Sommeruniversität 2018 – E UMGANG MIT GESCHICHTE – ZUGANG ZU KULTUREN

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Seminare:

 

E 1 / Fragile Staatlichkeit in Afrika

Viele sehen die Staatssysteme Afrikas als Superlativ der Fragilität von Regierungssystemen. Grund dafür ist die Tatsache, dass das in den Medien porträtierte Bild des Kontinents immer noch von Krisen, Kriegen und Krankheiten geprägt ist. Doch wie viele Länder Afrikas stehen wirklich kurz vor einem Zerfall oder gelten schon als »failed states«? Was sind mögliche historische Ursachen für die zweifelslos prekäre politische, wirtschaftliche und soziale Lage in vielen afrikanischen Staaten? Welche Rolle spielen innerstaatliche, gesellschaftliche oder politische Strukturen, Interessen von externen Mächten (Westen und China) oder historische Gründe wie Sklavenhandel, Kolonialismus, Kalter Krieg?

Aus einer interdisziplinären Perspektive will dieses Seminar Antworten auf diese Fragen suchen. Zunächst werden die zentralen Begriffe Demokratie, Demokratisierung und demokratische Konsolidierung sowie die Korrelation zwischen Demokratie und Entwicklung kritisch disku­tiert. Alsdann geht das Seminar unterschiedlichen Demokratisierungsprozessen seit Ende der 1980er Jahre im Sub-Sahara Afrika anhand kon­kreter Länderbeispiele nach. Besondere Auf­merksamkeit wird dabei den erklärenden Faktoren hinter den divergierenden Ergebnissen dieser Transformationsprozesse gewidmet und der damit verbundenen Entstehung und Etablierung von »kompetitiven autoritären Systemen«, also jene Regime, die von einer konstanten Mi­­­­­sch­­ung von formal demokratischen Institutionen und autokratischen Elementen charakterisiert sind. U. a. vor dem Hintergrund der internen und externen demokratischen Herausforderungen beschäftigt sich das Seminar als nächstes mit der Entwicklungsproblematik und reflektiert kritisch die Entwicklungszusammenarbeit. Schließ­lich sollen anhand der Erkenntnisse po­ten­tiel­le Lösungsansätze für eine Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Lage for­mu­liert werden.

Das Seminar setzt keine Vorkenntnisse in politischen Systemen Afrikas voraus. Ein Reader wird zur Vorbereitung auf das Seminar rechtzeitig zur Verfügung gestellt.

Leitung: Dr. David Tchakoura
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 6 Tage
Zeitraum: 13. August bis 18. August 2018

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E 2 / Fragile Sinnkonstruktionen – Zur kulturellen Bedeutung von Symbolik

Die soziale Wirklichkeit ist durchdrungen von Sym­bolik, deren Bedeutung eine immense Wandelbarkeit aufweist. Symbole machen reale gesellschaftliche Strukturen sichtbar und schaffen andererseits selbst Ordnung in einer zunehmend instabilen Umwelt. Sie finden sich sowohl auf dem Papier als auch im Raum oder in der Sprache, in medialen Inszenierungen der Politik ebenso wie in ökonomischen Werbe­strategien und religiösen Ritualen. Selbst alles Wissen bildet sich ab in Mythen, Metaphern und Modellen, die kraft ihrer inhärenten Symbolik einen eigenen Blick auf die Welt eröffnen.

Im Seminar wollen wir gemeinsam die funda­men­tale Rolle von Symbolik für uns als Indi­viduum als auch für jedwede Kultur er­arbeiten. Zur Orientierung lassen sich sechs Dimensionen analytisch unterscheiden, an denen sich der Ablauf nach einer einführenden Rundschau blockweise ausrichten kann:

