Illiberales Christentum: Christliche Akteur*innen und der Aufstieg der »Neuen Rechten«
Das Selbstverständnis liberaldemokratischer Gesellschaften wird durch wachsende Frustration über den Zustand des politischen Systems gefährdet. Die Bereitschaft zur Verständigung schwindet, der politische Streit wird zunehmend polarisierend und der öffentliche Raum mehr und mehr als Kampfplatz von Gesinnungsgemeinschaften wahrgenommen, die einander immer unversöhnlicher gegenüberstehen. Diese immer tieferen Verwerfungen zeigen an, dass die liberale Demokratie in der Krise steckt, denn sie ist darauf angewiesen, dass die ihr entsprechende Lebensform und die damit verbundene Gemeinwohlvorstellung vom Großteil der Bürger*innen geteilt werden. Verlieren diese ihre Plausibilität, gerät die staatliche Ordnung unter Druck.
Die Kooperationsveranstaltung der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. (FEST) und des Evangelischen Studienwerks widmet sich der Frage, inwiefern christliche Milieus für die Agenda der Neuen Rechten empfänglich sind beziehungsweise inwiefern die in ihnen gepflegten Vorstellungen eines guten gemeinsamen Lebens für eine Umdeutung in deren Sinne anschlussfähig sind.
Welche Bedeutung kommt christlich-religiösen Akteur*innen bei der Verbreitung illiberaler Weltanschauungen in den liberaldemokratischen Gesellschaften zu? Wie tragen sie dazu bei, die Erwartungshaltungen der Bürger*innen gegenüber dem Gemeinwesen gemäß den machtpolitischen Interessen der »Neuen Rechten« zu formen? Wie organisieren sie sich und welche Netzwerke bilden sie? Diese Fragen werden wir auf der von uns geplanten Tagung diskutieren. Unser Ziel ist es, diverse religionsbezogene Forschungen zu diesem Thema zu bündeln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Deutschland, wird aber durch die Berücksichtigung der transatlantischen und innereuropäischen Dimension dieser ideenpolitischen Bewegung ergänzt.