Monatsspruch Oktober

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend - gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! (Tobit 4,8)

Ein im evangelischen Raum selten benutztes biblisches Buch stellt den Monatsspruch für den Oktober: das Buch Tobit. Es gehört zu den sog. „verborgenen Büchern“, den Apokryphen der Lutherbibel.

„‘Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.‘ Mit diesen Worten kennzeichnete Martin Luther eine Reihe von Schriften, die im Inhaltsverzeichnis seiner Bibel zwar genannt, aber in einen eigenen Abschnitt zwischen Altem und Neuem Testament eingeordnet werden. Sie sind in der griechischen und lateinischen Übersetzung der Bibel enthalten, gehören aber nicht zu den Schriften der Hebräischen Bibel. Deshalb werden sie von den reformatorischen Kirchen nicht als biblisch im Vollsinn anerkannt...“, sagt die Einführung zu den Apokryphen in der Lutherbibel 2017.

Das Buch Tobit erzählt von seinem frommen, aber erblindeten Titelhelden, dessen Frau Hanna und ihrem Sohn Tobias in Ninive in Assyrien, dem heutigen Mossul, von den Abenteuern des Letzteren auf seinen Reisen mit dem unerkannten (Erz-)Engel Rafael an seiner Seite („O Herr er will mich fressen“)  und seiner späteren - von einem bösen Geist besessenen - Frau Sara, der Tochter Raguels und Ednas aus Ekbatana in Medien. Zum Schluss gibt es ein Happy End: Sara und Tobit werden geheilt, Sara und Tobias heiraten und es gelingt Tobias das Vermögen seines Vaters heimzuholen.

Immer wieder wird im Buch Tobit das Halten der Gebote Gottes eingeschärft, besonders das Almosengeben, die Barmherzigkeit, die Hilfe für Andere. Bevor Tobias zu seiner gefahrvollen Reise aufbricht, gibt ihm sein Vater Ratschläge fürs Leben - sein Vermächtnis in Kapitel 4 des Buches, aus dem unser Monatsspruch stammt.

Der erklärt sich quasi von selbst, dazu muss ich nichts sagen. Aber ich möchte Ihnen und euch eine Weiterführung nicht vorenthalten, die in einem jüdischen Witz enthalten ist (Jüdische Witze, Ausgewählt und eingeleitet von Salcia Landmann, München 1963, S.258):

Einer kommt zum Rebbe:

„Rebbe, es ist entsetzlich. Kommst du zu einem Armen – er ist freundlich, er hilft, wenn er kann. Kommst du zu einem Reichen – er sieht dich nicht einmal! Was ist das nur mit dem Geld!“

Da sagt der Rebbe: „Tritt ans Fenster! Was siehst du?“

„Ich sehe eine Frau mit einem Kind an der Hand. Ich sehe einen Wagen, er fährt zum Markt.“

„Gut. Und jetzt tritt hier zum Spiegel. Was siehst du?“

Nu, Rebbe, was werd´ ich sehen? Nebbich mich selber.“

Darauf der Rebbe: „Siehst du, so ist es. Das Fenster ist aus Glas gemacht, und der Spiegel ist aus Glas gemacht. Kaum legst du ein bißchen Silber hinter die Oberfläche – schon siehst du nur noch dich selber!“

Und wer Lust auf Tobit bekommen hat - es ist „nützlich und gut zu lesen“.

Ihr/Euer Wolfram Gauhl

 

 

 

 

 

 

 



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