Sommeruniversität 2019 – B ZWISCHEN NATUR UND TECHNIK

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Seminare:

 

B1 / Game of Drones

Durch die aktuellen Forschungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) / Robotik und die damit verbundene Entwicklung von zunehmend autonom handelnden Systemen scheinen die Karten in Gesellschaft und Weltpolitik neu gemischt zu werden. Und obwohl das Ringen um den technologischen Vorsprung und die militärische Überlegenheit im Bereich autonomer (Waffen-) Systeme schon lange begonnen hat, fehlt es bislang an international aner­kannten Spielregeln für den Umgang mit dieser neuen Technik.

Das angebotene Seminar widmet sich wissenswerten Grundlagen aus dem Bereich »(semi-) autonome (Waffen-) Systeme« und behandelt offene Fragen, die sich in diesem Kontext er­geben. Neben einer kurzen Sequenz zu Grundlagen Künstlicher Intelligenz und dem Blick auf allgemeine gesellschaftliche Auswirkungen der sich verändernden Beziehung von Mensch und Maschine befassen sich die Seminarteilnehmerinnen im Rahmen dieser Veranstaltung mit Beispielen verschiedentlich genutzter (semi-) autonomer Systeme. Dabei werden auch Systeme aus dem zivilen Bereich thematisiert, schwerpunktmäßig konzentriert sich das Seminar jedoch auf das militärische Einsatzspektrum sogenannter »Drohnen« beziehungsweise auf Entwicklungen im Bereich von (Lethal) Autonomous Weapons Systems (AWS). Hierbei wird sowohl auf rechtliche und ethische Implikationen der Systeme eingegangen als auch auf mögliche Regulierungsoptionen.

Neben kurzer Input-Sequenzen durch die Seminarleitung wird innerhalb des Seminars hauptsächlich auf Kleingruppenarbeit zurückgegriffen. Ergänzt wird die Veranstaltung durch einen Vortrag von Jürgen Altmann. Er ist Physiker, Friedensforscher und unter anderem Mitinitiator und stellvertretender Sprecher des Inter­national Committee for Robot Arms Control, ICRAC. In seinem Vortrag wird er sich thematisch mit (L)AWS und präventiver Rüstungs­kontrolle beschäftigen.

Leitung: Lisa Maichle
Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Bad Boll

Zeitraum: 8. April bis 12. April 2019
Dauer: 5 Tage

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B2 / Das spielende Gehirn – Neurobiologie menschlichen Spielverhaltens

»Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt« ist im 15. Brief »Über die ästhetische Erziehung des Menschen« von Schiller zu lesen. Der Sinn dieser Aussage gewann an Tiefe, als die Hirnforschung in den 1990er Jahren entdeckte, dass Kleinkinder über viel mehr neuronale Verschaltungen im Gehirn verfügen als Erwachsene.

Kein Gehirn gleicht einem anderen. Deshalb gleicht auch keine Sicht auf die Welt eines Menschen der eines anderen. Das Sein erfährt so eine unüberschaubare Vielfalt an Interpre­tationen. In diesem Spiegelkabinett subjektiver Weltbilder grenzt es an ein Wunder, dass es Menschen unter günstigen Umständen immer wieder gelingt, sich untereinander zu verstehen, sich auf Tatsachen zu einigen und unterschiedliche Sichtweisen als Bereicherung zu erleben.

Der Schlüssel für dieses Wunder liegt in der langen Kindheit des Menschen. Sie formt unsere Gehirne nachhaltig, sodass Gehirne, die so verschieden sind wie Schneeflocken, am Ende unserer Kindheit in der Lage sind, verschiedene Positionen einzunehmen. Auch Erwachsene brauchen, wenn sie andere und sich selbst besser verstehen wollen, Zeit zum freien Spiel. Volkskrankheiten, wie das Überforderungs- (Burn-out-) und das Unterforderungs- (Bore-out-) Syndrom, zeigen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist.

Ziel der Seminare soll sein, ergebnisoffen gemeinsam nach Antworten auf Fragen wie die folgenden zu suchen: Was passiert im Gehirn während des Spielens? Welche aktuellen Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften gibt es, die das Phänomen besser erklären können? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Arten des Spielens auf die Entwicklung von Kindern? Was unterscheidet menschliches von tierischem Spiel? Warum spielen Menschen eher Krieg als Frieden? Was haben kindliche Rollenspiele mit unserem späteren Verhalten in der Gesellschaft zu tun? Welche Bedeutung haben Emotionen im Spiel?

