Sommeruniversität 2018 – A THEOLOGIE – RELIGION – KIRCHE

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Seminare: 

 

A 1 / »Siehe, ich mache alles neu« – Zur apokalyptischen Deutung fragiler Machtverhältnisse

Gewinnen Zeit- und Gesellschaftsdiagnosen, die an der Johannis-Offenbarung und anderen biblischen Apokalypsen geschult sind, unter Bedingungen einer »neuen Unübersichtlichkeit« (Habermas) an Bedeutung? Im Zentrum des Seminars stehen apokalyptische Deutungs­muster gesellschaftlicher und politischer Ordnung in modernen Gesellschaften, etwa neo­nationalisti­sche Visionen eines globalen »Völker­kampfes«, wie sie seit einigen Jahren verstärkt in den USA, aber auch in Europa, propagiert werden, aber auch die mitunter apokalyptische Sprache der Umweltbewegung. Ausgehend von einer (knappen) Auseinander­setzung mit den biblischen Referenztexten sollen zunächst die Eckpunkte apokalyptischer Deutung er­arbeitet werden. Einen wichtigen Ausgangspunkt dafür bilden die Überlegungen des Literatur­wissenschaftlers Klaus Vondung zur Kontinuität apokalyptischen Denkens in der jüngeren deutschen Kulturgeschichte. Daran anschließend werden wir ausgewählte Zeit- und Gesellschaftsdiagnose aus unter­schied­lichen regionalen und thematischen Kontexten auf ihre apokalyptische Bildsprache, Dramaturgie und Rhetorik befragen. Dazu gehören ausdrücklich auch filmische und literarische Verarbeitungen, etwa sogenannte »Endzeitfilme« wie »I am Legend« oder »The day after To­morrow«. Das Hauptaugenmerk liegt dabei jeweils auf Erscheinungsformen und Bedingungen gesellschaftlicher und politi­scher Fragilität und Ordnung.

Leitung: Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel
Co-Leitung: Dr. Anna Neumaier
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 4 Tage
Zeitraum: 27. August bis 31. August 2018

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A 2 / Bruchstelle im Ewigen – Ein Gott, der stirbt

Die Rede von Gottes Tod ist in christlicher Reli­gion und Theologie eine Grenzaussage. Die Wunder im Neuen Testament sind die Aufer­stehung Jesu Christi und die Menschwerdung Gottes. Schon während der Entstehung des biblischen Kanons beginnen jedoch spekulative Denkweisen, den christlichen Gottesgedanken in eigenständigem Wortlaut zu formulieren; sie versuchen, die völlige Hingabe Gottes an Menschen und Welt angemessen zu be­greifen. Damals und seither sind Denkformen aus­ge­bil­det worden, die die christliche Revolu­tion des Got­tesdenkens anders ausdrücken als die bi­blischen Texte und sie doch auf den Punkt brin­­gen. Dazu gehört auch die Rede vom Tod Gottes.

Drei methodologische Dimensionen des Themas sollen im Seminar Berücksichti­gung finden:

In Quellen aus der Christentumsgeschichte ver­binden sich mit der Rede vom Tod Gottes unter­­schiedliche Aussageintentionen, die sor­tiert werden sollten. Neben dieser philo­logisch-religionsgeschichtlichen Dimension gibt es Kon­texte zweiter Ordnung, die für die Ziel­setzung der Rede vom Tod Gottes bedeutsam sind, beispielsweise Diakonie oder politische Befreiung. Solche Praxen bringen so das Un­abgegoltene, noch immer Provozierende der Vorstellung von Gottes Tod zum Vor­schein. Man kann diese Dimension die diskurs­­theore­tische nennen. Die systematisch-theologische Dimension im engen Sinn erschließt sich durch den Vergleich von Grenzaussagen wie einer ›schwachen Macht‹ Gottes oder einer »Schwä­ch­ung Gottes«. Dabei wäre zu erwägen, wie sich die Wirklichkeit der göttlichen Selbst­hingabe formulieren lässt, während der metapho­rische Charakter allen Sprechens von Gott doch offensichtlich ist.

Das Seminar will sich dabei an folgendem Ablauf orientieren:

Mo: »O große Not […]«. Fragen nach der Fragestellung
Di: Kenosis // Macht der Kirche und Macht Gottes
Mi: Luther: Kreuzestheologie und Schöpfermacht
Do: Die Schwachheit Gottes als Offenbarung (Hamann) // Gottes Tod für die Vernunft (Hegel)
Fr: Gottes Tod in der Welt (Nietzsche) // ­Politisch-kulturelle Folgen des ›Todes Gottes‹
Sa: »[…] Gott selbst ist tot«. Aussichten einer Metapher

Zur Anregung und Vertiefung der Seminar­diskussion werden ein Reader erstellt und Handouts in den Seminarsitzungen verteilt.

Leitung: Prof. Dr. Christian Senkel
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 6 Tage
Zeitraum: 13. August bis 18. August 2018

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