Machtvolle Intimitäten: Kritische Perspektiven auf Liebe und Sex in Filmen und Serien
Liebe und Sex sind in Filmen und Serien allgegenwärtig. Kaum eine/ein Film- oder Serienprotagonist*in kommt ohne ein sogenanntes ›loveinterest‹ aus. In vielen Genres, wie der romantischen Komödie und der Teen-Drama-Serie, stehen Liebesbeziehungen sogar im Mittelpunkt der Handlung. Auch Sex spielt in Filmen und Serien nahezu immer eine Rolle. Selbst bei fehlenden expliziten Sexszenen gibt es meist zumindest Andeutungen sexueller Begegnungen oder Spannungen.
Filme und Serien nehmen in unserer audiovisuell geprägten Alltagskultur einen wichtigen Platz ein und können unsere Vorstellungen von Liebe und Sex erheblich beeinflussen. Umso wichtiger scheint es, genauer hinzuschauen: Welche Formen und Aspekte von Intimität werden gezeigt, und welche gar nicht, einseitig oder stereotyp dargestellt? Wer sind die Protagonist*innen von Liebesbeziehungen und sexuellen Begegnungen – und wer bleibt Randfigur oder gänzlich unsichtbar? Welche Bedeutung erhalten romantische Liebe und Sex gegenüber anderen Formen zwischenmenschlicher Verbindung wie Freundschaft?
Im Seminar untersuchen wir diese Fragen interdisziplinär und mit einem Schwerpunkt darauf, wie sich audiovisuelle Darstellungen von Liebe und Sex zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen verhalten: Reproduzieren die Darstellungen beispielsweise Diskriminierungen aufgrund von Gender, race, Klasse, Behinderung und Sexualität oder fordern sie diese heraus, etwa indem sie Geschlechterrollen aufbrechen, marginalisierte Formen von Sexualität repräsentieren oder Sex abweichend von konventionellen Darstellungen inszenieren? Dabei fragen wir auch nach Veränderungen von Intimitätsdarstellungen im Laufe der Film- und Seriengeschichte und deren Zusammenhang mit gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen. Außerdem diskutieren wir, wie sich die spezifischen medialen Eigenschaften von Filmen und Serien auf die Darstellung von Liebe und Sex auswirken und welche Unterschiede sich zu Romanen, Fan Fictions, Videospielen und anderen Medien ergeben.
Unseren Diskussionen legen wir interdisziplinäre und diskriminierungskritische Theorien zugrunde. So besprechen wir beispielsweise Texte der Literaturwissenschaftlerin bell hooks zu intersektionalen Verschränkungen von Rassismus, Sexismus und Klassismus sowie queertheoretische Arbeiten der Soziologin Mimi Schippers zu (Nicht-)Monogamie. Zu den audiovisuellen Gegenständen des Seminars können bekannte Filme wie Dirty Dancing (US, 1987) und Barbie (US, 2023), zeitgenössische Serien wie Sex Education (GB, 2019–2023) und weniger bekannte Produktionen wie Agassi (KR, 2016) und Futur Drei (D, 2020) gehören. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass die Teilnehmenden auch eigene Film- und Serienbeispiele mitbringen.
Neben film- und medienwissenschaftlichen Ansätzen werden unter anderem Ansätze der Kulturwissenschaft, Soziologie, Philosophie und Psychologie im Seminar präsent sein. Die Teilnehmenden sind außerdem herzlich eingeladen, das Seminar mit weiteren wissenschaftlichen Perspektiven zu bereichern.
Seminarleitung: Johanna Böther
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.