Nebensache Handtasche? Eine alltägliche Begleiterin als Prisma für gesellschaftliche Verstrickungen
Handtaschen sind viel mehr als ein bloßes Accessoire: Sie erfüllen sowohl praktische als auch symbolische Funktionen, fungieren als Fashion-Item und Investment, Statussymbol und Identitätsmarker. An der Schnittstelle von Individuum und Gesellschaft tragen sie zur Gestaltung sozialer Positionen wie Geschlecht oder Klasse bei und bezeugen deren Wandel durch die Geschichte. Mithilfe der Performance Studies werden wir gemeinsam analysieren und diskutieren, welche Rolle Handtaschen in diesen Verstrickungen von Individuen und ihren geschichtlichen und kulturellen Kontexten spielen.
Die Performance Studies befassen sich aus interdisziplinärer Perspektive mit Handlungen, Verhalten und Ereignissen. Zwischen Cultural Studies, Gender Studies, Medienwissenschaft und weiteren Feldern fragen sie danach, was Dinge oder Menschen tun oder was mit ihnen getan wird (Richard Schechner). Weiter interessieren sie sich für die Performativität solcher Handlungen, also dafür, wie sie selbst gesellschaftliche Positionen oder Rollen wie Geschlecht, Klasse, etc. hervorbringen oder ausführen (Judith Butler). Schließlich haben die Performance Studies immer auch einen Bezug zu performativen Künsten wie Musik, Theater oder Tanz und untersuchen, wie gesellschaftliche Positionen zwischen ›sich zeigen‹ und ›gesehen werden‹, zwischen Spiel und Ritual entstehen (Richard Schechner, MaaikeBleeker).
Während der Sommeruniversität werden wir Schritt für Schritt diese verschiedenen theoretischen Grundlagen der Performance Studies erarbeiten. Dabei werden wir uns durch Fallstudien von Performances mit und von Handtaschen vorarbeiten und so die analytischen Perspektiven direkt zur Anwendung bringen. Wir befassen uns unter anderem mit folgenden Fragen: Wie präsentieren wir uns mit unseren Taschen, und wie werden wir gesehen? Wie verändern unsere Taschen, wo und wie wir uns bewegen? Ist die Handtasche nur eine, wenn man sie in der Hand hält, und ist ein Rucksack auch eine Handtasche? Welche Hände haben die Taschen hergestellt, und durch wessen Hände sind sie schon gegangen? Wie können wir durch die Handtasche größere soziale Strukturen verstehen? Wir rücken so eine alltägliche Begleiterin ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit und fragen, wie sie zur Entstehung sozialer Positionen beiträgt.
Die meisten Texte für das Seminar werden auf Englisch zur Verfügung gestellt. Für das Seminar können wir uns als Gruppe für Deutsch oder Englisch als Seminarsprache entscheiden oder auch nach Bedarf wechseln. Gute Englischkenntnisse sind für eine Teilnahme am Seminar empfehlenswert.
Seminarleitung: Jonathan Kim
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.