Leitung: Dr. habil. André Frank Zimpel
Co-Leitung: Angela Kalmutzke
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 26. August bis 30. August 2019
Dauer: 5 Tage

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B3 / Alpha Go – oder: Vom besiegten Menschen

Machine Learning ist die Wissenschaft, Computer lernen und handeln zu lassen wie Menschen. Ziel ist es hierbei, dass der Computer seine Fähigkeiten selbstständig verbessert, zum Beispiel durch das Sichten von Daten oder durch Interaktionen mit der realen Welt – die Maschine lernt. Der Grat zwischen »wie ein Mensch« und »besser als ein Mensch« ist hier manchmal schmal.

Von der Antike an sind Spiele für den Menschen Zeitvertreib und Wettkampf zugleich. Seit den 1950er Jahren spielen wir mit Com­putern – und gegen sie. Im Jahr 1997 hat IBMs Deep Blue den amtierenden Schachweltmeister besiegt, im Jahr 2011 schlug IBMs Watson menschliche Gegner bei Jeopardy. Ein neuer Meilenstein wurde im Jahr 2016 erreicht, als Googles künstliches Intelligenzsystem einen professionellen Spieler in dem chinesischen Brettspiel Go schlug, welches als eines der komplexesten Spiele überhaupt gilt. In diesem Seminar gehen wir daher der Frage nach: Hat die Maschine den Menschen bereits besiegt?

Ziel ist es zunächst, die grundlegenden Konzepte des Machine Learning und die Grenzen des heutzutage Möglichen zu verstehen. Wir erkunden die Fähigkeiten moderner Künstlicher Systeme am Beispiel des multiplayer Strate­giespiels »Dota 2«. Weiterhin wollen wir diskutieren, wie Machine Learning und Künstliche Intelligenz unseren Alltag und unsere Gesellschaft verändern und welche ethischen Fragen sich daraus ergeben. Am Beispiel des COMPAS Algorithmus, einem amerikanischen System zur Bewertung der Rückfallgefahr von Straf­tätern und Straftäterinnen, untersuchen wir algorithmische Diskriminierung und entwickeln Strategien, um dieser zu begegnen. Als Add-on versuchen wir zum Schluss, unsere eigenen kleinen Spiele zu programmieren!

Um Spaß an diesem Seminar zu haben, brauchst Du keinerlei Vorwissen, sondern nur den Wunsch, Dich begeistern zu lassen, die Fähigkeit, kritisch zu denken, und Interesse daran, Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Mo. Einführung ins Thema: Machine Learn­ing anhand von anschaulichen (Bei)Spielen

Di. Fähigkeiten und Grenzen künstlicher Systeme am Beispiel des multiplayer Strategiespieles Dota 2. Ausprobieren, entdecken, analysieren, abstrahieren, diskutieren ...

Mi. Überraschungsgast!

Do. Algorithmische Diskriminierung am Beispiel des COMPAS Algorithmus – Überblick und Diskussion über die ethischen Grenzen, Verantwortlichkeiten und die Zukunft unserer Gesellschaft.

Fr. Do-it-yourself Spieleentwicklung!

Kurzvita:

  • Annika Stechemesser studierte Mathematik an der Universität Duisburg Essen. Nach dem Bachelor wechselte sie an die University of Warwick (UK), wo sie ihr Studium in Interdisciplinary Mathematics und Mathematics of Complex Systems vertiefte. Seit Oktober 2018 promoviert sie an der University of Warwick. Interessens- und Forschungsschwerpunkte sind Data Analysis, (Bio)Informatik, Machine Learning, Graph- und Netzwerktheorie und angewandte Mathematik im Allgemeinen.
  •  Johannes Müller absolviert sein Studium in Mathematik mit Villigster Förderung an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In Warwick (UK) erhielt er einen Master of Interdisciplinary Mathematics. Seine Forschungsinteressen sind neben medizinischen Anwendungen von Differentialgleichungen das Maschinelle Lernen und besonders die Verwendung stochastischer Prozesse hierfür.

Leitung: Annika Stechmesser
Co-Leitung: Johannes Müller
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 26. August bis 30. August 2019
Dauer: 5 Tage

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