Adventsimpulse 2016

Auch in diesem Jahr gibt es wieder geistliche Impulse zum Advent. Thema der Adventsimpulse ist in diesem Jahr „Lieder und Songs im Advent“. Ab Sonntag, den 27. November (1. Advent) wird es bis zum Heiligen Abend jeden Tag einen geistlichen Impuls von Stipendiatinnen, Altvilligsterinnen und Mitgliedern aus der  Geschäftsstelle geben. Vorgestellt werden Lieder und Songs aus allen Musikrichtungen, die für die Autorinnen etwas mit Advent zu tun haben. Wir wünschen Ihnen und Euch eine gesegnete Adventszeit mit hoffentlich etwas Muße zum Innehalten. Vielleicht können die vorgestellten Lieder und Songs dabei auch nachklingen. Viel Spaß beim Lesen (und Hören)!

 

Adventsimpuls zum 29. November 2016

Fairytale of New York (The Pogues & Kirsty MacColl)

Den Song „Fairytale of New York“ https://www.youtube.com/watch?v=j9jbdgZidu8 der Irish-Folk-Punk-Band The Pogues habe ich zum ersten Mal zur Weihnachtszeit vor zwei Jahren während meines Auslandjahres in Irland gehört. Dort ist der Song aus dem Jahr 1987 ein richtiger Weihnachtsklassiker, der im Radio, in jedem Pub und Geschäft gespielt wird. Wenn man einen Blick auf den Text des Liedes wirft, bekommt man eine Ahnung warum. Hier ein paar Ausschnitte:


It was Christmas Eve babe
In the drunk tank
An old man said to me, won't see another one
And then he sang a song
The Rare Old Mountain Dew
I turned my face away
And dreamed about you

Got on a lucky one
Came in eighteen to one
I've got a feeling
This year's for me and you
So happy Christmas
I love you baby
I can see a better time
When all our dreams come true


You were handsome
You were pretty
Queen of New York City
When the band finished playing
They howled out for more
Sinatra was swinging,
All the drunks they were singing
We kissed on a corner
Then danced through the night

You're a bum
You're a punk
You're an old slut on junk
Lying there almost dead on a drip in that bed
You scumbag, you maggot
You cheap lousy faggot
Happy Christmas your arse
I pray God it's our last

The boys of the NYPD choir
Still singing "Galway Bay"
And the bells were ringing out
For Christmas day

I could have been someone
Well so could anyone
You took my dreams from me
When I first found you
I kept them with me babe
I put them with my own
Can't make it all alone
I've built my dreams around you

Eine Menge Schimpfworte und Alkohol, eine Ausnüchterungszelle, deftige Flüche und zu guter Letzt das Wort Weihnachten – was braucht es mehr für einen Weihnacht-Evergreen in Irland? Natürlich noch eine Melodie, die einem einfach nicht mehr aus dem Kopf geht und zwei bemerkenswerte Stimmen, die sich einen wahren Gesangsschlagabtausch liefern und dabei gleichzeitig perfekt zueinander passen. Shane MacGowan, Sänger der Pogues, und die Singer-Songwriterin Kristy MacColl singen sich im Call-and-Response-Prinzip gegenseitig in Grund und Boden. Der Song beginnt leise mit Klavier und Streichern und einem Solo von MacGowan. Schließlich setzen alle restlichen Instrumente mit dem Gesang von MacColl ein - an dieser Stelle bekomme ich jedes Mal ein bisschen Gänsehaut.
Der Song erzählt die traurige Geschichte eines jungen Paars, das sein Glück in Amerika sucht, aber nicht findet. Diese deprimierende Geschichte mag auf den ersten Blick so gar nicht in die
Weihnachtszeit passen. Trotzdem hört man der lebhaften Melodie und auch dem Text eine leise Hoffnung an: „I can see a better time, when all our dreams come true“. Diese Hoffnung und das Warten auf etwas Besseres ist dann doch wieder typisch Adventszeit.
Für mich persönlich ist das Lied eine Erinnerung an eine ganz andere, tolle und intensive Weihnachtszeit in meiner zweiten Heimat. Jedes Mal, wenn ich "Fairytale of New York" höre, fühle ich mich dieser Zeit und den Menschen dort ganz nah. Heute ist das Lied für mich untrennbar mit Weihnachten verbunden. In diesem Sinne: Happy Christmas you a...!

Sofie Mörchen

 

Adventsimpuls zum 28. November 2016


Selbstverständlich!

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..." - selbstverständlich darf dieses Lied in keinem traditionellen protestantischen Gottesdienst fehlen. Gewiss nicht zu Unrecht kommt ihm die Ehre zu, die "Nr.1" im Evangelischen Gesangbuch zu sein.
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..."- selbstverständlich konnten sich diese wunderschön gedichteten, 1623 der Feder Georg Weissels entsprungenen Zeilen über so viele Generationen hinweg halten.
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..." - selbstverständlich sorgt die geradezu majestätische Melodie aus dem frühen 18. Jahrhundert für ein erhebendes Gefühl; die gewünschte Adventsstimmung ist sofort da.
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..." - selbstverständlich können wir zumindest die erste Strophe auswendig und singen gerne mit, wenn dieser Klassiker auf den Weihnachtsmärkten erklingt.
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..." - selbstverständlich gibt es auch noch andere traditionsreiche Adventslieder, aber dieses lässt sich nicht so einfach vom Treppchen stoßen.
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..." - selbstverständlich kann uns dieser Ohrwurm irgendwann auch wieder aus den Ohren herauskommen, wenn ihn der Posaunenchor zum x-ten Mal anstimmt.
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..." - selbstverständlich werden wir aber auch im nächsten Jahr um dieses Meisterwerk nicht herumkommen.
"...es kommt der Herr der Herrlichkeit" - selbstverständlich?

