Sommeruniversität 2020 – A THEOLOGIE – RELIGION – KIRCHE

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Seminare:

 

A1/ Doch nicht Nathans Ringparabel? Herausstellungsmerkmale der monotheistischen Weltreligionen

»Wir beten doch alle zum selben Gott«. So sagen viele, die den Dialog der Religionen führen und fördern wollen. Aber stimmt das? Sind Judentum, Christentum und Islam so ununterscheidbar wie die drei Ringe, die der Vater seinen Söhnen laut Nathans »Ringparabel« mit auf den Weg gibt? Und wird sich erst »on the long run« zeigen, welcher der echte Ring ist und ob es überhaupt einen echten Ring gab oder gibt? Wie wäre der Beweis für die Echtheit zu führen? Anhand der überlegenen Ethik und Moral – aber welche wäre die über­legene Ethik? Und ist es nicht problematisch, Religionen ethisch definieren zu wollen?

Im Seminar soll zunächst anhand von Texten Kants und Schleiermachers über das Wesen von Religion überhaupt nachgedacht werden. In einem zweiten Schritt sollen im Gespräch mit Vertreter*innen von Judentum, Christentum und Islam Charakteristika dieser drei Religionen herausgearbeitet werden. Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Eine Exkursion in eine Synagoge oder Moschee soll Bestandteil des Programms sein. Abschließend soll die Grundfrage der »Ringparabel« auf­gegriffen werden: die Frage nach der wahren Religion. Gibt es überhaupt eine wahre Reli­gion? Was wären Kriterien, um diese Frage zu entscheiden?

Im Hintergrund der Tagung steht die Einsicht, dass der Dialog der Kulturen und Religionen notwendig ist, um einen möglichen »Clash of Civilizations« (Samuel P. Huntington) zu vermeiden. Echte Dialoge können nur Partner*innen auf Augenhöhe führen. Das schließt gerade nicht ein, dass sie im Wesentlichen übereinstimmen müssten. Im Blick auf die Gottesfrage kann es unvermeidbar sein, mit unüberwind­baren Differenzen zu leben und im Diskurs bestenfalls zu einem Konsens über Konsense und Dissense zu gelangen. Aber vielleicht wäre auch das schon ein diskursiver Fortschritt.

Leitung: Dr. Eberhard Pausch
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 10. August bis 15. August 2020
Dauer: 6 Tage

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A2/ Patchwork Religiousity

Die Optionenvielfalt der Gegenwartsgesellschaft hat sich längst auch im religiösen Bereich niedergeschlagen. Die Gründe und Auswirkungen dieser Entwicklung stehen im Mittelpunkt des Seminars.

Nach einer Einführung in die wissenschaftliche Erforschung religiöser Pluralität möchte das Seminar die Teilnehmer*innen in eine aktive Mitarbeit einbeziehen. Gemeinsam mit dem Dozenten sollen die Orte, die Möglichkeiten und die an die »Patchwork-Religiosität« gerichteten Erwartungen erkundet werden. Dazu wird in den einzelnen Seminarsitzungen ein interdisziplinärer Methodenmix aus Textlektüre, Film- und Fotoanalyse sowie Datenrecherche zum Einsatz kommen. Das Rahmenprogramm sieht u. a. eine Exkursion in die »City-Kirche« Dortmund vor, zur Abwechslung gibt es zudem einen Diskussionsnachmittag über »Spiritual Care«, der in Zusammenarbeit mit der Theologin Lea Chilian gestaltet wird.

Das 5-tägige Seminar soll die Teilnehmer*innen in die Lage versetzen, die betrachteten Entwicklungen in ihren gesellschaftlichen und kirchlich-theologischen Konsequenzen zu reflektieren: Wie verändert das »Patchworking« die Religiosität der Menschen, wie verändert es die religiösen Institutionen? Wie ändern sich die Zeiten und Orte des Religiösen? Am Schluss der Veranstaltung steht der Ausblick in die religiöse Zukunft, die Frage nach dem Zusammenhang von »Patchwork-Religiosität« und Reli­gionstourismus und nicht zuletzt die Frage, ob wir uns auf einen religiösen Markt zube­wegen, der ein permanentes religiöses Wählen zur gesellschaftlichen Normalität macht.

Leitung: Dr. Markus Hero
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 3. August bis 7. August 2020
Dauer: 5 Tage

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A3/ Deus et patria

Die Idee einer weltoffenen Kirche scheint heute vielen selbstverständlich. Doch ob Herrscher*in von Gottes Gnaden, kriegsbegeisterte Protes­tant*innen am Morgen des Ersten Weltkriegs, Deutsche Christ*innen oder die über etliche Kultur- und Religionskreise gestreute Idee eines peuple élu: Das Verhältnis von Volk und Glaube ist vielgestaltig, variiert zwischen unversöhnlich und symbiotisch.

In diesem Seminar wollen wir uns anschauen, wie die Idee des Nationalstaates überhaupt entstanden ist und wie sich das Verhältnis zwischen Nation und Christentum in Europa einerseits und in den USA (»City Upon A Hill«) andererseits (aus-)gestaltet hat. In den USA gibt es bedeutende, aber heftig umstrittene theologische Stimmen, die christlichen Glauben und Nationalismus für unvereinbar halten. Der Jugoslawien-Krieg ist für Europa ein noch recht aktuelles Beispiel dafür, wie »ethnisierte Reli­gion« Nationalismus und Krieg anfachen kann.

Europäischer und US-Nationalismus sind von den Ideologien des Rassismus sowie der Praxis des Kolonialismus nicht zu trennen. Wir befassen uns mit den Auswirkungen der »Berliner Konferenz« von 1884 / 1885 und beschäftigen uns mit dem bislang in Deutschland noch unzureichend erforschten Verhältnis von christlicher Mission und Kolonialismus. Am Beispiel Ruandas – »Deutsch-Ostafrika« – zeichnen wir nach, welche neuen Identitäten eine kolonial-rassistische Hermeneutik biblischer Narrative schuf und welche nachhaltigen Wirkungen dies sogar bis zum Genozid im Jahre 2004 zeitigte.

Die gleichen biblischen Geschichten – allerdings mit einer etwas anderen Hermeneutik – bildeten in den USA das ideologische Fundament für die Versklavung von Menschen aus Afrika und bis heute die Vorstellung weißer Suprematie. Zugleich gelang es aber nicht zuletzt den Betroffenen, mit ihrer eigenen Lesart und religiösen Praxis ein christliches Selbstverständnis für sich zu finden, das Ressource für Widerstand und Lebenskraft ist.

Leitung: Natascha Gillenberg
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 10. August bis 15. August 2020
Dauer: 6 Tage 

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