Sommeruniversität 2018

Sommeruniversität 2018 – Jahresthema »fragil«
Bei der Sommeruniversität beschäftigen sich mehr als 20 interdisziplinäre Seminare mit Aspekten des Jahresthemas »fragil«. Die Sommeruniversität findet vom 13. bis zum 31. August 2018 in Haus Villigst und vom 17. bis zum 21. September 2018 in der Evangelischen Akademie Meißen statt.

Da die Sommeruniversität von einem breit gefächerten Austausch lebt, freuen wir uns über die Teilnahme von Villigsterinnen aller Fachrichtungen und aller Semester – aktuell Studierende, Promovierende und Ehemalige – sowie besonders auch über Gäste und Nicht-Villigsterinnen, die Lust haben, ein Thema neu kennen zu lernen.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerinnenzahl wird eine schnelle Anmeldung empfohlen; sie ist im Intranet ab dem 14. Januar 2018 möglich.

 

Übersicht der Seminare 2018 nach Rubriken

 

Zum Jahresthema »fragil«
Grexit? Frexit? Brexit! Die Europäische Union scheint fragiler denn je. Populistische Parteien als potentielle Gewinner der kommenden Wahlen stellen die Stabilität der westlichen Demokratien in Frage. Die Marktwirtschaft lässt Menschen zurück. Ist nur noch sozialer Abstieg möglich? Wirtschaft, Umwelt, Politik – die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Auch zwischenmenschliche Beziehungen wirken fragil. Leistungsdruck im sozialen Hamsterrad, Partne­r­innenwechsel aus Langeweile – persönliche Kontakte zerbrechen aufgrund eines Über­angebots an Möglichkeiten, und es entsteht ein Gefühl der Leere. Bin ich noch genug? Über Jahrzehnte sicher geglaubte Stabilitätsanker erweisen sich als fragil. Diffuse Unsicherheit greift um sich.

Ein Blick in die Natur zeigt, dass Leben selbst ein fragiles Phänomen ist. Das Gleichgewicht tropischer Korallenriffe war über Jahrhunderte gegeben. Eine Erhöhung der Wassertemperatur um nur 0,8 °C über wenige Wochen bewirkt bereits ein massenhaftes Bleichen – übrig bleibt ein leeres, totes Kalkskelett. Ursache solcher Veränderungen ist oftmals menschliches Handeln. Häufig unterschätzen wir dabei die Reichweite der Auswirkungen auf die fragilen Systeme, die uns umgeben.

Gesellschaftliche Verhältnisse sind nicht weniger fragil. Mal scheint die Integration von Minderheiten Fortschritte zu machen, mal scheint Erreichtes wieder zu zerbrechen. Politische Ordnungen sind stets fragil, weil sie auf einen Grundkonsens derer angewiesen sind, die in ihnen leben. Da sie jedoch nie allen Ansprüchen genügen können, ist dieser Konsens permanent brüchig. Dies wird spätestens in Krisen­situationen sichtbar. Gerade auch im Wirtschafts- und Finanzsystem zeigt sich immer wieder, dass bereits Handlungen weniger Akteurinnen die Stabilität des Systems insgesamt gefährden können. Nicht einmal Expertinnen konnten Krisen wie jene von 2008 vorhersehen.

Äußere Ereignisse führen uns die eigene Verletzlichkeit vor Augen. Um dem etwas entgegen zu setzen, suchen viele Halt im Spirituellen. Glaubensgemeinschaften können für ein Gefühl der Stabilität sorgen. Das Christentum stützte Europa – im Privaten, wie im Politischen.Vor 500 Jahren spaltete es jedoch auch. Denn Glaube selbst ist fragil. Auslegungen kommen und gehen. Seit seinem Auftreten wird über das richtige Verständnis der Person Jesu und seinem Verhältnis zu Gott (Trinität) diskutiert und gestritten. Unsicherheit, Enttäuschungen oder Schicksalsschläge können ebenso unseren Glauben ins Wanken bringen. Schon der Austausch mit anderen bedeutet Konfrontation mit unterschiedlichen Weltbildern, welche uns nicht nur die Zerbrechlichkeit des eigenen Glaubenskonzepts, sondern auch der eigenen Identität vor Augen führen.

