Siebte Woche

Impulse zur Fastenzeit

Mitarbeitende der Geschäftsstelle sowie aktuelle und ehemalige Stipendiat*innen veröffentlichen hier wöchentlich Gedanken zur Fastenzeit - nach den biblischen Wochentexten der Aktion „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus" der evangelischen Kirche 2020. Wir weisen auch auf die Fastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2020 hin.

7. Brief an die Gemeinde in Rom, Kapitel 8, 24-28

Von der Stipendiatin Florence Häneke

Brief an die Gemeinde in Rom, Kapitel 8, 24-28 (Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache):
Weil wir hoffen, sind wir gerettet.
Was wir sehen, macht keine Hoffnung. Denn wie können wir hoffen, angesichts dessen, was wir sehen?
Wenn wir auf etwas hoffen, das wir nicht sehen können, so hilft uns widerständige Geduld, darauf zu warten.
In unserer Ohnmacht steht uns die Geistkraft bei, wenn wir keine Kraft mehr haben, so zu beten, wie es nötig wäre. Die Geistkraft selbst tritt für uns ein mit wortlosem Schreien.
Gott kennt unsere Herzensanliegen und versteht, wofür die Geistkraft sich einsetzt, weil sie im Sinne Gottes für die heiligen Geschwister eintritt.
Alles wirkt zum Guten zusammen für die, die Gott lieben, weil Gott entschieden hat, sie zu rufen.
Das wissen wir.

 


Was für ein Text! Das denke ich jedes Mal, wenn ich diese Stelle im Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom lese. Aber jetzt hier und heute und in dieser Zeit erneut. Was für ein Text.
„Was wir sehen, macht keine Hoffnung. Denn wie können wir hoffen, angesichts dessen, was wir sehen?“ Ja, wie grausam treffend gerade. Paulus schreibt zwei Verse vor dieser Stelle, dass die ganze Schöpfung mit uns zusammen nach Erlösung schreit - aus tiefstem Inneren schreien da alle. Die Lage der Welt, das Sterben an allen Orten und die Verzweiflung und Angst – die lässt nur schreien, aber sichtbar keine Hoffnung zu. Immer wieder kommt Hilfe, aber viel zu wenig, zu spät, zu dürftig. Pessimismus scheint angebracht. Hoffnung können da eigentlich nur unverbesserliche Optimist*innen, Realitätsleugnende oder echte Zyniker*innen haben.
Aber, so behauptet Paulus, hoffen können auch die, deren Hoffnung auf einen anderen Grund gebaut ist, als die sinnliche Wahrnehmung der Welt. Nämlich auf den Namen Gottes.
Unsere Hilfe steht im Namen Gottes, die Himmel und Erde gemacht hat. Die ihre Schöpfung liebt.
Unsere Hilfe steht bei der Geistkraft, die für uns eintritt, mit entsetzt offener Fratze, mit wortlosem Schreien.
Unsere Hilfe ist lebendig im Sohn, der uns gerettet hat, indem er den Mächten der Welt nicht das letzte Wort gelassen hat und Raum für Hoffnung eröffnet hat.
Ihr seid schon gerettet – auf die Hoffnung – auf diese Hilfe hin. Auf die Zukunft hin, aber bereits geschehen. Mehr Zusage geht nicht.
Und weil wir auf die Hoffnung hin gerettet sind, sehe ich darin auch unseren eigenen Anteil. Wir sind Teil der Hoffnung. Jede*r einzelne. Das merken im Moment auch viele. Es braucht alle. Wir können die Geistkraft jetzt auch nicht alleine mit dem Schreien lassen, wir müssen selber mit machen. Keine alleinige Jenseitshoffnung höre ich da. Sondern den Zuspruch: weil ihr wisst, irgendwann wird es Gut – ehrlich Gut – könnt ihr weiter hoffen. Allem, was ihr seht zum Trotz. Und in dieser Hoffnung handeln. Allem, was ihr fühlt zum Trotz. Nicht utopisch – sondern im Wissen um die Erfüllung dieses Ortes. Allem, was ihr hört zum Trotz. Lasst euch nicht einreden, dass es doch nichts bringt. Voller Kraft und voller Geduld. Widerständiger Geduld nämlich. Nicht ertragender, sich abfindender Geduld. Widerständig ist sie vielleicht, weil sie nicht klein bei gibt, nicht passiv ist, sondern darauf setzt, dass die Geistkraft mitmacht. Wenn uns die Worte fehlen. Fürsprache der Geistkraft bei Gott. Wenn uns die Kraft fehlt. Wenn wir nicht einmal mehr schreien können. Unbedingt und unabdingbar auf Seite der Menschen. Kein Zaudern. Kein Abwägen.
Die Geistkraft klagt bei Gott. Durch sie kennt Gott uns und ist uns nah. Durch Jesus sagt Gott uns die Rettung zu. Trinität in Action. Alles wirkt zusammen zum Guten.
Das wissen wir. Wir wollen ja doch vertrauen.
„Denn ich verlasse mich darauf: Weder Tod noch Leben, weder himmlische noch staatliche Mächte, weder die gegenwärtige Zeit noch das, was auf uns zukommt, weder Gewalten der Höhe noch
Fastenimpuls für die Aktion „7 Wochen ohne Pessimismus“ im Studienwerk
Gewalten der Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf können uns von der Liebe Gottes trennen, die im Messias Jesus lebendig ist, dem wir gehören.“
Röm 8, 38-39

 



... zurück zur Übersicht

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.