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Gedanken zum Monatsspruch September von Kerstin Söderblom

Monatsspruch September

„Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“ (Jeremia 31,3)

Vom Ziehen ist hier die Rede. Das klingt erst einmal seltsam. Muss ich gezogen werden? Ist es nicht meine Entscheidung, wann ich wo hingehe und zu wem oder nicht? Muss mich Gott denn unbedingt zu sich ziehen? Ist das nicht übergriffig?
Vielleicht geht es genau darum: Manchmal kann oder will ich nicht selbst gehen, will mir nicht helfen lassen, will nicht begleitet werden. Will auch keine Nähe haben. Auch nicht zu Gott. Distanz und Abgrenzung sind wichtig im Leben, keine Frage. Aber es gibt auch Situationen, da hätte ich gerne Nähe, kann sie aber selbst nicht herstellen. Wenn dann andere aktiv werden, ist es ein Geschenk. Wenn andere einfach zu mir kommen, mir Hilfe anbieten, wenn ich selbst nicht mehr kann. Wenn eine Freundin mich zum Trost umarmt oder wenn mich jemand im richtigen Augenblick über eine Schwelle zieht.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich mitten in meinem Theologiestudium eine ernste Krise hatte. Will ich Theologie überhaupt weiter studieren? Will ich wirklich Pfarrerin werden? Kann ich das vertreten, was in der Bibel steht? Und will ich überhaupt eine Kirche repräsentieren, deren theologische Verlautbarungen sich altbacken und wirklichkeitsfern anhören? So hatte ich es Ende der achtziger Jahre erlebt. Ich hatte also allen Grund skeptisch zu sein.
In dieser Phase absolvierte ich ein Gemeindepraktikum in einem Stadtteil von Frankfurt am Main. Die dortige Gemeindepfarrerin wurde meine Mentorin. Mit ihr sprach ich viel und lange über meine Fragen und Zweifel. Sie hörte geduldig zu, nahm mich überall mit hin, ermutigte mich selbst Verantwortung zu übernehmen, sodass ich meinen ersten Gottesdienst hielt und in anderen Veranstaltungen aktiv wurde. Die Praxis machte mir Spaß. Die inhaltliche und persönliche Begleitung durch die Mentorin taten mir gut. Und zum Ende meiner Zeit als Praktikanten nahm mich meine Mentorin zur Seite und redete mir gut zu. Sie sagte:

„Gerade weil du kritisch bist und dir deine eigenen Gedanken über Glauben und Kirche machst, bist du geeignet für den kirchlichen Dienst. Du bist den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Du hast Fragen gestellt und keine vorschnellen Antworten gegeben. Und du warst kritisch, wo es dir wichtig war. Das ist es, was du als gute Theologin und Seelsorgerin brauchst. Ich ermutige dich deshalb, dein Examen zu machen und als Vikarin Erfahrungen zu sammeln. Und wenn du Hilfe brauchst: notfalls schleppe ich dich eigenhändig zu den Examensprüfungen.“

Heute weiß ich, wie wichtig dieser Ratschlag der Mentorin für mich war. Ich beherzigte ihren Rat und machte mein Examen. Ich bin ihr bis heute dankbar dafür, dass sie mich buchstäblich über die Schwelle gezogen und mich zum Weiterstudieren ermutigt hat.

