Sommeruniversität 2017 – C GESELLSCHAFTSANALYSE UND HANDLUNGSPERSPEKTIVEN

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Seminare:

  

C 1 / Panta rhei? Wechselströme zwischen Literatur, Politik und Mediengesellschaft

Gibt es sie noch, die politische Literatur? Wie kommunizieren Politikerinnen, um in der »Mediendemokratie« Gehör zu finden? Wie beeinflussen Medienformate die Politik? Ausgehend von den in den vergangenen Jahren beobachtbaren Veränderungen in Politik und Medien fragt das Seminar kritisch nach ihrer gegenseitigen Einflussnahme: Panta rhei? Fließt alles ineinander? Und welchen Beitrag kann hier die Literatur leisten? Betrachtet werden drei Wechselströme, die das sechstägige Seminarprogramm strukturieren:

Politik und Massenmedien:
Im ersten Themenschwerpunkt werden mediale Gesetzmäßigkeiten untersucht, die gegenwärtig die politische Kommunikation formen. Wie können Medien als »vierte Macht im Staat« komplexe politische Prozesse abbilden? Weist z.B. die Diffamierung als »Lügenpresse« auf strukturelle Probleme des Journalismus hin?

Literatur und Politik:
Gerade Schriftstellerinnen haben sich häufig als politische Akteurinnen verstanden. Wie hat sich die politische Literatur in unserer durch Globalisierung und Medien geprägten Gesellschaft verändert? Welche Themen und Mittel wählen Autorinnen und welchen Einfluss können sie auf den politischen Diskurs und die Politik ausüben?

Massenmedien und Literatur:
Literatur kann eine Alternative zur Schnelllebigkeit der Massenmedien darstellen. Allerdings ist sie in ihrer Verbreitung und Wirksamkeit medialen Mechanismen unterworfen. Schwimmt also die Literatur mit oder gegen den Strom massenmedialer Phänomene?

Ziel des Seminars ist es, gemeinsam mit den Teilnehmenden mit literatur-, medientheoretischer und soziologischer Methodik aktuelle politische Ereignisse und literarische Beispiele zu untersuchen. Zentrale Texte werden vorab bereitgestellt.

Als Einblick in die Praxis ist ein (Skype-)Expertinnenabend geplant, an dem Medienvertreterinnen, Politikerinnen und Autorinnen zu Wort kommen.

Leitung: Anna Hampel, D. Manuel Illi
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 26. August bis 1. September 2017

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C 2 / Armut und Lebensqualität – Herausforderungen und Handlungsansätze kommunaler Armutsprävention

Die soziale Spaltung in Deutschland verschärft sich und setzt den gesellschaftlichen Zusammenhalt zunehmend »unter Strom«. Während die Zahl hoher Einkommen und Vermögen stetig wächst, hat die Armut trotz rückläufiger Arbeitslosigkeit weiter zugenommen. Diese Polarisierung zeigt sich in Großstädten besonders eindringlich. Dort konzentrieren sich soziale Problemlagen in einigen benachteiligten Teilräumen. Dann ist häufig von Quartierseffekten die Rede: da Vorbilder fehlen, allein die Adresse stigmatisiert oder auch die Infrastruktur defizitär ist. Armut bedeutet aber nicht nur relative materielle Knappheit, sondern z. B. auch geringere Teilhabe- und Bildungschancen. Dadurch wird auch die Lebensqualität stark beeinträchtigt. In einem fünftägigen Seminar sollen die Ergebnisse der Armuts- mit den Befunden der Lebensqualitätsforschung zusammengeführt werden, um daraus Schlussfolgerungen für verschiedene Politikfelder zu ziehen. Dabei sollen folgende Fragen im Mittelpunkt stehen: Welche Gruppen sind von Armut besonders betroffen? Welche Folgen hat Armut? Wie zeigt sich die soziale Spaltung besonders in Großstädten und welche Handlungsmöglichkeiten bestehen v. a. auf der lokalen Ebene?

Der Ablaufplan sieht folgende Schritte vor:

1. Einführung zum Thema Armut und Reichtum in Deutschland durch den Seminarleiter (Mo.)

2. Armutsfolgen: Kleingruppenarbeit zu den Auswirkungen von Armut mithilfe ausgewählter Literatur und deren Anwendung auf Fallbei­spiele (Di.)

3. Zum Begriff der Lebensqualität und die Einschränkungen durch Armut: Selbstreflexion, kleine eigene Befragung vor Ort sowie Kurz­input des Seminarleiters (Di.)

4. Wahrnehmung der sozialen Spaltung der Städte: Eine Exkursion in zwei ausgewählte Ortsteile einer nahe gelegenen Großstadt (Dresden/Dortmund) und Diskussion der Beobachtungen (Mi. und Do.)

5. Armutsbekämpfung: Handlungsansätze durch den Seminarleiter sowie Erarbeitung von Thesen durch die Teilnehmerinnen, welche im Plenum diskutiert werden (Do. und Fr.)

Leitung: René Böhme
Veranstaltungsort: Evangelische ­Akademie Meißen

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 18. September bis 22. September 2017

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C 3 / Schwarmintelligenz – mehr als die Summe seiner Teile oder mit dem Strom schwimmen?

Die Tiere machen es uns vor: Gemeinsam geht mehr. Ob im viel zitierten fleißigen Bienenschwarm oder bei Fischen und Ameisen – scheinbar kleine Lebewesen vollbringen Erstaunliches, wenn sie sich in einer Gruppe zusammentun. Ist dieses Verhalten auch auf menschliches Zusammenleben übertragbar? Es boomt das Geschäft mit Coachingangeboten zum »Führen mit Schwarmintelligenz« in Wirtschafts­unter­nehmen und Firmen. Dynamische Netzwerke werden als Schlüsselkonzept der Zukunft gehypt. Netzwerke, in denen mehr geht als allein, sind im Alltag angekommen, sowohl bei der Publikumsfrage von »Wer wird Millionär«, bei Wikipedia als auch bei Flashmobs und Hilfsaktionen über Soziale Netzwerke. Auch die Ergebnisse der Sinus-Jugendstudie passen scheinbar voll in den Trend: nur nicht auf­fallen, mit anderen gemeinsam zum Ziel.

Bedeutet dies aber nicht unter Umständen auch im Schwarm ins Unglück? Wenn alle allen folgen, wer bestimmt dann den Weg?

Im Seminar wollen wir uns gemeinsam mit Schwärmen und Schwarmintelligenz in verschiedenen Zusammenhängen auseinandersetzen. Abschließend wollen wir disku­tieren, welche Rolle Individuen in Netzwerken und Gruppen einnehmen können.

Seminarablauf:

Tag 1: Kennenlernen und Einstieg ins Thema

Tag 2: Schwärme in der Verhaltensbiologie (externer Referent angefragt)

Tag 3: Schwarmverhalten im sozialen Kontext

Tag 4: »Nur nicht auffallen?«, Ergebnisse der Sinus-Jugendstudie 2016, Vortrag und ­Diskussion

Tag 5: Das Ganze – mehr als die Summe seiner Teile? Zusammenfassung und Ausblick Lektüregrundlage des Seminars bilden Aus­züge aus Eva Horns »Schwärme. Kollektive ohne Zentrum«, Transcript Verlag 2009.

Leitung: Dr. Christiane Wirth Forsberg
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 28. August bis 1. September 2017

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