Sommeruniversität 2017 – A THEOLOGIE – RELIGION – KIRCHE

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Seminare: 

 

A 1 / Unter Strom und Gegen den Strom – Luthers Rechtfertigungsverständnis und das Leistungsprinzip in historischer, theologischer und aktueller Perspektive

Was kann der Mensch leisten? Was kann er lassen? Das Seminar zu Rechtfertigungslehre und Leistungsprinzip in Geschichte und Gegenwart nimmt seinen Ausgangspunkt bei der ambivalenten Gleichsetzung von Leistung = Aktivität und Passivität = Unwirksamkeit. Historisch kontextualisiert tritt das Leistungsprinzip unter dem Motto »Leistung statt Herkunft« positiv in den Fokus, insofern gerade dieses an der Schwelle zur Neuzeit eine Durchlässigkeit von gesellschaftlichen Standesgrenzen förderte. Die dadurch neu eröffneten Chancen, aber auch ihre Kehrseite sollen in ihren Auswirkungen auf eine Gesellschaft mit »Aufsteigermentalität« und einen Glauben mit »Leistungsprinzip« betrachtet werden. Daran anschließend wird Luthers theologische Bearbeitung des Leistungsprinzips in seiner Rechtfertigungslehre anhand zentraler Punkte diskutiert. In enger Verwobenheit von Theologie und Biografie findet die Rechtfertigungslehre eine anschauliche Darstellung in der Metapher der Gotteskindschaft als Gegenentwurf zum Leistungsprinzip, die sich Luther insbesondere in der Erfahrung eigener Vater- und Kindschaft als Erfahrungsraum von Freiheit und Gnade erschloss. Theologisch kontroverse Teile sind vor allem die Entstehung des Glaubens und die Frage nach den guten Werken. Der Ansatz dieses Seminars eröffnet gesellschaftlich-historische, ethisch-theologische und biografisch-psychologische Aspekte. Ziel ist es, die in einer Zeit besonderer Leistungsorientierung entstandenen Gedanken Martin Luthers, eingezeichnet in den Strom spätmittelalterlicher Tradition, ins Gespräch zu bringen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen, wie etwa der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, sowie mit Fragen der eigenen Biografie und Leistungsgestaltung unterschiedlicher Persönlichkeitstypen.

Leitung: Katharina Bärenfänger, Jonas Frank
Veranstaltungsort: Evangelische ­Akademie Meißen

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 18. September bis 22. September 2017

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A 2 / »Wie ein (nie) versiegender Bach« – Konturen einer Postwachstumstheologie und -kirche

»Décroissance« ist der treffende französische Terminus für Postwachstum, der auch die Rückkehr eines über die Ufer getretenen Stromes in sein Bett beschreibt. Eine Zunahme an Überschwemmungen ist, wie das absehbare Versiegen von Rohstoffquellen, nur eine von zahlreichen zerstörerischen Folgen einer Ideologie ungehinderten Wachstums, die auch von Kirchen schon länger kritisiert wird (bspw. ­Accra, 2004). Theologisch begründet wird diese Kritik meist über Gerechtigkeit, die »Option für die Armen« und die Schöpfungsverantwortung. Ist damit schon eine Postwachstumstheologie beschrieben?

Der Postwachstumstheoretiker Hartmut Rosa verweist darauf, dass wir kaum in der Lage sind, außerhalb einer Steigerungslogik zu denken, und dass Bewusstsein und Handeln teilweise weit auseinanderliegen – inwiefern gilt das auch für Kirchen und Theologie? Gehören diejenigen kirchlichen Akteurinnen, die Postwachstum fordern, gar zu den gesellschaftlichen Gruppen mit dem größten ökologischen Fußabdruck? Wie ist umzugehen mit der ­Hoffnung, ein bewussterer Lebensstil führe zu einem Mehr an Spiritualität?

Neben einer eher grundlegenden Diskussion von Postwachstum (Tag 1) beschäftigen wir uns auf theologischer Ebene ausgehend von Philipper 2 einerseits mit der Vorstellung der Kenosis Gottes – der Selbstentäußerung oder dem Verströmen (in trinitarischer Gestalt) – ­sowie der Demut als korrespondierende Haltung der Individuen in der christlichen Gemeinschaft (Tag 2). Ein Blick zurück und in die Ökumene fragt nach möglichen Inspirationen aus gelebtem Christentum in Geschichte und Gegenwart (Tag 3).
Auf kirchlich-praktischer Ebene sollen Verlautbarungen und Initiativen verschiedener Kirchen kritisch reflektiert werden, bspw.  die Initiative »anders wachsen« innerhalb der sächsischen Landeskirche (Tag 4). Tag 5 dient der Diskussion und Formulierung möglicher Denkanstöße für Theologie und Praxis.

Leitung: Matthias Stracke
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 28. August bis 1. September 2017

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