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Jahresprogramm 2026
Für alle Stipendiat*innen, Altvilligster*innen / Haus Altenberg, Odenthal

Das System der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) – Arbeitswelt zweiter Klasse?

Bildungsprogramm, Sommeruniversität
Sommeruniversität | C3

Trotz der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte (1948), der Aufnahme des Benachteiligungsverbotes aufgrund einer Behinderung im Grundgesetz (1994) und der Anerkennung der UN-Behindertenrechtskonvention (2009) sind Menschen mit Behinderung in Deutschland weiterhin vielfach benachteiligt, unter anderem am Arbeitsmarkt. Die (vermeintliche) Verwirklichung von Teilhabe am Arbeitsleben gelingt für einen großen Teil der behinderten Menschen weiterhin nur durch segregierende Sonderinstitutionen wie WfbM, in denen sich über 300.000 Beschäftigte mit Behinderung fernab des allgemeinen Arbeitsmarktes betätigen. WfbM sind in diesem Zusammenhang zunehmend Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten. Diskutiert werden insbesondere die geringe Bezahlung der Beschäftigten weit unterhalb des Mindestlohnes, die geringen Möglichkeiten, die Strukturen des Werkstättensystems zu verlassen, und die fehlende Umsetzung inklusiver Strukturen.

Von den Vereinten Nationen wird Deutschland aufgrund dieser Ausgestaltung von Teilhabe am Arbeitsleben für behinderte Menschen bereits seit Jahren gerügt. Obwohl doch spätestens seit den frühen 2010er-Jahren Inklusion in Bereichen wie dem Arbeitsmarkt, der Schule und dem digitalen Raum ein wichtiges gesellschaftliches Primat zu sein scheint (Biermann, 2015; Klemm, 2021; Gössl & Reischl, 2022), wächst das Werkstättensystem seit seiner Gründung in den späten 1950er-Jahren rapide. Mit diesen Widersprüchen wird sich dieses Seminar umfangreich befassen. Für einen umfassenden Überblick sollen zunächst die Strukturen der Segregation von Menschen mit Behinderung aus historischer Perspektive beleuchtet werden, um Kontinuitäten in der Ausgrenzung von vulnerablen Gruppen seit Jahrhunderten aufzuzeigen. Im Anschluss erfolgt eine Beleuchtung des ausdifferenzierten Förderschulsystems in Deutschland, welches im Sinne des theoretischen Konstruktes der Pfadabhängigkeiten häufig im Verdacht steht, Schüler*innen nach dem Verlassen der Förderschule auf vorgezeichneten Pfaden in die Werkstätten zu führen (Lindmeier&Schrör, 2015; Schreiner, 2017; Zölls-Kaser, 2023). Ob dieser Weg alternativlos erscheint, wird vor dem Hintergrund der Verwirklichung von Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt diskutiert. In Bezug auf einen Einblick in die Werkstätten erfolgt anschließend, neben der Auseinandersetzung mit (rechtlichen) Grundlagen und dem Aufbau, insbesondere eine Betrachtung von Perspektiven verschiedener Personen im Feld der WfbM. Hierzu werden als Grundlage etwa 35 Interviews aus eigenen Forschungsarbeiten genutzt, welche qualitativ ausgewertet und betrachtet werden.

Zur Grundlagenvermittlung dienen Kleingruppenarbeiten, Impulsvorträge und die Interviews. Im Mittelpunkt stehen zudem interaktive Diskussionsformate wie Fishbowl-Diskussionen und Elevator Pitches. Das Seminar, für welches kein Vorwissen notwendig ist, soll verschiedene Perspektiven beleuchten und eine kritische Diskussion anregen, warum die Rechte von Menschen mit Behinderung (im Arbeitsleben) in Deutschland weiterhin eine Nebensache zu sein scheinen.

Seminarleitung: Christoph Burzlaff

Anmeldestart und Anmeldeschluss werden im Intranet bekannt gegeben. Weitere Informationen sind im Intranet zu finden.

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