Sport – Die schönste Nebensache der (antiken) Welt?
Sport spielte in den Altertumswissenschaften lange eine untergeordnete Rolle. Durch den Fokus auf die Politik- oder Militärgeschichte nahm die Sportgeschichte meist nur die Position einer Nebensache ein. Der Sport wurde daher entweder als kleinerer Teil größerer Zusammenhänge betrachtet oder ihm wurde grundsätzlich die Bedeutung abgesprochen. Angesichts der Fülle an Quellen, die direkt oder indirekt mit Sport zu tun haben, wird schnell deutlich, was für eine immense Bedeutung der Sport in der griechischen Antike einnahm. So füllen die Leichenspiele zu Ehren des Patroklos ein gesamtes Buch in der Ilias. Außerdem waren nicht nur die Gymnasien, sondern auch die öffentlichen Plätze der Poleis mit Statuen siegreicher Athleten gefüllt. Auch gab es neben den Olympischen Spielen unzählige weitere Wettkämpfe, die über die gesamte griechische Welt verteilt waren. Sport scheint daher ein zentrales Element der gesamten griechischen Antike zu bilden und keineswegs ›nur‹ Nebensache zu sein.
In dem Seminar wollen wir uns gemeinsam mit dem griechischen Sport vertraut machen. Wir beschäftigen uns mit zentralen Wettkampfstätten wie Olympia oder Delphi, schauen uns an, wie Sport getrieben wurde und welche Disziplinen es gab. Dabei widmen wir uns auch sozialgeschichtlichen Fragen und betrachten, wer überhaupt teilnehmen durfte (arm – reich, frei – unfrei, Mann – Frau) und welches gesellschaftliche Kapital mit einem Sieg erlangt werden konnte. Daneben stehen auch kulturgeschichtliche Fragestellungen im Fokus: War der Sport religiös oder rituell, wenn die Wettkämpfe immer im Kontext von Götterfesten in Heiligtümern stattfanden? Warum gab es bei den wichtigsten Wettkämpfen keine Geld- oder Sachpreise, sondern nur einen symbolischen Kranz zu gewinnen? Dem liegt stets die zentrale Frage nach der Bedeutung des Sports in der antiken Gesellschaft zugrunde,die auch die Rolle und den Einfluss des Sportes auf andere Bereiche wie Diplomatie oder Politik miteinschließt.
Einen großen Vorteil bietet die ungewöhnliche Menge an Quellen. Neben den literarischen Quellen sind hier vor allem solche Quellen relevant, die sonst ebenfalls eher als Nebensachen abgetan werden: die epigrafischen und numismatischen Quellen (= Inschriften und Münzen). Daneben runden archäologische Quellen unser Bild vom antiken Sport ab. Das Seminar bietet daher auch die Möglichkeit, sich noch einmal mit den Grundlagen der Quellenkritik auseinanderzusetzen und verschiedene methodische Ansätze zu üben.
Im Mittelpunkt des Seminars werden Impulsvorträge, Quellenlektüren und Gruppendiskussionen stehen. Daneben wird es Gruppenarbeiten sowie anschließende Kurzpräsentationen der Teilnehmenden geben. Ziel des Seminars ist es in allen Fällen, zu diskutieren und ins Gespräch zu kommen – nicht nur über den antiken Sport, sondern auch über Parallelen und Unterschiede zum modernen Sport.
Zu allen Quellen wird es deutsche oder englische Übersetzungen geben. Kenntnisse des Lateinischen und Altgriechischen sind daher nicht notwendig.
Seminarleitung: Simon A. Wagner
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.