E. Facetten des Symbolbegriffs. Klassische Perspektiven der Ethnologie, Psychoanalyse, Semiotik, Ästhetik und Soziologie

  1. Symbolische Vergemeinschaftung. Fragen der rituellen Beschwörung von Kollektiv­identitäten und der Bezugnahme auf soziale Entitäten überhaupt
  2. Statussymbolik. Zur Zuschreibung persön­licher Bedeutsamkeit und zur Aushandlung kontextbezogener Rollenverteilungen
  3. Weltanschauung. Von bildlichen Dar­­­stellungen und Medienereignissen bis hin zu Mythen und Metaphern
  4. Öffentlicher Raum. Formen der Gren­z­markierung, der Regulierung von Verhaltens­strömen, sowie der Manifestierung sozialer Strukturen in Topographien, Sitzordnungen oder Architektur
  5. Grundhaltungen. Deren Vermittlung durch Spiele, Sozialisation, traumatische Ereignisse etc.
  6. Libido: Themen der sozialen Bindung, der Geschlechterbeziehungen und der ­Kulti­vierung von Sexualität

Wir gehen zunächst von einem bildbezogenen, dinghaften Symbolverständnis aus. Gewöhnlich stellt man sich ein Symbol als sichtbare Form vor (etwa ein Kreuz, Piktogramm oder Emoji), der sich eine kulturell definierte Bedeutung zuordnen lässt. Mit der Sensibilisierung für die Omni­präsenz symbolischer Gehalte werden wir allerdings zudem über die Zerbrechlichkeit gängiger Symbolbegriffe selbst diskutieren.

Die Teilnehmerinnen reflektieren den eigenen Sprachgebrauch, lernen linguistische Analyse­kategorien kennen, wenden sie an und ver­schaffen sich einen Überblick über (sozio)­linguistische Forschungsmethoden.

Das Seminar richtet sich insbesondere an Teilnehmerinnen ohne linguistische Vorkenntnisse.

Leitung: PD Dr. Michael Beetz
Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Meißen

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 17. September bis 21. September 2018

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E 3 / Zensur!?

Zur fragilen Differenzierung von Meinungsfreiheit und Verantwortung »Eine Zensur findet nicht statt« (Art. 5 GG) – und dennoch existieren in demokratischen Ge­sell­­schaften Mittel zur Kanalisierung und Kon­trolle von Wissen, Informationen und Meinungs­­äußerungen. So scheint der Begriff deutlich komplexer, als es auf den ersten Anschein wirken mag, was sich nicht nur an dessen Omnipräsenz in den aktuellen Debatten um die Reichweite von Meinungsfreiheit zeigt.

In dem Seminar wollen wir uns zunächst einem komplexeren Verständnis von Zensur (Vorzensur, Nachzensur, Selbstzensur sowie metaphorische Verwendungen) annähern.
Wie wird der Begriff in verschiedenen Kontexten verwendet? Welche unterschiedlichen Maßnahmen von Zensur existieren und auf welche Weise wirken diese? Inwiefern ist es möglich und legitim im deutschen Kontext von Zensur zu sprechen?

Anschließend wollen wir dieses Verständnis mit Hilfe von drei Themenfeldern vertiefen:

  1. Exemplarisch werden wir anhand des Diskurs­es der Pornographie eine kurze ­Geschichte der Zensur nachzeichnen und ­analysieren, welche Interessen, ­Argumente und Strategien hinter der ­Zugangskontrolle zu Bildern und Texten auszumachen sind.
  2. Wie intrikat das Verhältnis von Meinungs­freiheit bzw. freier Zugänglichkeit und ­Ver­antwortung ist, verdeutlicht sich, wenn wir die Publikationsgeschichte von Adolf Hitlers »Mein Kampf« sowie die Aufführungs­be­schrän­kungen von Veit ­Harlans antisemi­ti­schem Spielfilm »Jud Süß« (1940) diskutieren.
  3. Abschließend wollen wir uns der sog. »Medien­schelte« und der Kritik an der Öffentlichkeits­arbeit der Polizei im Kontext der Kölner Silvesternacht 2015/16 widmen.

Zentrale Fragen des Seminars sind somit, unter welchen Umständen und auf welche Weise Maß­nahmen von Zensur statthaft sind, pro­blematisch werden oder auch an ihre Grenzen geraten. Das Seminar beschäftigt sich nicht mit der Frage von Zensur in autokratischen Sys­temen, sondern richtet seinen Blick vor allem auf die liberale Demokratie und unser eigenes Verhältnis zu Zensur, Freiheit und Verantwortung.

Leitung:  Florian Brandenburg
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 6 Tage
Zeitraum: 13. August bis 18. August 2018

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