebensache‹ gilt, ist oft eine Frage der Perspektive. In komplexen sozialen Systemen sind scheinbare Randphänomene häufig Ausdruck tieferliegender Muster. Systemische Theorie und Praxis richten den Blick bewusst auf das, was nicht im Zentrum steht: auf Kontexte, Beziehungen, implizite Regeln und nichtlineare Dynamiken. Das Seminar bietet eine fundierte Einführung in systemische Konzepte– und lädt damit ein, das vermeintlich Nebensächliche als bedeutsam zu erkennen.
Systemisches Denken hat sich als ein zentrales Paradigma zur Beschreibung, Analyse und Gestaltung komplexer sozialer Wirklichkeiten etabliert. In interdisziplinären Diskursen – von Soziologie und Psychologie über Pädagogik bis hin zu Organisations- und Kommunikationswissenschaft – finden sich systemische Konzepte als theoretisch anschlussfähige und praxisrelevante Modelle wieder. Ziel dieses Seminars ist eine fundierte Einführung in zentrale Denk- und Handlungsmodelle systemischer Theorie und Praxis, die sowohl die theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen als auch deren Anwendung in professionellen Handlungsfeldern beleuchtet. Ausgehend von der historischen Entwicklung systemischer Theorieansätze werden zunächst Grundannahmen sozialer Systeme rekonstruiert. Die Teilnehmenden setzen sich dabei mit prägenden Beiträgen von unter anderem Gregory Bateson, Paul Watzlawick und Niklas Luhmann auseinander. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung des (radikalen) Konstruktivismus als erkenntnistheoretische Grundlage systemischen Denkens diskutiert: Wirklichkeit erscheint nicht als objektiv gegeben, sondern als relational erzeugt – über Sprache, Kommunikation und soziale Interaktionen. Dies eröffnet Perspektiven auf komplexe, nichtlineare Zusammenhänge, die für Beratung, Therapie, Coaching und Organisationsentwicklung zentral sind.
Im praktischen Teil werden dann zentrale methodische Instrumente systemischer Beratung vermittelt. Durch interaktive Übungen erproben die Teilnehmenden diese Ansätze unmittelbar und reflektieren ihre Anwendbarkeit im eigenen fachlichen Kontext. Abschließend widmet sich das Seminar den Anwendungsmöglichkeiten systemischer Denkmodelle in unterschiedlichen Praxisfeldern. Am Beispiel der systemischen Familienberatung einerseits und der systemischen Organisationsberatung andererseits werden sowohl Gemeinsamkeiten als auch feldspezifische Herausforderungen herausgearbeitet. Dabei werden theoretische Konzepte mit empirischen Zugängen und professionellem Erfahrungswissen in Beziehung gesetzt. Eine/ein Tagesreferent*in aus der praktischen Arbeit ist eingeplant.
Seminarleitung: Friederike Faß und Dr. Franziska Schade
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.