Sommeruniversität 2018 – F KUNSTWELTEN UND ÄSTHETISCHE ERFAHRUNG

zurück zur Übersicht

 

Seminare:

  

F 1 / Lippenbekenntnis – Der Kuss als vieldeutiges Zeichen fragiler Intimitätsbeziehungen

A Kiss is just a Kiss? Mitnichten. Verschiedene Varianten des Küssens bringen fragile Intimität vieldeutig zum Ausdruck. Ein Kuss kann Zeichen der erotischen Liebe, des sexuellen Verlangens, der Ehrerbietung (Handkuss), der Trauer (Abschieds­kuss) sowie des Verrats (Judaskuss) sein. Die Bibel kennt verschiedene Spielarten des Küssens, darunter den irritierenden »heiligen Kuss«. Dostojewskijs Erzählung vom Großinquisitor endet mit einem stummen, kaum deutbaren Lippenbekenntnis. Welche Relevanz hat es, wenn sich Politikerinnen zur Begrüßung küssen (sozialistischer Bruderkuss)? Welche Funktionen haben Kuss-Icons, die per Handy ver­schickt werden und wie verändern sich Intimitätsbeziehungen durch Digitalisierung?

Das Seminar untersucht die theoretische und praktische Bedeutungsvielfalt des Küssens und fokussiert die Relevanz der sinnlichen Ober­flächenorientierung – so fungiert u. a. in der Gegen­wartskunst die Berührung als letzte Instanz der Gewissheit. Als zentrale Denk­figur wird das Schillern (Iridescence) auf der Oberfläche betrachtet und im Seminar ­anhand der Performance »The Kiss« (2002) des deutschen Künstlers Tino Sehgal exemplarisch analysiert.

Vorläufige Seminarplanung:

Tag 1: Begrüßung; Erste Zugänge anhand eines Spielfilmes
Tag 2: Philosophisch-theologische Über­legungen zum sinnlichen Lippenbekenntnis
Tag 3: Digitale Küsse
Tag 4: Gegenwartskunst / Performances
Tag 5: Legendäre Küsse aus Literatur und Politik
Tag 6: Abschlussdiskussion und Feedback

Das Seminar richtet sich an Teilnehmende aller Disziplinen. Ein Reader wird bereitgestellt. Empfohlen zur Vorbereitung wird ferner das Buch von P. von Matt »Sieben Küsse: Glück und Unglück in der Literatur« (2017).

Leitung: Prof. Dr. Knut Berner, Dr. Andreas Backoefer
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 6 Tage
Zeitraum: 13. August bis 18. August 2018

nach oben

 

F 2 / Erst agil, dann fragil, dann … Darstellungen von Altern und Demenz in Literatur und Film

Demenzielle Erkrankungen gehören zu den ne­ga­tiven Folgen der Langlebigkeit. 1,4 Millionen Menschen sind derzeit allein in Deutschland an Demenz erkrankt. In der Endphase der Krank­heit müssen alle Patienten dauerhaft gepflegt werden. Wegen der veränderten Familienformen und der geographischen Mobilität wird für viele Erkrankte damit der Übertritt in eine Pflege­einrichtung unumgänglich. Das wird unsere Gesellschaft vor große medizinische, soziale, emotionale und ökonomische Probleme stellen. Nur durch eine gemeinsame Anstrengung von Familien, Staat, Pflegeinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen werden wir diese Zukunftsaufgaben bewältigen können.

Inzwischen ist das Thema auch in der öffent­lichen Diskussion angekommen. Neben den Print­medien tragen insbesondere die Literatur und in jüngster Zeit auch der Film dazu bei, für die mit der rapiden Zunahme demenzieller Erkrankungen verbundenen Probleme zu sen­si­bilisieren. Sie finden Bilder für Prozesse, die sich begrifflich kaum fassen lassen, und be­achten lebensgeschichtliche Zusammenhänge. Sie können Lebensgeschichten aus Innen­sicht und Außensicht erzählen, die Perspektiven wechseln, die Selbstwahrnehmung mit der Fremd­einschätzung konfrontieren und über sprachliche oder visuelle Bilder Vorstellungen wecken. So tragen sie zum besseren Ver­ständnis der Krankheit und ihrer Folgen für den Patienten und sein soziales Umfeld bei. Sie können Ereignisse realitätsnah schildern, aber auch Phantasie walten lassen und bisher nicht bedachte Möglichkeiten erproben. Ironische, komische und humoristische Darstellungsweisen helfen unter Umständen, auch dort noch zu lachen, wo alles nur noch zum Weinen ist.