Auch für den Propheten Jeremia war der obige Vers eine existenzielle Erfahrung: Aufgrund seiner kritischen Prophezeiungen wurde er in einen tiefen Brunnen geschmissen und eingesperrt. Er sollte zum Schweigen gebracht werden und dort sterben. Aber Ebed-Melech, ein schwarzer Kämmerer des Königs, setzte sich beim König Zedekia für den Propheten ein. Der hatte ein Einsehen und erlaubte Ebed-Melech, Jeremia zu befreien. Mit drei anderen Männern zusammen zog er Jeremia wieder aus dem Brunnen und rettete damit sein Leben (Jeremia 38,4-13).
Mehrfach hat Jeremia Verleumdungen, Verhaftungen und Gewalterfahrungen erlebt und wurde immer wieder gerettet. Gott hat ihn zu sich gezogen und befreit. Das hat Jeremia trotz aller Krisen ermutigt, seinen gefährlichen Auftrag als Prophet weiter auszuführen. Genau wie Jeremia damals werden Menschen auch heute in Gottes Gegenwart hineingezogen. Wenn sie es zulassen. Und wer sich ziehen lässt, wird gestärkt und ermutigt weltzugewandt zu leben und Verantwortung zu übernehmen, auch für kritische Aufgaben. Sind Sie bereit, gezogen zu werden?

Herzliche Grüße aus Villigst von Kerstin Söderblom

 

Summer School 2017 in Wittenberg

Die Summer School 2017 steht unter dem Titel. Es reicht. Was mich angeht. Unter diesem reformatorischen Thema versammeln sich bis zu 800 Studierende und Promovierende im Jubiläumsjahr der Reformation vom 24. Juli bis zum 20. August 2017 in Lutherstadt Wittenberg.

Über Fächer-, Länder-, und Sprachgrenzen hinweg stellen sie sich und der Welt die großen Fragen: Wie viel braucht es, um zufrieden zu sein? Wie viel, um nicht zu verhungern? Wo müssen politische, religiöse und weltanschauliche Grenzen aufrecht erhalten werden? Wo standen schon zu lange Mauern zwischen Menschen? Was mach interdisziplinäre Diskurse möglich? Wann endet interkulturelle Kommunikation? Worauf fußt der interreligiöse Dialog? Und: Wo trifft mich ein Wort, ein Bild, eine Idee so, dass ich sagen kann: Es reicht. Was mich angeht.

Mehr Informationen hier.

 

Gedanken zum Monatsspruch August von Kerstin Söderblom

Salz in der Suppe

„Habt Salz in euch und Frieden untereinander!“ (Markus 9,50)

Salz bringt Würze ins Leben. Nicht zu viel, nicht zu wenig, aber eine Prise sollte immer dabei sein.

Es gefällt mir, dass Jesus die Gäubigen mit Salz in Verbindung bringt. Eine kleine Menge kann große Wirkung zeigen. Salz kann Eis aufbrechen und spiegelglatte Fahrbahnen abstumpfen. Salz ist nicht umweltfreundlich aber kann Leben retten. Eine Aufgabe von Christinnen und Christen ist es doch, den Frost von Beziehungslosigkeit zu schmelzen und Herzen zu erwärmen. Durch Mitmenschlichkeit, Solidarität und Interesse füreinander. Manchmal kann schon ein Lächeln menschliche Erstarrung lösen. Ein Händedruck, ein Gebet und unaufgeregte Hilfe können so viel bewirken, machmal können sie lebensrettend sein.

Auch die heilende Kraft von Salz ist bekannt. Sogar in offene Wunden wurde früher Salz gestreut. Es brennt fürchterlich, aber es hat reinigende Kraft. Manchmal müssen die Dinge eben beim Namen genannt werden. Klar und deutlich. Wenn im Namen von Religion Hass geschürt oder Gewalt verherrlicht wird, dann ist es Aufgabe von Christinnen und Christen Salz zu sein und dagegen aufzustehen. Unrecht gegenüber Anderslebenden und Andersgläubigen muss benannt und verurteilt werden. Das Feld darf nicht pseudo religiösen Extremisten und Fundamentalisten überlassen werden. Hier gilt es Kritik zu üben. Auch im eigenen Alltag. Konstruktive Kritik ist überlebenswichtig wie eine Prise Salz. Sie darf aber nicht ätzen und zerstören.

