Sommeruniversität 2021 – B ZWISCHEN NATUR UND TECHNIK

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Seminare:

 

B1/ Falsche Beob-Achtung: Wie trügerisch sind unsere Erinnerungen?

Im Alltag verlassen wir uns ständig ganz selbstverständlich auf unser Gedächtnis. Dass es nicht perfekt ist, bemerken wir jedes Mal, wenn wir etwas Wichtiges vergessen haben. Trotzdem trauen wir unseren Erinnerungen in aller Regel blind. Allgemein werden Erinnerungen für ähnlich akkurat wie Filme gehalten. Diese Vorstellung spiegelt sich auch in der Popkultur wider, wenn zum Beispiel in J. K. Rowlings »Harry Potter« im »Denkarium« Erinnerungen abgelegt und dann nach Belieben wiedererlebt werden können, ohne sich dabei zu verändern. Die wissenschaftliche Forschung offenbart eine vor diesem Hintergrund über­raschende Fehleranfälligkeit des Gedächtnisses, die sich im Ex­tremfall in Scheinerinnerungen äußern kann, also in »Erinnerungen« an Erlebnisse, die man niemals hatte. All dies deutet klar darauf hin, dass das Erinnern ganz anders funktioniert, als wir es uns intuitiv vorstellen: Es ist ein kons­truktiver Prozess.

In diesem Seminar sollen zunächst die wich­­tigsten psychologischen und neurologischen Grundlagen des Wahrnehmens und Erinnerns vermittelt werden, die für die Entstehung von Gedächtnisverzerrungen relevant sind. Dabei werden auch eigene Erfahrungen der Seminar­teilnehmenden herangezogen und verschiedene klassische Experimente durchgeführt.

Des Weiteren wird die Bedeutung der Forschungsergebnisse für die forensische Praxis im Mittelpunkt stehen, zum Beispiel bei der Vernehmung von Zeugen und bei der Personenidentifizierung. In diesem Zusammenhang werden reale Fälle von Justizirrtümern besprochen. In einem interdisziplinären Austausch soll letztendlich erarbeitet werden, wie mit der­artigen Verdachtsmomenten umgegangen ­werden sollte und was verschiedene gesellschaftliche Akteur*innen dazu beitragen können, Fehl­verurteilungen vorzubeugen, ohne tatsächlichen Opfern den Weg zur Strafverfolgung zu erschweren. Schwerpunkt und Ziel der Debatte richten sich dabei nach den Fachdisziplinen und Interessen der Seminarteilnehmenden.

Leitung: Dipl.-Psych. Marie Joséphine Hamatschek, Melanie Richter
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 2. August bis 6. August 2021
Dauer: 5 Tage

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B2/ »Achtung! Sie betreten jetzt das Darknet!« Spannungsfeld von kriminellen Aktivitäten und dem Bedürfnis nach anonymer Kommunikation?

Darknet. Schenkt man Medienberichten Glauben, handelt es sich hier um ein Synonym, das für alles Böse und Illegale steht. Dabei bleibt das Spannungsfeld von kriminellen Aktivitäten und dem Bedürfnis nach anonymer Kommunikation oft gänzlich außer Acht. In einer thematischen Dreiteilung wollen wir eine objektive Sicht auf »das Darknet« erlangen. Basics first. Darknet, Deepweb, Darkweb? Die Begriffsverwendung in den »Mainstream-Medien« ist uneindeutig und oft falsch, denn »DAS eine Darknet« gibt es so gar nicht. Womit haben wir es eigentlich zu tun?

Block 1: Begrifflichkeiten, technische Grund­lagen und Basics. Zumeist ist mit dem Begriff »Darknet« das Tor-Netzwerk gemeint. Seiten im Tor-Netzwerk heißen Hidden Services und sind nicht indiziert. Aber wie findet man sich ohne Google zurecht? Wie setzt man selbst einen Hidden Service auf und welche Inhalte warten dann letztendlich wirklich auf einen?