Wer bin ich eigentlich? Und wer möchte ich sein? Dabei habe ich unzählige Möglichkeiten, aus denen ich wählen kann. Ich präsentiere mich stark, ehrgeizig und erfolgreich. Aber bin ich das gerade? Meine schillernde Blase droht durch die Spannung aus verschiedensten Erwartungen zu platzen. Doch um mit anderen in Kontakt zu treten, ist es nötig, äußere Hüllen abzulegen. Ich lege mein Innerstes offen, obwohl die Gefahr besteht, verletzt zu werden. Als fragil erweist sich so auch mein Selbstbild. Die eigene Zerbrechlichkeit zu offenbaren erscheint oft als ein zu großes Risiko. Doch besteht nicht genau darin eine Chance? Denn wenn niemand mehr hinter die Fassade schauen darf, erscheint jeder perfekt. Beziehungen werden zum Wettbewerb.

Fragilität ist ambivalent. Die Natur setzt schon seit Anbeginn der Zeit fragile Konstrukte ein, welche die Grundlage für Weiterentwicklung und Fortbestand sind. Ein Löwenzahn bedarf eines Windhauchs, welcher die zierlichen Samen aus dem Fruchtstand reißt, um sich verbreiten zu können. Die schützende Schale eines Vogeleis ist dazu bestimmt, durch rohe Gewalt von innen heraus zerstört zu werden, damit sich neues Leben entfalten kann. In der Kunst spiegelt sich die Faszination des Fragilen durch das Zusammenspiel von Zerbrechlichkeit und Stabilität: sei es filigrane Glaskunst, Porzellan oder der zierliche Körper einer Ballerina. Die japa­nische Kintsugi-Methode schafft durch spezielle Reparaturen sogar eine Aufwertung zerbrochener Objekte.

Manchmal sind fragile Phänomene schützenswert, und manchmal lohnt es sich, die Möglich­keit des Bruchs zu nutzen, um neue Strukturen entstehen zu lassen. In Gesellschaft und Politik kann die Fragilität bestehender Verhältnisse als Chance begriffen werden. Gerade auto­­kratische Regime sind oft nur scheinbar stabil. In der Medizin wird an Stammzellen geforscht; diese sind in einer Zellkultur zwar anfällig, doch ihr Potential zur Differenzierung kann genutzt werden, um therapeutische Ziele zu verfolgen. Im Zwischenmenschlichen eröffnet das Ende einer Partnerschaft oder der Abschied von Lebens­vorstellungen neue Perspektiven. Das Zerbrechen persönlicher Bindungen stellt eine Befreiung von Erwartungen dar.

Jede Eingebung, jeder Gedankenblitz ist zunächst fragil. Eine Assoziationskette kann schnell wieder zerbrechen, aber ein flüchtig entstandener Gedanke kann sich auch ver­festigen und sich zu einer bahnbrechenden Idee entwickeln. In diesem Sinne entsteht vielleicht aus einem diffusen Interesse ein konkreter Themenvorschlag. Lasst uns für die Sommer­universität 2018 gemeinsam ein Themengerüst bauen: eine stabile Zusammensetzung aus Inhalten, die es schafft, das Fragile sowohl als Heraus­forderung ernst zu nehmen als auch seine Notwendigkeit und seine Chancen zu entdecken.

Wie kann man sich für ein Seminar anmelden?
Die Anmeldungen zum Seminarprogramm erfolgen ausschließlich schriftlich, für Stipendiatinnen des Evangelischen Studienwerks über das Intranet. Telefonische Reservierungen sind möglich, bleiben aber nur für zwei Wochen bestehen.

Im Nach dem 30. April 2018 wird eine Anmeldebestätigung verschickt. Gibt es für ein Seminar mehr Interessentinnen als freie Plätze, wird eine Warteliste erstellt. In diesem Fall erhalten Sie eine Nachricht, ob Sie auf der Warteliste ­stehen. Kann eine Anmeldung nicht mehr ­angenommen werden, wird eine schriftliche Absage erteilt. Anmeldungen sind ab 14. Januar 2018 möglich. Seminare, die bis 30. April nicht 2018 mehr als sechs Anmel­dungen haben, werden vom Ressort Ideelle Förderung / Bildungsprogramm abgesagt. ­Seminare, die sechs Wochen vor Seminar­beginn weniger als sieben Anmeldungen aufweisen, werden ebenfalls abgesagt.

Hier können Sie sich ab 14. Januar 2018 anmelden:

Doris Mikus
per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
Telefon: 02304. 755 210

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