Sommeruniversität 2021 – A THEOLOGIE – RELIGION – KIRCHE

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Seminare:

 

A1/ Von acht bis unendlich: Vorstellungen von Unendlichkeit, Tod und ewigem Leben

Endlichkeit wird klassischerweise als conditio humana verstanden: Menschliches Leben ist begrenzt, zeitlich wie räumlich. Die Sterblichkeit des Menschen ist in Philosophie, Mythologie und Religion oft das, was ihn von den Göttern und anderen unsterblichen Wesen unterscheidet. Wenn der Tod als das Ende schlechthin gilt, ist dann demgegenüber die Hoffnung auf ewiges Leben gleichbedeutend mit dem Gedanken eines endlosen, unendlichen (Weiter-)Lebens? Bereits an solchen Fragen wird sichtbar, dass die einzelnen Begriffe einer inhaltlichen Klärung bedürfen. Was meinen wir mit »Endlichkeit« und »Unendlichkeit«, mit »Tod« und »(ewigem) Leben«? Leben und Tod sind allerdings immer auch das je eigene Leben und der je eigene Tod, zu denen wir uns verhalten müssen. Das Seminar beleuchtet das Themengebiet Unendlichkeit, Tod und ewiges Leben aus interdisziplinärer Per­spektive, wobei stets der Schwerpunkt auf Allgemeinverständlichkeit und Möglichkeit zur Diskussion liegt. Das Seminar startet mit einem historischen Überblick über die wichtigsten philosophischen Vorstellungen zu Endlichkeit und Unendlichkeit, von der griechischen Antike bis ins 20. Jahrhundert. Daneben werden auch die mathematischen Grundlagen des Unendlichkeitsbegriffs thematisiert. Der zweite Themenblock beschäftigt sich zunächst mit dem Tod aus medizinischer, rechtlicher und ethischer Perspektive: Wann sprechen wir vom biologischen Tod und ist er so einfach feststellbar? Anschließend werden biblisch-exegetische, anthropologische und christologische Themen­aspekte besprochen. Das führt zum dritten Themenblock, der sich mit Konzepten nach­todlicher Existenz beschäftigt – zunächst kultur- bzw. religionswissenschaftlich mit verschiedenen ostmortalitätsvorstellungen im Religions­vergleich. Danach gibt das Seminar die Möglichkeit, den gegenwärtigen theologischen ­Forschungsstand zum Thema zu diskutieren. Die Seminarliteratur wird in Form eines Readers zur Verfügung gestellt und von den Teilnehmenden vorher vorbereitet.

Leitung: Dr. Rasmus Nagel Co-Leitung: Dr. Patrick Ebert
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 9. August bis 13. August 2021
Dauer: 5 Tage

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A2/ Achtung vor Gott – Braucht Gott Achtung? Verbote der Gotteslästerung in liberalen Demokratien

Achtung und Anerkennung sind prominente Begriffe, mit denen wir derzeit unsere sozialen Lebens- und Kommunikationszusammenhänge auf ihre ethische Güte oder sagen wir besser: Angemessenheit hin befragen. Das gilt für Geschlechterfragen nicht minder wie für die Formen politischer Auseinandersetzungen, die zunehmend im Tonfall härter werden. Aber braucht oder bedarf auch Gott, so es ihn gibt, der Achtung? Und wenn ja, von wem? Und darf man, so man nicht an ihn glaubt, sich leichtfertig und ohne Konsequenzen über ihn lustig machen, ihn kritisieren?

In liberalen neuzeitlichen Demokratien scheinen solche Fragen obsolet geworden zu sein. Anders mag es dagegen in nicht liberaldemokratischen Gesellschaften sein. Gleichwohl gibt es hierzulande immer noch den Straftatbestand der „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ (§ 166 StGB). Doch steht hier eigentlich das unter Verbot, was aus der Sicht der Gläubigen (unterschiedlicher Konfessionen und monotheistischer Religionen) als Blasphemie zu gelten hat? Und macht eine solche modifizierte Form der Wahrung der Achtung vor religiösen Bekenntnissen in multikulturellen wie multireligiösen Gesellschaften überhaupt noch Sinn, zumal der Bevölkerungsanteil an Menschen ohne religiöse Bindung und Konfession weiter zunimmt? Muss man am Ende nicht vielmehr die freie Rede (von der Kunst ganz zu schweigen) vor zu engen Grenzen der Religions- und somit auch der Gottesachtung schützen? Diesen Fragen will das Seminarangebot im Rahmen der Sommeruniversität 2021 nachgehen, und zwar in interdisziplinärer wie interaktiver Weise.

Für das Seminar ist eine Kombination aus gemeinsamer Lektüre und Debatte, Arbeit an und mit medialen Formaten (z.B. in Kleingruppen oder in eigenen Präsentationen).  Ziel sollte u.a. sein, Klarheit darüber zu bekommen, was Achtung vor Gott eigentlich heißen könnte – auch im alltäglichen Umgang mit Menschen verschiedenen Glaubens und Nicht-Glaubens.