Block 2: Risiken und Chancen von Anonymitäts-Technologien am Beispiel von Tor. Die Nutzergruppe von Tor ist bunt gemischt. Neben vermeintlich Kriminellen, sind es unter anderem Dissident*innen und / oder Personen, die ihre Daten vor Systemen und Organisationen schützen wollen, die personenbezogene Daten auswerten und / oder sie an Dritte weitergeben: »Mit dem Tor-Browser ist man anonym.« Aber vor wem eigentlich? Was heißt Anonymität im Zusammenhang mit Tor und welche Technologien kann man einsetzen, um eine Deanonymisierung zusätzlich zu erschweren? Für einen besseren Einblick aus dem Bereich der Strafverfolgung wird nach Status quo ein Tagesreferent aus der Schnittstelle von Forschung und Sicherheitsbehörden referieren.

Block 3: Soziale Netzwerke im Darknet. Ergebnisse früherer Forschung konstatieren, dass die Motivation von Personen, an sozialen Netzwerken teilzunehmen, sich vor allem aus zwei sozialen Bedürfnissen speist: erstens dem Bedürfnis, dazuzugehören und zweitens dem Bedürfnis nach Selbstpräsentation (Nadkarni & Hofmann, 2012, p. 247). Wie passt das in einen Kontext wie das Tor-Netzwerk? Welche Strukturen ­finden wir hier und haben Personen, die Privacy Enhancing Technologies (PETs) verwenden, auch immer gleich eine höhere Online-Privatheitskompetenz?

Ein interdisziplinärer Reader wird vorab bereitgestellt. Für eine Teilnahme am Seminar sind keine technischen Vorkenntnisse notwendig. Neben der Bereitschaft zu interdisziplinärer Arbeit sollten Teilnehmende vor allem offen für eine neue Sichtweise auf die »dunkle Seite des Internets« sein.

Leitung: Alexandra Lux
Co-Leitung: Florian Platzer
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 16. August bis 21. August 2021
Dauer: 6 Tage

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B3/ Achtung vor dem Klimawandel – Wie zeigen sich seine Auswirkungen und was können wir dagegen tun?

Bei den aktuellen Debatten um Klima- und Umweltschutz stellt sich immer drängender auch die Fragen der Verantwortlichkeit. Inwieweit lassen sich Extremwetterereignisse wie Dürren oder Stürme auf einzelne Emittenten von CO2 zurückführen? Was sind die zugrundeliegenden Modelle? Welche Stärken und welche Schwächen haben diese? Weiter interessieren uns die Frage nach der Kostenverteilung, die aus dem Plastikmüll im Meer entstehen. Wer kommt dafür auf? Seit einigen Jahren versucht die Zuordnungsforschung diese Fragen zu beantworten. Dabei stellen sich nicht nur naturwissenschaftliche, sondern auch ethisch-philosophische Fragestellungen, die im Seminar thematisiert werden können. Für ein Grundverständnis der ökologischen Problematiken soll allerdings eine naturwissenschaftliche Perspektive eingenommen werden.

Der Klimawandel bedroht das Leben vieler Menschen und die Ökosysteme der Erde. Ernteausfälle aufgrund von Dürren oder Unwettern nehmen zu. Fast 200 Länder haben deswegen Klimaschutz in auf die globale Agenda für eine nachhaltige Entwicklung aufgenommen und sich im Klimaschutzabkommen von Paris darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C über dem vorindustriellem Niveau zu halten. Migration und Gerechtigkeit spielen beim Thema Klimawandel eine größere Rolle denn je.

Das Seminar zielt auf Interessent*innen ab, die aus unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft, Geographien und Lebensstadien stammen. Die Durchführung des Seminares ist daher absichtlich offen und interdisziplinär gestaltet. 

Das Seminar wird unter Vorbehalt angeboten, da die Dozent*innen erst im Mai 2021 eine sichere Zusage geben können.

Leitung: Lisa Thalheimer
Co-Leitung: Moritz Schwarz
Veranstaltungsort: Klosterhof St. Afra, Meißen

Zeitraum: 20. bis 24. September 2021
Dauer: 5 Tage

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