Dritte Woche

Impulse zur Fastenzeit

Mitarbeitende der Geschäftsstelle sowie aktuelle und ehemalige Stipendiat*innen veröffentlichen hier wöchentlich Gedanken zur Fastenzeit - nach den biblischen Wochentexten der Aktion „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus" der evangelischen Kirche 2020. Wir weisen auch auf die Fastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2020 hin.

3. Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? (Gen 18,14)

Von der Stipendiatin Lara Linderich

Dieser Bibelvers aus Genesis 18,14 hat mich an mein kleines, weißes Holzklötzchen mit der braunen Aufschrift „Gott kann.“ erinnert, welches ich zu meinem 20. Geburtstag geschenkt bekommen habe und das seither mein Zimmer dekoriert. Gott kann. Er kann es entweder machen oder auch nicht, aber ihm ist nichts unmöglich. Ist das nicht eine geniale Antwort auf die rhetorische Frage, die Gott Abraham auf Saras Lachen stellt?

 

Gott hat Abraham verheißen, dass seine Nachkommen so unzählbar wie der Sternenhimmel sein werden (vgl. Genesis 15,5). Sara, seine Ehefrau ist ungefähr 90 Jahre alt und mit ihrem Mann Abraham kinderlos. Die beiden blicken auf ein bewegtes Leben zurück. Zusammen mit ihrem Neffen Lot und den Angestellten verließen sie damals, als Abraham bereits 75 Jahre alt war, die Heimatstadt Haran und zogen in das Land Kanaan, das sie zeitweise aufgrund einer Hungersnot wiederum verlassen mussten und Schutz in Ägypten fanden. So meinen die beiden nun ihre letzten Tage friedlich und ruhig in Kanaan verbringen zu können. Doch da ist ja noch die Frage nach der unerfüllten Verheißung. Alle, die die Geschichte kennen, wissen, dass die Kinderlosigkeit für Abraham und Sara ein wichtiges Thema ist, das sie nicht loslässt. Weil sie nicht mehr daran glauben, dass Sara ein Kind gebären kann, muss die ägyptische Sklavin Hagar aushelfen. Dass sich mit der Geburt Ismaels viele Probleme ergeben, ist im Buch Genesis nachzulesen. Doch Gott erinnert sich an seine Verheißung und kündigt Abraham einen Sohn an. Sara belauscht das Gespräch, ein sehr menschliches Verhalten, und muss aus Unglauben und Verzweiflung lachen. Da sagt der Herr, der Saras Gedanken erfährt, zu Abraham: „Warum hat Sara gelacht? Warum zweifelt sie daran, dass sie noch ein Kind gebären wird. Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Nächstes Jahr um die verabredete Zeit komme ich wieder, dann hat Sara einen Sohn.“

Sara glaubt nicht mehr an Gottes Plan, den sie als den ihren angenommen hat. Sie hat aufgegeben und ihre Erwartungen beerdigt. Lösungen aus menschlicher Perspektive scheinen in dieser Situation aussichtslos. Deswegen muss sie sich mit der Situation zufriedengeben oder denkt, lernen zu müssen, sich damit abzufinden. Doch Gott ist allmächtig. Das wird mehrfach in der Bibel betont. Einer der bekanntesten Verse ist wohl der aus der Offenbarung 1,8: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“ Er hat seine Schöpfung in der Hand und wirkt darin, jeden Tag auch in Sara, in Dir und mir. Nur eben nach seinem Plan.

Das Motto der diesjährigen Fastenaktion „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“. setzt Vertrauen voraus. Vertrauen in Gott und ein Ja zu Gott, das hilft, in schwierigen Situationen nicht zu verzweifeln und zum*zur Pessimist*in zu werden, sondern festzuhalten an Gottes Wunder. Klar, Gott verspricht uns nichts. Er ist kein Wunschkasten und Gebete sind keine schier endlose Aneinanderreihung von Wunschzetteln. Mit unserem menschlichen Blick glauben wir oft nicht mehr an den positiven Ausgang oder die Wende in unserem Leben. Beim Blick in die Nachrichten oder auch manche Tage im eigenen Leben, ist es wohl kein Wunder, wenn wir zum*zur Pessimist*in zu werden.

Aber habe ich eigentlich heute schon daran gedacht, wie viele Privilegien ich habe, das größte wohl, dass ich Gott in meiner Mitte habe, der jedes Leid mit mir teilt und uns als seine Kinder annimmt und uns jede Schuld vergibt? Jede/r kennt sie, diese Tage, an denen nichts funktionieren zu scheint. Da kommen wir schnell ins Meckern und sehen nur noch schwarz.

Doch was hilft es pessimistisch zu sein? Gott kann.

Vielleicht wollen wir uns diese Woche ganz bewusst immer wieder vor Augen führen, dass Gott kann, uns gegenseitig ermutigen lassen und Menschen Mut machen, die die Schönheit dieser Welt nicht mehr sehen. Wir dürfen zuversichtlich sein, dass Gott auch einen Plan für uns, für dein Leben und für mein Leben hat, so wie er einen für Sara und Abraham hatte. Und der war zwar nicht gerade und eben und frei von Staub und Stolpersteinen, aber die beiden können trotz aller Schwierigkeiten auf ein zufriedenes, erfülltes Leben zurückblicken.

Gott kann.

Amen.

 



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