Sommeruniversität 2013 – D ALLTAG(S)GESTALTEN

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Seminare:

 

D 1/ Gesellschaft im Spiegelbild der Demenz

Die biomedizinische Betrachtungsweise des Phänomens Demenz ist im wissenschaftlichen Diskurs vorherrschend und führte zu einer stigmatisierenden Betrachtungsweise von Menschen mit Demenz (»leere Hüllen«) sowie zur Ausgrenzung. Seit einigen Jahren rückt die Demenz immer mehr ins Blickfeld sozialpolitischer und gesellschaftlicher Debatten. Dadurch wird es möglich, das Phänomen aus anderen Perspektiven zu betrachten, die sich grundsätzlich mit dem Menschsein beschäftigen. Was heißt es, eine »Person« zu sein? Wann ist ein Mensch »normal«? Wie erfolgen diesbezüglich Abgrenzungen und Zuordnungen? Wodurch werden diese erzeugt?
Mittels Diskussionen, Textarbeit und Analyse von Film- und Bildmaterial soll erarbeitet werden, wie Prozesse der Kategorisierung, ihre Grenzziehungen und Verschiebungen, ihre Mechanismen und Aufrechterhaltung anhand der Zuschreibungen »dement« beziehungsweise »nicht-dement« wirksam werden.

Leitung: Dr. Andrea Newerla, Verena Rothe
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 21. bis 25. August 2013

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D 2/ Stadtentwicklung im Verborgenen – Regionalisierung und Repräsentation von Alltagspraxis, Politik und Wirtschaft in Metropolräumen

Wer an große Städte oder Metropolen denkt, assoziiert zumeist klassische Symbole der europäischen Stadt: für Hamburg Rathaus und Michel, für München Marienplatz und Rathaus, für Heidelberg Schloss und Fluss. Dabei sind diese Zentren längst nur noch einzelne, wenn auch herausgehobene Elemente in stadtregionalen Verflechtungsmustern. Diese sind zwar in alltäglichen Praktiken selbstverständlich, sie werden aber nur selten statistisch-analytisch erfasst, kaum symbolisch repräsentiert und nicht angemessen politischplanerisch gestaltet. Für Stadtforschung, Raumwahrnehmung und Politik sind sie somit »unsichtbar«.
Das Seminar will die Wahrnehmung für diese verborgenen stadtregionalen Realitäten schärfen. Am Beispiel der Region Köln-Bonn sollen neue Visualisierungsformen und mögliche stadtregionale Symbole diskutiert sowie politisch-planerische Handlungsansätze gemeinsam erarbeitet werden. Im Seminar werden neben Textlektüre und Gruppenarbeit auch Exkursionen in die Region mit Expertinnengesprächen durchgeführt.

Leitung: Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Michael Weichbrodt
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 7 Tage
Zeitraum: 31. August bis 6. September 2013

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D 3/ Private Sphären – Öffentliches Interesse
Der moderne Rechtsstaat gründet sich auf die Vorstellung, dass die Innerlichkeit von Glauben, persönlicher Moralität und Gesinnung als innerer Ursprung der Freiheit (forum internum) vom äußeren Handeln der Menschen unterschieden werden muss. Der Rechtsstaat knüpft deshalb seine Regelungen nur an nachweisbare Gefahren für konkrete Rechtsgüter. Immer wieder steht aber diese scheinbar zwingende Trennlinie im »öffentlichen Interesse« zur Disposition: Der Staat schließt auf Gesinnungen,
die er für gefährlich hält und frühzeitig unschädlich machen will. Die Geheim- und Privatsphäre erscheint verdächtig und als heimlicher Gefahrenherd, den ein umfassendes Sicherheitsverständnis ungern ohne Kontrolle lässt.
Das Seminar wendet sich zunächst rechtsphilosophischen Grundlagen (Immanuel Kant) zu und beleuchtet im Anschluss zwei aktuelle Problemfelder von Gesetzgebung und Rechtsprechung. Vorgesehen sind Lektüregruppen, ein informatisch-technischer Vortrag eines »Abhörspezialisten« und ein WLAN-Planspiel.

Leitung: Prof. Dr. Christoph Enders
Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Meißen

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 16. bis 20. September 2013

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D 4/ Einsamkeit: Zur Sichtung einer unsichtbaren Erfahrung

Einsamkeit ist unsichtbar. Als psychischer Zustand ist sie zwar eine vertraute Selbsterfahrung, sie entzieht sich aber konsequent den Blicken der Umwelt. Trotzdem steht Einsamkeit häufig im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Im Seminar wird untersucht, wie das Thema in den Wissenschaften, den Medien und den Künsten dargestellt wird, welche gesellschaftlichen und politischen Interessen dabei im Hintergrund stehen und welches Bild von der Einsamkeit sich dadurch schließlich in unserer Kultur konstituiert.
Vorgesehen ist ein gemeinsames Quellenstudium zur Kulturgeschichte der Einsamkeit, das sich am Leitfaden der Themen »Einsamkeit als Autonomie« und »Einsamkeit als Krankheit« orientieren wird.

Leitung: Kerstin Vogt
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Dauer: 5 Tage
Zeitraum: 21. bis 25. August 2013

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