Sommeruniversität 2020 – F KUNSTWELTEN UND ÄSTHETISCHE ERFAHRUNG

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Seminare:

  

F1/ Aus eins mach zwei – die Kunst der Fälschung

Spätestens durch den Fall des 2011 verurteilten Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi ist das Phänomen der Kunstfälschung auch einer breiteren Öffentlichkeit ein Begriff. Dabei zeigt(e) sich allerdings, dass hinsichtlich einiger Aspekte der Kunstfälschung gewisse Unsicherheiten bestehen: So wurde u. a. immer wieder betont, dass Beltracchi – angeblich im Unterschied zu anderen Fälschern – nicht einfach kopiert, sondern vielmehr »neue« Werke im Stil anderer Künstler*innen erschaffen habe. Wieso aber wurde er dann dafür verurteilt, obwohl er gar »nicht wirklich« gefälscht, sondern Unikate und damit Neues geschaffen hatte?

Um diesen und anderen Fragen begegnen zu können, werden wir uns zu Beginn (Mo. / Di.) mit den verschiedenen, für den Themen­komplex relevanten Begriffen und Gattungen vertraut machen: Was ist eine Fälschung und was ein Original? Was unterscheidet die Fälschung von Replik, Kopie, Pasticcio und Stil­adaption? Wann und wie wird die Grenze zur Fälschung überschritten?

Dann werden wir uns der Geschichte der Kunstfälschung zuwenden (Di.): Seit wann gibt es sie überhaupt? Hat sie sich verändert? Wie kann man ihre Produkte im Zeitalter der neuen digitalen Herstellungsformen noch vom Original unterscheiden. Sodann (Mi.) werden wir uns die bereits 1967 vom Philosophen Lessing formulierte Frage danach stellen, was eigentlich »falsch« an der Fälschung im moralischen Sinne ist und wieso wir diese auch nach ihrer Entlarvung nicht ebenso bewundern und genießen können wie das Original, das zu sein sie vorgibt. Um das Erörterte dann auch praktisch vertiefen zu können, werden wir zum Osthaus Museum in Hagen fahren, wo am dortigen »Christian Rohlfs Archiv« regelmäßig zur Begutachtung eingereichte Werke des expressionistischen Malers Christian Rohlfs (1849 –1938) dahingehend geprüft werden, ob es sich um Originale oder Fehlzuschreibungen bzw. Fälschungen handelt.

Zuletzt (Do. / Fr.) werden wir in einem Ausblick die Zukunft der Fälschung erörtern.

Leitung: Prof. Dr. Henry Keazor
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 10. August bis 15. August 2020
Dauer: 6 Tage

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F2/ Einzigartig queer: Homoerotische und gender-nonkonforme Lesarten in der Populärkultur

Im Blockbusterkino, in Comics, Computerspielen oder TV-Serien findet die Konstruktion und Repräsentation von queeren Geschlechtsidentitäten und von Sexualität jenseits der hetero­sexuellen Norm kaum statt. Vor allen Dingen in der Fantasy – etwa Harry Potter, The Lord of the Rings oder das Marvel Cinematic Universe – ist Queerness ein auffallend blinder Fleck, obwohl es hier stets um Andersartigkeit geht. Das Genre lotet ja gerade die Grenzen des Normalen aus, überschreitet sie und lässt viel Raum für Vorstellungskraft. In ihrer Offenheit scheint daher die häufig als konservativ und rückschrittlich verurteilte Fantasy geradezu non-heteronormative Lesarten einzuladen.

Durch das Internet ist Fankultur kein Nischenphänomen mehr, sondern mitten im Mainstream angekommen. Jede*r kann heute an Fankultur partizipieren. Viele Fans nehmen die erwähnten Unbestimmtheiten dankbar an, um davon ausgehend ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Sie füllen die Lücken in den Texten, sie zeichnen die Schattengeschichten nach, machen schließlich das Unsichtbare sichtbar und verraten dabei auch viel über sich selbst. Neue, einzigartige Perspektiven bekommen hier Raum und ein Publikum. Queerness, aber auch Homoerotik und Pornografie spielen im Fandom eine zentrale Rolle, die wir im Verlauf der Veranstaltung besser verstehen wollen.

Nachdem der erste Tag der Einführung ins Thema und der Klärung der zentralen Begriffe gewidmet ist, sollen im Anschluss zunächst selbst popkulturelle Artefakte gegen den Strich gelesen werden, um dann im nächsten Schritt den Output der Fans im Netz genauer unter die Lupe zu nehmen (Fanfiction, Fanart, Videos, Memes usw.). Geplant ist außerdem ein Besuch des Terence Hill Museums in Lommatzsch und Gespräche mit den Initiator*innen. Am Ende des Seminars wollen wir die verschiedenen Puzzlestücke zusammensetzen, um möglichst differenziert nicht nur die Frage nach der Queerness in Fankulturen, sondern nach der Queerness im Mainstream beantworten zu können.

Leitung: Dr. Vera Birgit Cuntz-Leng
Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Meißen

Zeitraum: 21. September bis 25. September 2020
Dauer: 5 Tage

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F3/ From Bootylicious to Beychella: Beyoncé’s Rise to Super-Stardom

In his seminal study Stars (1979), British academic Richard Dyer first described stardom as a performance, and a star as the construction of a unique but fictional persona that is used to appeal to audiences and thus make money. While Dyer analyzed film stars such as Marilyn Monroe or John Wayne, in this seminar we will use US singer Beyoncé as a case study to investigate how a unique star persona is created and how it can change throughout time.

We will first familiarize ourselves with theoretical approaches to stardom at the beginning of the week. After that, we will trace Beyoncé’s career from her membership in the girl group Destiny’s Child to her headlining of Coachella in 2018 as the first African-American woman to do so. Using analytical tools from semiotics, Cultural Studies and film analysis, we will have a closer look at some of Beyoncé’s music videos, song lyrics, and life performances, as well as her presence on social media or in interviews. Our focus will lie, among other things, on issues such as race and gender, but also on the potential tension between a star’s political activism and his or her commercial success.

Since stars do not exist without their fans, towards the end of the week we will turn to fan reactions and fan texts such as memes and Youtube videos. In this part, we will focus on finding out how fans interpret and analyze Beyoncé’s performances and which aspects of her star persona they deem especially important, noteworthy or maybe even worth imitating. This final analysis will help us to arrive at a more comprehensive understanding of the star phenomenon in general and Beyoncé’s star persona in particular.

Please note: Since the primary and secondary sources are in English, we will try to use English as our first language in the seminar. However, do not hesitate to register because of the language: there will always be a chance to use German if you have or want to do so.

Leitung: Dr. Svenja Hohenstein
Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Meißen

Zeitraum: 21. September bis 25. September 2020
Dauer: 5 Tage

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