Fünfte Woche

Impulse zur Fastenzeit

Mitarbeitende der Geschäftsstelle sowie aktuelle und ehemalige Stipendiat*innen veröffentlichen hier wöchentlich Gedanken zur Fastenzeit - nach den biblischen Wochentexten der Aktion „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden" der evangelischen Kirche 2021.

Woche 5: Geht doch! (Genesis 13,1–11)

Von Friederike Faß, Leiterin des Studienwerks

Abram und Lot trennen sich

1 So zog Abram herauf aus Ägypten mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, und Lot mit ihm ins Südland. 2 Abram aber war sehr reich an Vieh, Silber und Gold. 3 Und er zog immer weiter vom Südland bis nach Bethel, an die Stätte, wo zuerst sein Zelt war, zwischen Bethel und Ai, 4 eben an den Ort, wo er früher den Altar errichtet hatte. Dort rief er den Namen des HERRN an. 5 Lot aber, der mit Abram zog, hatte auch Schafe und Rinder und Zelte. 6 Und das Land konnte es nicht ertragen, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß und sie konnten nicht beieinander wohnen. 7 Und es war immer Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Es wohnten auch zu der Zeit die Kanaaniter und Perisiter im Lande. 8 Da sprach Abram zu Lot: Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. 9 Steht dir nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken. 10 Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Gegend am Jordan, dass sie wasserreich war. Denn bevor der HERR Sodom und Gomorra vernichtete, war sie bis nach Zoar hin wie der Garten des HERRN, gleichwie Ägyptenland. 11 Da erwählte sich Lot die ganze Gegend am Jordan und zog nach Osten. Also trennte sich ein Bruder von dem andern.

 

Da ist eine Großfamilie unterwegs. Mit vielen Menschen und viel Vieh. Für das Land, auf dem sie leben, ist das überfordernd. Der Boden wirft einfach nicht genug ab, es kommt zu Streit zwischen den Viehhirten, die um das Wohl ihrer je eigenen Herden und bestimmt auch Familien besorgt sind. Verständlich, oder?

Ich bin natürlich noch nie mit meiner auch recht großen Familie und reichlich Vieh (das ich durchaus auch habe 😉) durch die Gegend gezogen, aber trotzdem kommt mir die Situation bekannt vor:

Nach einem langen gemeinsamen Weg kommt es auf einmal zu Reibereien. Nichts passt mehr, nichts mehr fügt sich nahtlos ineinander, obwohl doch davor alles so gut schien. Manchmal ist das leider so, nicht jeder Weg mit jeder Person verläuft immer friedlich und im guten Miteinander. An sich mag ich solche Situationen nicht. Ich habe ein großes Harmoniebedürfnis, versuche Dinge anzusprechen und zu klären, versuche, eine gemeinsame Lösung zu finden. Wenn wir einander nur zuhören, dann finden wir doch bestimmt eine Lösung miteinander – so habe ich es am liebsten.

Das stimmt zwar häufig, aber eben nicht immer. Es gibt Situationen, da geht nichts mehr miteinander. Alles wirkt festgefahren. Es gibt Situationen, da ist das weitere Miteinander Krampf, ja sogar schädlich für Leib und Seele.

In einer solchen Situation scheinen Abram und Lot zu stecken. Es gibt einfach keine gemeinsame Lösung. Alles weitere Gemeinsame würde zu noch mehr Zwietracht, noch mehr Streit und Leid führten, letztendlich würden wahrscheinlich sogar Tiere verhungern. Abram blickt sehr sachlich auf diese Situation. Er analysiert das Problem und stellt fest: wir müssen uns trennen – das ist die einzige Lösung. Abram guckt zwar sehr sachlich auf das Problem, zugleich aber auch voller Zuneigung für Lot und dessen Familie. Er sucht nach einer guten Lösung. „Zwischen mir und dir soll es keinen Streit geben, auch nicht zwischen unseren Hirten. Wir sind doch miteinander verwandt.“

Manchmal ist eine Trennung die Lösung.

„Geht doch“ fordert Abram seinen Neffen auf. Geht doch, zusammen klappt es nicht. Geht doch! heißt auch unsere 5. Fastenwoche. Ich höre dieses Geht doch! auf unterschiedliche Arten.

Natürlich ist es einerseits die Aufforderung, einen Streit auch mal über Distanz zu klären. Aber es ist auch ein ganz wichtiger Hinweis. Es geht doch! Es muss nicht zu unerbittlichem Streit kommen. Es muss kein Streit zwischen Menschen sein, weder direkt, noch über Stellvertreter*innen. Geht doch. Es gibt eine Lösung für das Problem. Bei Abram und Lot liegt die Lösung außerhalb der sonst üblichen Harmonie, aber es ist eine sehr gute Lösung, denn sie beinhaltet Achtung und Wertschätzung gegenüber dem anderen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Eine Lösung mit Achtung und Wertschätzung – und das bei Streit. Das ist die Kunst. Das ist das, was zählt. Das nehme ich mit in diese 5. Fastenwoche. Ich will die Spielräume ausnutzen, will Blockaden überwinden. Es geht doch! Ich will lernen, hinzusehen und Wege zu finden, wenn es verfahren wirkt. Das geht mit klarem analytischem Blick und Liebe im Herzen – so wie bei Abram. Das geht, wenn uns an einer Lösung miteinander und nicht am Siegen liegt. Das will ich lernen.

 

 

 



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