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Jahresprogramm 2026
Für alle Stipendiat*innen, Altvilligster*innen / Haus Villigst

Kitsch – Die Nebensache der Kunst

Bildungsprogramm, Sommeruniversität
Sommeruniversität | F1

Kitsch! – Kaum ein vernichtenderes Urteil kann über einen ästhetischen Gegenstand getroffen werden. Dabei sind die Kriterien, nach denen etwas als kitschig gilt, weder historisch konstant noch unabhängig von Alter, Klasse, Milieu oder Geschlecht. Im Seminar nähern wir uns einer Reihe von Fragen aus den Perspektiven von Kunst-, Kultur- und Literaturgeschichte:
Ist Kitsch notwendiger Begleiter der Kunst oder belanglose Nebensache? Zielt Kitsch auf Vergnügen oder Scham? Woher kommt die intuitive Verknüpfung von Kitsch mit Weiblichkeit und Infantilität – und gab oder gibt es demgegenüber ›männlichen Kitsch‹? Auf welche Art kann Kitsch gut oder wertvoll sein? Wie kommen wir als Individuen und als Kollektive zu unseren Geschmacksurteilen?

Gemeinsam wollen wir Werke der bildenden Kunst betrachten und deuten und uns anhand von literarischen Texten wie Wackerroders und Tiecks Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (Berlin, 1797) oder Huysmans Gegen den Strich (Paris, 1884) in gemeinsamer Lektüre einen Überblick über die Entwicklung eines Kitschdiskurses seit dem 18. Jahrhundert erarbeiten. Gerahmt werden die Seminardiskussionen durch die theoretische Kommentierung aus Kunst- und Literaturwissenschaft.

In der bildenden Kunst ist seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine Konkurrenz zwischen Kunst und Dekoration entbrannt. Diese tritt vor allem in Produkten des Kunstgewerbes, zum Beispiel in der Reproduktionsgrafik, zum Vorschein. So drängte der massenhaft produzierte Farbdruck in Bereiche vor, die bis dato nur der Malerei zugänglich waren, oder eroberte sogar neue Räume – wie die Schlafzimmerbilder der Großeltern belegen, auf denen uns tanzende Elfen und verklärte Madonnen in eine Traumwelt entführen wollen.

Im Bauwesen stellte man um 1900 die Frage: »Wie wollen wir bauen?« Eine Abkehr von der Dekoration und eine Hinwendung zur Schlichtheit waren die Folge. Der Streit ums Ornament war hier nicht nur ein Kampf ums Kreative, sondern einer, der auf alle Bereiche der ästhetischen Empfindung einwirkte.

Kitsch und das Sprechen darüber lassen sich auch in der erzählenden Literatur beobachten: Ausgehend von den sehnsuchtsvollen Texten der Romantik über die ästhetizistischen Tendenzen der Décadence-Literatur im 20. Jahrhundert bis hin zu den aktuell populären Dark-Romance-Romanen wollen wir eine Entwicklung des literarischen Kitschs bis in die Gegenwart nachzeichnen. Haben gerade die abfällig als Unterhaltungsliteratur bezeichneten Texte eine ernstzunehmende und theoriefähige Eigenästhetik?

Bei der Beschäftigung mit dem Phänomen Kitsch wollen wir immer wieder zu einer Diskussion über Wertungsdebatten kommen, die unserer Gesellschaft zur Selbstverständigung dienen, und dementsprechend überlegen, welche Rolle Artefakten im gesellschaftlichen und kulturellen (Streit)Gespräch zukommt.

Seminarleitung: Carolin Bothfeld, Co-Leitung: Alexander Eckert

Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.

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