Salz konserviert auch: Werte, die nicht vergessen werden sollten, wie Nächstenliebe, Respekt und Achtung vor der Würde jeder und jedes Einzelnen. Solche Werte gilt es zu erhalten und immer wieder daran zu erinnern, wenn im Netz zügellos Hasskommentare gepostet werden, wenn Shitstorms und digitales Mobbing ananonym die Runde machen, ohne dass jemand Verantwortung dafür übernimmt. Hier braucht es eine Kultur von Mitmenschlichkeit und Respekt, die dagegen hält und sich nicht einwickeln lässt in die Spirale der Gewalt.

„Habt Salz in Euch!“ Das hat Jesus von seinen Vertrauten erwartet. Verkündet das Evangelium und bringt damit Würze unter die Menschen. Wenn Glaube so ins Leben wirkt, dann schließt er Genuss und Freude nicht aus. Aber Glaube verschließt sich auch nicht vor klaren Worten gegen Unrecht. Und er deckt auch Schmerzen nicht zu, wenn Menschen trauern, Verluste beklagen oder Probleme haben. Glaube kann helfen, über Schmerzen zu reden, Krisen zu benennen und Klarheit zu bringen. Dann können auch Trost, Mitgefühl und Hilfe wirken. Also, habt Salz in euch und Frieden untereinander!

 

 

Gedanken zum Monatsspruch für Juli von Pfarrerin Kerstin Söderblom

„Gott gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen Gottes vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“ (2. Mose 33,19)

Mose wollte Gottes Antlitz sehen. Zur Versicherung, zur Stärkung. So einiges hatte er schon mit den Israelitinnen und mit Gott erlebt, seit sie aus der Sklaverei in Ägypten geflohen waren und entkräftet, hungrig und durstig durch die Wüste zogen. Endlich kamen sie am Berg Sinai an. Endlich konnten sie eine längere Pause machen. Mose nutzte sie, um auf den Berg Sinai zu steigen und mit Gott zu sprechen. Er bekam von Gott die Gesetzestafeln. Als Mose vom Berg Sinai zurück kam, tanzten seine Leute um ein aus Schmuck gegossenes Goldenes Kalb. Das war zu viel für Mose. Er wurde wütend, zerschmetterte die von Gott erhaltenen Gesetzestafeln und veranlasste, das Götzenbild umgehend wieder einzuschmelzen. Mose ging danach erneut auf den Berg Sinai, um sich mit Gott zu besprechen. Aber nun brauchte Mose handfeste und sichtbare Vergewisserung. Er wollte Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Der obige Vers ist Gottes Antwort darauf.

Gott versprach, in seiner ganzen Schönheit an Mose vorbeizuziehen. Im Hebräischen heißt Schönheit eigentlich Glanz. Das Wort ist hergeleitet von dem Wort „Kabod“ (schwer sein). Im doppelten Sinn des Wortes: Schwer an Gewicht und schwer an Würde. So schwer, dass kein Mensch diesen Glanz tragen oder aushalten kann (2. Mose 33, 20-23). Auch sein treuer Gesandter Mose konnte das nicht. Gott hielt ihm daher die Hand vor Augen. Mose konnte Gottes Angesicht nicht sehen, als Gott an ihm vorüber ging. Gottes Glanz hat er trotzdem gespürt und vor allem Gottes Namen gehört.

Gottes Glanz ist nicht abbildbar. Deshalb gilt auch das biblische Bilderverbot. Übertragen heißt das: Gott ist nicht definierbar, nicht etikettierbar oder kategorisierbar. Niemand besitzt Gott, niemand kann Gott fassen. Gott bleibt immer die ganz Andere. Eine Kraft, die unverfügbar bleibt für menschliche Ideologie und menschliche Pläne. Eine Vollmacht, die Gnade und Erbarmen gewärt. Gottes Glanz lässt sich weder in ein Goldenes Kalb pressen noch in irgendeinen anderen materiellen Wert. Gott übersteigt menschliche Grenzen .

