Erste Woche

Impulse zur Fastenzeit

Üben! Neues ausprobieren. Manchmal gelingt nicht alles sofort, aber es ist gut, sich auf den Weg zu machen! Üben ist Bewegung. An jedem Tag, in jeder Situation. Und „7 Wochen Ohne“ ist als Fastenaktion 2022 das Trainingslager dafür.

Mehr Informationen zur Fastenzeit stehen auch unter: https://7wochenohne.evangelisch.de/
Zusätzlich möchten wir auch auf die Möglichkeiten zum Klimafasten hinweisen: https://klimafasten.de/

Hier veröffentlichen Mitarbeitende der Geschäftsstelle sowie aktuelle und ehemalige Stipendiat*innen wöchentlich Gedanken zur Fastenzeit: 

Woche 1: Mein Ziel (Jesaja 2,1-5)

Februar 2022: Eine lange Zeit, mittlerweile muss man ja schon sagen Jahre, der Pandemie liegen hinter uns und ich glaube, ich spreche im Namen aller, dass wir den Regelungen, Einschränkungen, dem Leid, der Angst und der Ungewissheit überdrüssig geworden sind. In solchen Zeiten fällt es manchmal schwer, positiv zu bleiben, sich die Lebensfreude nicht nehmen zu lassen und mit Vorfreude in die Zukunft zu blicken. Ja, es scheint geradezu unmöglich, Pläne zu schmieden und Ziele abzustecken, wenn so viel ungewiss erscheint. Und doch ist es gerade das, was in scheinbar aussichtslosen und unüberschaubaren Situationen weiterhelfen kann: Ziele vor Augen haben.

Fastenimpuls von Lea Pfahler, Stipendiatin im Ev. Studienwerk

Es muss nicht gleich ein ganz großes Ziel sein, ein 10 Jahresplan oder eine Lebensvision. Es reichen auch schon ganz kleine Ziele, was ich dieses Jahr, dieses Semester, diesen Monat, diese Woche oder auch diesen Tag erreichen möchte. Denn wenn ich ein Ziel habe, dann habe ich eine Motivation, dann setze ich etwas in Gang, dann kann ich mich auf und über etwas freuen. Dann kann ich mich auf den Weg machen: Man muss nicht gleich auf dem Gipfel des Berges stehen, ja manchmal erkennt man ihn noch gar nicht, da er noch in Wolken der Unsicherheit verhüllt ist, aber wir können uns auf den Weg machen: Schritt für Schritt in Richtung des Zieles, vielleicht auch des Etappenzieles, das wir uns gesetzt haben. Dann komme ich meinen großen Zielen, meinen großen Träumen im Leben immer näher.


Denn sich Ziele zu setzen hat gewissermaßen auch etwas mit Träumen zu tun: Träumen von einer besseren, einer schönen, einer guten Zukunft. Einer Zukunft, auf die man sich freuen kann. Einer Zukunft, die motiviert, einer Zukunft, die Ansporn gibt, unschöne oder herausfordernde Situationen auszuhalten. Einer Zukunft, die heilt und das Vergangene als notwendige Etappe anerkennen kann. Einer Zukunft, die versöhnt, mit dem was war und was noch kommen wird.


So wie Jesaja sein Volk zum Träumen animiert, von einer Zukunft, in der das Haus des Herren ein festes, unverrückbares Fundament hat und alle Völker um sich schart. Eine Zukunft, in der alle Weisung von Gott ausgeht und die Menschen dazu bringt, aufzuwachen und Gottes Wegen zu folgen. Eine Zukunft, die Frieden unter allen Völkern verspricht und die Kriegsführung aus den Köpfen der Menschen ein für alle Mal verbannt.
Das ist ein schönes Ziel, eines für das es sich lohnt, Zeiten der Entbehrung auszuhalten. Denn das ist ein weiteres Element, dass Ziele mit sich bringen: Sie machen das Leben lohnenswert, sie geben dem Leben mit allem, was es enthält einen Sinn. Sie machen das Leben bedeutungsvoll, wenn alles gleichgültig erscheint und ordnen, wo alles durcheinander fällt. Und vor allem bringen sie Bewegung, wenn alles stagniert. Denn Ziele zu haben, heißt auch Hoffnung zu haben. Egal, ob man sie nun erreicht oder nicht, aber die Hoffnung auf etwas, kann beflügeln.


Ziele zu haben, heißt eben nicht, diese unbedingt erreichen zu müssen. Nein, ich würde sagen, es ist sogar eine Gefahr, wenn man zu sehr an Zielen festhält. Wenn man blindlings in eine Richtung steuert ohne die Feinheiten und fruchtbaren Umwege des Lebens wahrzunehmen. Wenn man das Loslassen vergisst und den Fluss des Lebens aufhalten will, weil man dann sein Ziel nicht erreicht. Wenn man sich selbst verliert, weil man sich nur über seine Ziele definiert. Wenn man vergisst, das Hier und Jetzt zu leben, weil man nur in der Zukunft lebt, in der man dann endlich sein Ziel erreicht haben wird. Und dann wenn man es erreicht hat, gleich ein neues braucht, weil man sich nur durch Leistung und Ziel“abarbeitung“ definiert. Dann wird das Leben krampfhaft und das Ziel zum Gefängnis. Dann ist man gefangen im Kontrollzwang und abhängig von seinen Zielen. Dann wird der Traum des Zieles schnell zum Albtraum des Versagens.


Das muss nicht sein, wenn man die spielerischen, kindlichen Elemente des Träumens und Visionenhabens in seinen Zielen beibehält. Denn Träume kann man nach Bedarf umschreiben, sie neu gestalten. Sie sind nicht in Stein gemeißelt und können sich an jeder Weggabelung ändern. Und das ist die Kunst: Ziele haben, damit man Wege geht und überhaupt erst an Weggabelungen kommt, dann aber so frei und offen bleiben, dass man sich auch traut, eventuell neue Wege oder Umwege zu gehen.


Träume und Visionen flüstern einem das zu, was man wirklich will, sie erzählen von den Zielen, die aus dem eigenen Herzen kommen und einen frei und nicht abhängig von außen machen. Träume und Visionen sind eigene Schöpfungsprodukte. Und genau darum geht es: Zum Schöpfer seines eigenen Lebens zu werden, indem man sich fragt, was man wirklich will, was es einem wirklich wert ist, weiterzuverfolgen. Und dann loszugehen und die Welt mitzugestalten.


Um aus dem Ozean des Chaos herauszufinden, brauchen wir eine Richtung, die wir einschlagen können und da helfen uns Ziele, die wir ansteuern können. Wir können die Richtung jederzeit wieder ändern, das sollten wir nie vergessen, aber unsere Träume geben uns den nötigen Antrieb, um überhaupt mal loszufahren.


Darum lasst uns aufbrechen in eine friedvolle Zukunft, so wie es Jesaja verspricht. Mit dem Mut zu Träumen und der Frage im Herzen, welcher Traum zum Ziel und dann zur Realität werden soll?



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