Leitung: Prof. Dr. Christian Polke
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 2. August bis 6. August 2021
Dauer: 5 Tage

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A3/ Aufeinander achten – Wie kann interreligiöser Dialog gelingen?

Interreligiöser Dialog wird immer mehr als ein wichtiger Faktor wahrgenommen, der Konflikte einhegen und zu einem gelungenen Miteinander auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene beitragen kann. Eine achtungsvolle Haltung gegenüber der anderen Religionsgemeinschaft wird dabei häufig als eine Mindestvo­raussetzung aufgeführt, die den inter­religiösen Dialog von anderen Formen des Zusammentreffens von Religionen abgrenzt. Was Achtung im interreligiösen Dialog konkret bedeutet, bleibt aber umstritten. Das liegt auch daran, dass interreligiöser Dialog ein Oberbegriff ist, hinter dem eine Vielzahl unterschiedlicher Formate und Praktiken mit teils sehr unterschiedlichen Grundannahmen und Ziel­­vorstellungen steht. In dem Seminar soll ein Überblick über die Grundlagen des interreligiösen Dialogs vermittelt und gemeinsam über die Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs reflektiert werden. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die gängige dreifache Einteilung von Haltungen gegenüber dem religiös anderen in Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus, insbesondere im Hinblick auf die Weichenstellung, die diese Positionen für den interreligiösen Dialog bedeuten. Die Diskussion darüber, was als gelungener Dialog gelten kann, wird theologische und gesellschaftspolitische Aspekte einbeziehen. Neben der Diskussion in der Gruppe soll das Seminar Möglichkeiten zur interreligiösen Begegnung bieten. Geplant ist eine Exkursion zu einer nicht christlichen Religionsgemeinschaft sowie der Austausch mit Personen, die sich in der Praxis des interreligiösen Dialogs engagieren. Darüber soll erarbeitet werden, was ein persönlicher Beitrag bzw. ein Beitrag des Evangelischen Studienwerks Villigst zu einem achtungsvollen Umgang mit anderen Glaubensgemeinschaften sein kann.

Leitung: Dr. Melanie Barbato
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 16. August bis 21. August 2021
Dauer: 6 Tage

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A4/ Mitten im Leben vom Tod umfangen. Sterben, Tod und Trauer in der Moderne

Der Tod umgibt uns. Er ist präsent in ethischen Debatten um Organspende und Sterbehilfe, und wir begegnen ihm in der medialen Berichterstattung, als literarisches Motiv und im Wissen um die eigene Endlichkeit. Der Tod ist die bedeutendste Schwellenerfahrung des menschlichen Lebens und wird dabei ganz unter­schiedlich erlebt: als Katastrophe, als friedliche Vollendung eines satten Lebens oder als Unbekanntes, das Furcht hervorruft. Der Soziologe Armin Nassehi spricht daher von einer »Geschwätzigkeit des Todes«, der – da er nicht unmittelbar beobachtet werden kann – paradoxerweise kontinuierlich kommuniziert werden muss. Dies geschieht unter anderem mittels einer Ökonomisierung, Verwissenschaftlichung, Medikalisierung, Juristifizierung, Individualisierung und Privatisierung von Sterben, Tod und Trauer. In einer modernen, funktional differenzierten Gesellschaft kann es demnach keine verbindlichen Todesbilder mehr geben.

Im Seminar sollen die Teilnehmenden die Gelegenheit bekommen, unterschiedliche Perspektiven auf den Themenkomplex kennenzulernen und so seine vielfältigen Aspekte zu sortieren. In einem ersten Schritt beschäftigen wir uns soziologisch mit den veränderten Bedingungen von Sterben, Tod und Trauer in der Moderne und diskutieren hierbei Phänomene wie die Institutionalisierung des Todes oder den Rückgang von Trauergebräuchen. Der nächste Schritt stellt die medizinische und psychologische Perspektive in den Mittelpunkt. Hierbei werden Fragen der medizinischen Begleitung von Sterbenden ebenso verhandelt wie der Prozess des Trauerns. Im letzten Schritt widmen wir uns der seelsorgerlichen Begleitung von Sterbenden und Trauernden und nehmen dabei Kontexte, Sprachformen und Rituale in der Trauerseelsorge in den Blick.

Methodisch stützt sich das Seminar auf vor­zubereitende Lektüre sowie auf die Bereitschaft der Teilnehmenden, gegebenenfalls kleine inhaltliche Impulse vorzubereiten. Denkbar sind zudem Diskussionen mit Palliativ­medizi­ner­*innen, Krankenhausseelsorger*innen oder Be­stat­ter*innen.

Leitung: Franziska Schade
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 16. August bis 21. August 2021
Dauer: 6 Tage

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