Gleichzeitig ist Gott ansprechbar. Zwiesprache ist möglich! Gott hat mit Mose gesprochen. Und nicht nur mit ihm. Im Gebet, beim Meditieren, auf einem Berg, in Gemeinschaft. Gott ist da.
„Ich bin der, der ich sein werde“, sagte Gott zu Mose, als er mit ihm das erste Mal sprach. Und Gott wurde zur befreienden Kraft aus der Unterdrückung in Ägypten, zur sichtbaren Wolke am Tag und zur Feuersäule in der Nacht, um den Geflüchteten Orientierung in der Wüste zu geben. Gott blieb da. Sichtbar, spürbar. Und doch ganz anders als gedacht.

Gesegnete Sommerwochen und liebe Grüße aus Villigst von Kerstin Söderblom

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Ringvorlesung in Berlin: Sprachen des Unsagbaren

Stipendiatinnen und Stipendiaten des Evangelischen Studienwerks haben in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin für das Sommersemester 2016 eine Ringvorlesung zum Thema "Sprache des Unsagbaren. Zum Verhältnis von Theologie und Gegenwartsliteratur" organisiert. Welche kreativen und hermeneutischen Potentiale werden von Literatur und Theologie in wechselseitiger Aneignung freigesetzt? WissenschaftlerInnen wie AutorInnen machen sich die Topoi des jeweils anderen zu eigen und erschaffen auf diese Weise Neues auf ihrem Gebiet. Was sind die Facetten und Dynamiken derartiger Transformationen und in welcher Beziehung stehen sie zur Gegenwart? Die Ringvorlesung an der Humboldt-Universität zu Berlin läd Autorinnen, Theologinnen
und Literturwissenschaftlerinnen zu Erkundungen im Grenzgebiet zwischen Eigenem und Fremden ein.

Der Flyer kann hier heruntergeladen werden.

JP2016

Jahresprogramm 2016

Die Veranstaltungen des Evangelischen Studienwerks für 2016 auf einen Blick – das bietet das neue Jahresprogramm. Es lädt dazu ein, das Evangelische Studienwerk näher kennen zu lernen und die Vielfalt der Angebote zu entdecken. Ob Sommeruniversität zum Thema »aufbrechen«, Pfingsttreffen, Mentoringprogramme, Regionalgruppenveranstaltungen oder Ringvorlesungen – für alle Generationen und Interessen ist etwas dabei. Wir laden Sie herzlich ein, unsere Angebote für interdisziplinäre und generationenübergreifende Diskussionen zu nutzen.

Bitte beachten Sie: In der gedruckten Fassung haben sich zwei Fehler eingeschlichen: Das Seminar C 5 findet nun nicht in Meißen, sondern in Villigst statt. Beim Seminar A 2 steht eine falsche Beschreibung. Den korrekten Text können Sie auf S. 43 der digitalen Version lesen.

Hier können Sie das Programm als pdf herunterladen. [4,0 MB]

 raumundmaterie

Publikation: Raum und Materie

Herausgegeben von Eberhard Müller. Dieser Band bietet ein weitgespanntes Spektrum aktueller Forschung mit
neuesten Ergebnissen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Physik. Der thematische Bogen wird von den Grundlagen der relativistischen Quantenphysik bis hin zu der nanotechnologischen Festkörperphysik und extremen Konfigurationen der Atomphysik gespannt. Die Autoren haben in ihren Beiträgen den Spagat gewagt, anspruchsvolle Forschung wissenschaftlich präzise und zugleich verständlich zu vermitteln. Der Band will zum Dialog zwischen unterschiedlichen physikalischen Spezialdisziplinen beitragen und zugleich diese Spezialdisziplinen einer interessierten wissenschaftlichen Öffentlichkeit erschließen. Er spricht interessierte Studierende und Lehrende an. Und er lädt angehende Forscherinnen und Forscher ein, die Anregungen zur Orientierung im komplexen Feld der Physik suchen.

Mehr Informationen auch zum Bezug im Bereich Publikationen.

 

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