Hauptsache schlafen – Schlaf im Spannungsfeld der modernen Gesellschaft
Schlaf, die schönste Nebensache der Welt! Oder hoppla – Nebensache? Ist Schlaf vielleicht der Grundzustand des Lebens – da wir ein Drittel unseres Lebens verschlafen und der Schlaf damit die eine Tätigkeit ist, die effektiv die meiste Zeit in unserem Leben ausfüllt? Klar ist: Wenn der Schlaf nicht funktioniert, fällt unser Leben in sich zusammen. Schlafstörungen sind wesentlicher Auslöser von mentalen Erkrankungen (Depression, Demenz, Schlaganfällen), dem metabolischen Syndrom und Störungen des Immunsystems. Wer versucht, gegen seinen Schlaf zu leben, wird scheitern. Warum? Mit den Schlaferkrankungen und Funktionen unseres Schlafes für unseren Körper werden wir uns zu Beginn des Seminars auseinandersetzen.
Wir glauben, wir können die Nacht zum Tage machen und damit die Gesetze unserer inneren Uhr, also der Chronobiologie, außer Kraft setzen. Sind Schlafprobleme also die Folge einer Gesellschaft, die sich von den naturgegebenen evolutionären Anforderungen distanziert? Inwiefern flexible Arbeitszeiten, künstliche Beleuchtung in Innenräumen und Smartphones Auslöser von Schlafproblemen sind, werden wir am zweiten Tag diskutieren.
Wie lässt sich gestörter Schlaf verbessern oder Schlaf optimieren? Wäre Sleep-Tracking, also den Problemen des technologischen Fortschritts (24-h society, Smartphones und Flex-Arbeitszeiten) mit Technik begegnen eine Option? Wir werden am dritten Tag die Methoden und Folgen der Schlafoptimierung unter die Lupe nehmen und diese Technologien im Seminar an uns selbst ausprobieren und damit die Frage klären, was guter Schlaf überhaupt ist und was sich davon zu Hause messen lässt.
Lohnt es sich überhaupt, den eigenen Schlaf zu optimieren? Drohen nicht weitere Gefahren durch eine Überfokussierung durch die ständige Schlafvermessung? Oder wird das Bett zur täglichen Gesundheitsmessstation, um frühzeitig Erkrankungen zu erkennen und so unser Leben zu verlängern (Longevity)? Wir müssen und werden diskutieren! Dazu werden wir in Kleingruppen im Netz digitale Quellen heranziehen (Wissenschaftsdatenbanken wie PubMed, Zeitungen, aber auch Social-Media-Posts) und diese diskutieren.
Haben Schlafstörungen in den letzten 20 Jahren zugenommen oder hat lediglich unsere Awareness gegenüber diesen zugenommen? Sind es wirklich ökonomische Zwänge, soziale Erwartungen und der technologische Fortschritt, die mit unserem körperlichen Bedürfnis nach Erholung konkurrieren? Wir beschäftigen uns mit den Gründen und Lösungen eines gesellschaftlichen Bedürfnisses nach Erholung. Dazu werfen wir einen Blick auf die Drogen der letzten 70 Jahre: Sie alle beeinflussen den Schlaf. Es ist auffallend, dass die Drogen der aktuellen Jugend gerade Schlafmittel (Benzodiazepine) sind. In den 90er-Jahren waren Speed und Ecstasy weit verbreitet, um die Nächte durchzufeiern. Sucht die Gesellschaft nun nach Ruhe? Was für einen Schlaf wollen wir für unsere Gesellschaft, und wie kommen wir dorthin?
Gemeinsam wollen wir unseren Schlaf erforschen, vermessen und verbessern (!).
Seminarleitung: Dr. Albrecht Vorster
Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.