Vierte Woche

Impulse zur Fastenzeit

Mitarbeitende der Geschäftsstelle sowie aktuelle und ehemalige Stipendiat*innen veröffentlichen hier wöchentlich Gedanken zur Fastenzeit – nach den biblischen Wochentexten der Aktion „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus" der evangelischen Kirche 2020. Wir weisen auch auf die Fastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2020 hin.

4. Ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis (Hiob 30, 24-31)

Von Studienleiter Dr. Marcus Nicolini

Ich erinnere mich noch, dass ich eines Tages während des Studiums in einer Kapelle unter dem Kreuz stand, stumm hinaufblickend, innerlich aufgewühlt. Das Gefühl: Warum hast Du mich verlassen? Begonnen hatten die Angstgefühle rund ein Jahr nach einer schweren Erkrankung. 30 Jahre ist das nun her. Wer die lähmende Schwärze kennt, morgens das Tagwerk zu beginnen und den Fuß aus dem Bett zu setzen, ahnt, wie die Seele leiden kann.

Das scheinbar unbegründete Leiden kennen wir aus der Bibel. Bei Hiob aus dem Land Uz sind es die „Hiobsbotschaften“ zu geballtem Unglück und die grässlichen körperlichen Plagen, die Satan mit Gottes Erlaubnis – um Hiobs Gottesfurcht auf die Probe zu stellen – über Hiob kommen lässt: Maden, Schorf und Eiter überziehen seinen Körper. Hiob, den die Bibel als fromm, rechtschaffen und gottesfürchtig schildert, gipfelnd im „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2, 10), fühlt sich von Gott unschuldig und grundlos geschlagen. In drastischen Worten umschreibt der alttestamentliche Autor das geballte Leiden des Hiob, der sich zerschmettert und mutlos fühlt: Im mir kocht es, mich haben die Tage des Elends überfallen, ich schreie in der Gemeinde und meine Musik ist zur Klage und zum Trauerlied geworden. Ich wartete auf das Gute und es kam das Böse (nach Hiob 30, 24-31). Hiob verflucht sein Leben und klagt laut vor Gott.

Was – oder wer – kann da helfen? Hiob erkennt nach einer großen Rede Gottes an, dass Gott alles vermag und er, Hiob, sich vor ihm nur in Staub und Asche niederwerfen kann. Und dass er die Selbstrechtfertigung vor Gott und seinen Freunden aufgeben und vor Gott für Fragen offen sein muss. Daraufhin wendet der Herr das Geschick Hiobs. Hier wird in wenigen Worten eine psychische, seelische Entwicklung skizziert, die oft erst im Nachhinein erkennbar wird, wenn man durch den finsteren Tunnel des Leidens hindurch ist: Es ist wichtig, sich für Zusammenhänge im eigenen Leben, in Familie und Berufsleben zu öffnen, Schritte auf dem Weg zur Erkenntnis von Prägungen, familiären Verstrickungen und Gedanken zu gehen, die unser Leben prägen. Sich zu öffnen für einen anderen höheren Sinn.

Ob durch Analyse, Verhaltenstherapie, systemische Familienaufstellung, Seelsorge oder anderes: die Wege zum Abtragen belastender Schichten um die Seele, wie beim Häuten einer Zwiebel, sind vielfältig. Bei der harten Arbeit der Erkenntnis psychisch-seelischer Prozesse gilt es mit Geduld auch dann dranzubleiben, wenn sich der Erfolg nicht sofort einzustellen scheint. Es gibt keinen Grund für Hoffnungslosigkeit! Wir dürfen die Gewissheit haben, dass Gott und der Mann am Kreuz den Weg mitgehen. Und hin und wieder durch Begegnungen, Buchempfehlungen oder Träume behutsam Weichenstellungen auf unserem Weg ermöglichen.

 

 



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