Yannik Steffens, Berlin

 

Adventsimpuls zum 27. November 2016, 1. Advent

„FRAGILE“ (Sting):

ÜBERSETZUNG

„Wenn Fleisch und Stahl eins werden, fließt Blut. Es trocknet im Abendrot, und der Regen des folgenden Tages spült die Flecken fort. Aber etwas wird für immer auf unserer Seele zurückbleiben.

Vielleicht liegt der Sinn dieses Schlussakts darin, ein für allemal dieses lebenslange Gezerre mit einer Erkenntnis zu beenden: dass Gewalt zu nichts führt und noch keinem etwas gebracht hat – auch denen nicht, die von Natur aus streitsüchtig und krieglüstern veranlagt sind. Und wir alle sollten nie vergessen, wie zerbrechlich wir doch sind.

Es wird regnen und regnen und regnen –
so, als ob die Sterne weinten.
Und der Regen wird uns daran erinnern,
wie zerbrechlich wir doch sind...“

Ich mag den Song „Fragile“ https://www.youtube.com/watch?v=lB6a-iD6ZOY von Sting, seit ich ihn zum ersten Mal gehört habe. Nachdenklich, melancholisch, gefühlvoll singt Sting davon, wie zerbrechlich die Menschen sind. Und: dass Gewalt zu nichts führt, nie, für niemanden. Den Song hat Sting 1988 einem gewissen Ben Lindner gewidmet. Er war ein Aktivist, der 1987 von den rechtsgerichteten Contras in Nicaragua ermordet wurde, während er dort für ein hydroelektisches Projekt gearbeitet hat. „Fragile“ von Sting wurde auch für den Dokumentarfilm „Panama Deception“ von 1992 eingespielt. Die Dokumentation berichtet von der US Amerikanischen Invasion nach Panama im Jahr 1989.

Ebenso hat Sting mit dem Song „Fragile“ sein Konzert und seine Live-CD „All this Time“ eröffnet. Das Live-Konzert gab er am Abend des 11. Septembers 2001 vor seiner Villa Il Palagio in Italien. Einige Stunden vorher waren die beiden Türme des World Trade Centers aufgrund der Terroranschläge in New York eingestürzt. Mit „Fragile“ hat Sting auch sein Konzert im Club Bataclan in Paris am 12. November 2016 begonnen, als der Club genau ein Jahr nach den Terroranschlägen in Paris mit einem Konzert von Sting wieder eröffnet wurde. Ein Zeichen gegen Hass und Gewalt.

Warum dieser Song für mich etwas mit Advent zu tun hat? „Fragile“ erinnert mich durch Musik und Text an die Zerbrechlichkeit und die Vergänglichkeit menschlichen Lebens. Ohne moralisch zu werden, fordert der Song im Umkehrschluss dazu auf, respektvoll und achtsam mit dem Leben umzugehen. Aber „Fragile“ verheimlicht auch nicht, dass der Alltag vieler Menschen oft ganz anders aussieht: Er ist voller Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Lange war das nicht mehr so sichtbar und spürbar wie im rassistischen, frauen-, homo- und islamfeindlichen Wahlkampf von Donald Trump und seinem Team in den USA. Sting singt dagegen an. Nicht nur in diesem Song. Das beeindruckt mich.

In anderer Weise spricht die christliche Advents- und Weihnachtsbotschaft gegen Hass und Gewalt: Im Advent warten die Menschen darauf, dass Jesu Geburt an Weihnachten gefeiert wird. Mit Jesu Geburt hat Gott vor über 2000 Jahren ein menschliches Gesicht bekommen. Gottes Botschaft wurde in der Welt sichtbar und hörbar: Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe. Diese Trias ist die Zusammenfassung der christlichen Botschaft. Sie fordert eine Haltung von Respekt und Achtung allen Menschen gegenüber, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Geschlechtsidentität, Religion oder sexuellen Orientierung. Warum? Weil Menschen zerbrechlich sind, weil Leben zerbrechlich ist. „Und der Regen wird uns daran erinnern, wie zerbrechlich wir doch sind…“

Ich wünsche Euch und Ihnen allen einen gesegneten 1. Advent! Kerstin Söderblom
 

Summer School 2017 in Wittenberg

Die Summer School 2017 steht unter dem Titel. Es reicht. Was mich angeht. Unter diesem reformatorischen Thema versammeln sich bis zu 800 Studierende und Promovierende im Jubiläumsjahr der Reformation vom 24. Juli bis zum 20. August 2017 in Lutherstadt Wittenberg.

Über Fächer-, Länder-, und Sprachgrenzen hinweg stellen sie sich und der Welt die großen Fragen: Wie viel braucht es, um zufrieden zu sein? Wie viel, um nicht zu verhungern? Wo müssen politische, religiöse und weltanschauliche Grenzen aufrecht erhalten werden? Wo standen schon zu lange Mauern zwischen Menschen? Was mach interdisziplinäre Diskurse möglich? Wann endet interkulturelle Kommunikation? Worauf fußt der interreligiöse Dialog? Und: Wo trifft mich ein Wort, ein Bild, eine Idee so, dass ich sagen kann: Es reicht. Was mich angeht.

Mehr Informationen hier.

 

 

 

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