Dritte Woche

»Augenblick mal! Sieben Wochen Ohne Sofort«
Ein Impuls von Michaela Bans


Ab in den Sand

Was hältst Du davon? Sag schon! Nimm Stellung! Eine Antwort! Sofort!

Solche Stimmen kenne ich. Von außen, wenn andere meine Meinung einfordern. Und noch öfter von innen, wenn ich meine, jetzt und sofort auf dem Punkt sagen zu müssen, was ich für richtig halte. Als wenn man das immer so direkt sagen könnte.

Wir gewöhnen uns an eine immer schneller werdende Kommunikation. Zum Glück müssen wir keinen Kurier mehr zu Pferde losschicken, um Nachrichten zu übermitteln. Wir können mit wenigen Klicks »mal eben« und am besten sofort antworten. Aber ist das wirklich immer das Beste? Das Leben der anderen kommentieren, auf Hasskommentare antworten, anderen einen Ratschlag geben, meinem Ärger direkt Luft machen... die Möglichkeit zur unkomplizierten »Sofortkommunikation« ist genial einfach. Aber nicht umsonst sprechen wir vom nach-denken. Nach dem ersten unmittelbaren Impuls erstmal denken, abwägen, mir Zeit nehmen. Die berühmte Nacht darüber schlafen... Das ist schon klug. Denn gerade das geschriebene Wort, das sitzt doch oft ziemlich tief.

Auch hier ist Jesus geniales Vorbild. In Kapitel acht des Johannesevangeliums lesen wir von der Ehebrecherin, die zu ihm gebracht wird. Er ist eigentlich gerade dabei, den Leuten von dem zu erzählen, was ihm und seinem Vater wichtig ist. Da kommen die, die immer alles ganz genau wissen (wollen) und treiben die Ehebrecherin zu ihm hin. »Nun, was sagst du?« fragen sie ihn. Da ist sie, die Stimme, die Druck macht. Sofort soll Jesus sagen, ob sie nun das Gesetz des Mose erfüllen und die Frau steinigen sollen oder nicht. Er kann es eigentlich nur falsch machen. Widerspricht er dem Gesetz des Mose, ist er kein frommer Jude. Spricht er sich für die Steinigung aus, kann er sich ab jetzt jede Rede über die Barmherzigkeit und die Möglichkeit zur Umkehr sparen.

Was macht Jesus? Er nimmt sich und er gibt den Pharisäern Zeit. Er hockt sich auf den Boden und schreibt mit den Fingern auf die Erde. Sie bleiben hartnäckig und dann erst kommt er, der berühmte, der so kluge und barmherzige Satz: »Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.« Und dann bückt er sich wieder nach unten in den Sand, lässt sie wieder nach-denken. Auch sie sollen sich Zeit nehmen. Er guckt sie nicht an, macht keinen Druck. Wichtig ist nicht, dass sie sofort Antwort geben, wichtig ist nicht, wer Recht hat, sondern, dass sie ihre Antwort mit Herz und Verstand prüfen.

Sieben Wochen ohne »sofort« kann also auch heißen: Mich öfter mal hinhocken statt drauflosantworten. Mehr Zeit zum nach-denken.



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