Das Seminar macht sich zur Aufgabe, in Vorträgen, Arbeitsgruppen und Diskussionsrunden ausgewählte (auto-)biographische und fiktionale Texte sowie Dokumentar-, Fernseh- und
Spielfilme zu analysieren. Dafür wird den Teil­nehmenden vorab ein Reader mit Textauszügen zur Verfügung gestellt, Filmausschnitte werden im Verlauf der Tagung gezeigt. Vorträge
von Tagesreferenten helfen, bei den Analysen auch medizinische, soziologische, juristische, ökonomische und sozialpolitische Aspekte der Demenz zu berücksichtigen.

Leitung: Prof. Dr. Henriette Herwig
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 6 Tage
Zeitraum: 13. August bis 18. August 2018

nach oben

 

F 3 / Künstler ohne Werk – Werk ohne Autor – Abwesenheitsstrategien von Marcel Duchamp bis Erwin Wurm

In der Konzeptkunst, die ab den 1960er-Jahren zu radikalen Veränderungen des allgemeinen Kunstverständnisses führte, wird die theoretisch entwickelte Idee über die tatsächliche Aus­führung des Kunstwerks gestellt. Die Abwesen­heits­strategie lässt eine Leere entstehen, die den Raum für geistige Spannung öffnet, der Fragen und Mängel zulässt. Gegenstandslose Gedankenexperimente treten an die Stelle des visuell wahrnehmbaren Kunstobjekts. Häufig sind sprachliche Ausführungen, in Form von Schrift oder auditiver Übermittlung der einzige konkrete Gegenstand des konzeptuellen Werks, das der Rezipient entweder gedanklich oder körperlich, das heißt durch Handlung, durchdringt. Die Partizipation ist von Anfang an im Werkkonzept angelegt. Erst durch die gedank­liche oder körperliche Ausführung des Rezipienten wird das Werk aktiviert. Der ehemals auf Distanz gehaltene Betrachter des auratischen Kunstwerks wird auf diese Weise nicht nur zum Akteur, sondern auch zum Co-Autor des Werks. In dem Seminar »Künstler ohne Werk. Werk ohne Autor – Abwesen­heits­strategien von Marcel Duchamp bis Erwin Wurm« sollen die gegenstandslosen Ex­perimente in der Kunst seit den 1960er-Jahren, die äußeren formalen Zusammenhänge, da­runter die Frage nach Abbildfunktionen sowie die inneren revolutionären Problemstellungen, wie etwa die Beziehung der Wirklichkeit zur Welt, des Bildträgers zum Bild und des Betrachters zum Werk reflektiert werden.

Leitung: Franziska Leuthäußer
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 27. August bis 31. August 2018

nach oben

 

F 4 / Jazz – ein fragiles Gebilde?

Vor ziemlich genau hundert Jahren, in 1919, kam der amerikanische Saxophonist und Klari­net­tist Sidney Bechet nach Europa und zählte zu den ersten Jazzmusikern, die sich in Europa niederließen. Nach und nach etablierte sich auch in Europa eine Jazzszene und viele Länder blicken auf eine facettenreiche Jazz­entwicklung zurück. Vor allem im geteilten Deutschland nahm der Jazz eine besondere Rolle ein, nicht nur für die Fans, sondern auch für die Kultur­politik und Musikpropaganda. In diesem Semi­nar wird ein Überblick über die Jazzgeschichte allgemein (mit besonderem Hinblick auf Deutsch­land) und die verschiedenen Jazzstile gegeben. Danach werden gezielt Themen wie beispielsweise »Jazz als Freiheitssymbol im Kalten Krieg« und »Jazz und Musikdiplomatie« aufgegriffen. Es wird auf die Rolle des Jazz in der heutigen Gesellschaft ein­gegangen und in konstruktiven Diskussionen eine Verbindung zu dem Jahresthema »Jazz – ein fragiles Gebilde« hergestellt. Das Seminar richtet sich an klas­sische Musiker, die sich für andere Musik­stile begeistern, Historikerinnen, welche die Geschichte unter dem Aspekt des Jazz wieder­finden wollen und alle anderen Studie­rende, die sich für Musik und vor allem den Jazz interessieren.

Ein Interview mit einem Zeitzeugen sowie eine Ex­kursion nach Dresden zum Jazzclub Tonne sind in Planung.

Leitung: Katharina Weißenbacher
Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Meißen

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 17. September bis 21. September 2018

nach oben

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.